Pop-Jazz
Gregor Loepfe: «Wir sind definitiv keine Eintagsfliegen»

Jazzpianist Gregor Loepfe und Popsängerin Cathryn Lehmann veröffentlichen mit der Band Catmosphere ihr erstes Album.

Ursula Burgherr
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Pianist Gregor Loepfe aus Wettingen.

Pianist Gregor Loepfe aus Wettingen.

Sängerin Cathryn Lehmann aus Ennetbaden.

Sängerin Cathryn Lehmann aus Ennetbaden.

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«Smiles and Tears» heisst die neue CD von Catmosphere. Die Band, die relativ neu in der hiesigen Musikszene ist, setzt sich aus Pianist Gregor Loepfe, Sängerin Cathryn Lehmann, Bassist Chris Frey und Schlagzeuger/Percussionist Peter Preibisch zusammen. Lachen und Tränen – wie es der Albumtitel besagt – habe es in der rund fünfjährigen Entstehungsphase oft gegeben. «Immer wenn wir uns zur Probe trafen, erzählten wir uns eine Stunde lang aus unserem Leben. Was gut – und was schlecht gelaufen ist. Das hat uns zusammengeschweisst und gab viele Inputs für unsere Songs», erzählt Loepfe.

Der 49-jährige Pianist aus Wettingen gibt Einzelklavierunterricht an der Kanti Baden und hat einen Teilzeitjob als Redaktor bei Radio Swiss Jazz, SRF 2 Kultur. Lehmann, in Ennetbaden wohnend und gerade 50 geworden, unterrichtet Schulmusik an der Oberstufe Würenlingen. Zudem gibt sie privaten Gesangsunterricht und leitet den Jugendchor Funkybees. Bekannt wurde die Vokalistin mit der Frauenband Härz, deren eher kitschig anmutender Song «Sonä Momänt» als Jingle für eine Coop-Werbung ausgewählt wurde und eine Zeitlang in Endlosschlaufe über den Äther lief. Für diesen Ohrwurm gab es einen Swiss Music Award.

Unterwegs mit Fankhauser und Seven

Es ist erstaunlich und gleichzeitig spannend, dass die Popsängerin, die schon bei Seven und Philipp Fankhauser als Backing Vocalist auftrat, und der Jazzmusiker, der gerne neues und unkommerzielles musikalisches Terrain erkundet, sich trotz ihrer Kontraste zusammengefunden haben. Loepfe dazu: «Ich bewundere die jungen Jazzabgänger der Hochschulen für ihre waghalsigen und komplizierten Strukturen, die sie in ihrer Musik haben. Das ist aber nicht mein Ding. Ich bin ein Fan von Melodien, farbigen Harmonien und eingängigen Grooves, die dem Herzschlag oder Schrittrhythmus des Menschen entsprechen.»

Seit Gregor Loepfe die seelenvolle und facettenreiche Stimme von Cathryn Lehmann gehört hat, liess sie ihn nicht mehr los. Ihr samtiges warmes Timbre, das über mindestens drei Oktaven hinausgeht, inspirierte ihn für eine Kooperation, die auch in Zukunft Früchte tragen soll. «Ich ging an ein Konzert von ihr. Sie sang ‹Autumn Leaves›, einen Klassiker, der mir langsam schon überdrüssig war. Aber ihre Version war einzigartig.» Seither sind die beiden ein Team. Alle Songs auf «Smiles and Tears» stammen aus der eigenen Feder. Mit Ausnahme von «Wouldn‘t It Be Good» aus den Achtzigerjahren von Nik Kershaw, das in einem völlig ungewöhnlichen jazzigen Arrangement daherkommt.

Loepfes «Like an Orphan» ist seiner Mutter gewidmet, die 2017 an Krebs verstarb und seinem Vater, der vor zwei Jahre mit Parkinson aus dem Leben schied. Trotzdem swingt die Komposition mit Bläsersätzen von Lukas Thoeni (Trompete) und Christoph Grab (Sax), verbreitet Optimismus und evoziert beim Zuhörer mit seiner treibenden Rhythmik das Gefühl: Was immer auch passiert – irgendwie geht es weiter. «Waves» stammt aus dem letzten Soloalbum von Lehmann. Sie ist begeistert von Loepfes neuem Arrangement. «Die Wellen, die ich besinge, werden durch seine Soli am Klavier hör- und spürbar», meint sie.

Am nächsten Montag wird das Album getauft. Es ist das erste Konzert der Band nach Corona. Auf dem Plan stehen weitere Gigs in Dietikon, Winterthur und Wohlen. Loepfe hofft auf mehr: «Wir sind definitiv keine Eintagsfliege und wollen in verschiedenen Besetzungen mit und ohne Bläser oder im Duo auftreten.» Die Chemie stimmt. Für Loepfe und Lehmann die wichtigste Voraussetzung für eine kreative und prosperierende Zusammenarbeit.

Catmosphere: «Smiles and Tears». Plattentaufe: 25.10. im Restaurant Isebähnli Baden.

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