Kino

Wenn zwei Urgewalten aufeinanderknallen

Für 21 Kinofilme standen Batman und Superman bereits Pate. Nun sind die beiden Superhelden erstmals gemeinsamin einem Streifen zu bewundern. Fox Warner

Für 21 Kinofilme standen Batman und Superman bereits Pate. Nun sind die beiden Superhelden erstmals gemeinsamin einem Streifen zu bewundern. Fox Warner

In «Batman v Superman» kommt es zum Duell der Übermänner. Endlich, könnte man sagen. Eine Frau stiehlt den beiden Männern aber die Schau: Wonder Woman. 2017 bekommt sie ihren eigenen Kinofilm.

Sie sind wie Tag und Nacht: Hier der glattgebügelte Himmelsstürmer, der mit seinen Superkräften gottesgleich zum Rechten schaut; dort der kantige Milliardär, der im dunklen Untergrund seine Selbstjustiz walten lässt.

Superman und Batman sind Antithesen, zwei unvereinbare Urgewalten. Im neuen Kinofilm «Batman v Superman: Dawn of Justice» knallen sie nun aufeinander – endlich, ist man versucht zu sagen.

Denn obwohl beide Superhelden vor über 80 Jahren beim US-Verlag DC Comics entstanden sind und seither bereits für 21 Kinofilme Pate standen, ist es auf der grossen Leinwand – anders als in den Comics – noch nie zu diesem Titanenduell gekommen.

Die 7 Batman- und 5 Superman-Darsteller vor Ben Affleck und Henry Cavill – den beiden Stars von «Batman v Superman» – existierten immer in ihren eigenen, hermetisch abgeriegelten Filmwelten.

Wie auf dem Karussell

Bei all diesen Batmans und Supermans war es so, als würden wir sie auf einem Karussell betrachten: Alle paar Jahre rotierten sie wieder in unser Blickfeld, doch verändert hatten sie sich kaum.

Klar, jeder Auftritt stand ein Stück weit im Zeichen ihrer Zeit: Der erste Batman Lewis Wilson kämpfte 1943 gegen japanische Spione, Christopher Reeve als Superman vierzig Jahre später gegen Supercomputer; und diesseits des Jahrtausends legte die Fledermaus ihrem Erzfeind dann per Datenüberwachung das Handwerk.

Doch im Kern blieben beide Figuren über Jahrzehnte hinweg ihren Ursprüngen treu. Selbst «Batman v Superman» beginnt auf altbekannte Art: der junge Bruce Wayne am Grab seiner Eltern, dann sein Sturz in eine Höhle voller Fledermäuse. Es sind Szenen, die wir schon ein dutzend Mal gesehen haben, sie gehören zu Batmans filmischer DNA.

Man kann diese Superhelden nicht neu erfinden. Doch bringt man sie zusammen, könnte es wieder spannend werden – und lukrativ: Der Ticketvorverkauf für «Batman v Superman» deutet auf ein gigantisches Einspielergebnis hin.

Mit der «Dark Knight»-Trilogie (2005–2012, mit Christian Bale als Batman) hat der neue Film nichts zu tun, er ist vielmehr eine Fortsetzung der letzten Superman-Neulancierung, «Man of Steel» (2013). Regie führte wieder Zack Snyder, der damals für seine blanke Zerstörungswut im Film stark kritisiert wurde.

Das greift er nun auf: In «Batman v Superman» zeigt er einen älteren, rachsüchtigen Batman (Ben Affleck), dessen Freunde während Supermans Gefechten ums Leben kamen. Umgekehrt missbilligt Superman Batmans Hang zur Selbstjustiz. Oberschurke Lex Luthor (Jesse Eisenberg) stachelt die Meinungsverschiedenheit an, bis es zum grossen Knall kommt.

Prinzip Heavy Metal

Wie Nolan (an diesem Film als Produzent beteiligt) setzt auch Snyder auf Hightech und düstere Bilder. Doch anders als Nolan hat Actionexperte Snyder kaum Feingefühl oder Sinn für Dramaturgie.

Während der ersten Stunde des Films springt er lieblos zwischen den beiden Helden umher, einschneidende Ereignisse streift er im Schnelldurchlauf, bis zwischen dem Mann aus Stahl und dem dunklen Ritter die Fäuste fliegen. Snyder inszeniert das dann wie ein Heavy-Metal-Video: je lauter und explosiver, desto besser.

Dass sich der Filmemacher kaum um einen Plot kümmert, hat einen einfachen Grund: «Batman v Superman» (der den Untertitel «Dawn of Justice» trägt) ist im Prinzip ein zweieinhalbstündiger Trailer für Snyders nächsten Film «Justice League». 2017 soll dieser Zweiteiler in die Kinos kommen. Er ist das bisher ambitionierteste Kinoprojekt überhaupt von DC Comics, das sich von seinem grossen Rivalen Marvel die Krone zurückschnappen will.

Denn obwohl DC mit Batman und Superman über die zwei populärsten Superhelden überhaupt verfügt, hat ihm Marvel während den letzten zehn Jahren mit «Iron-Man», «Captain America» und Co. an den Kinokassen den Rang abgelaufen.

Weitere Helden am Start

Nun baut sich DC analog zu Marvel ein eigenes übergreifendes Kinouniversum auf. So erhalten nach «Batman v Superman» auch andere DC-Helden wie Wonder Woman, Aquaman und The Flash eigene Kinoabenteuer. In den «Justice League»-Filmen treffen sie aufeinander – DCs Gegenstück zu Marvels Megablockbuster «The Avengers».

«Batman v Superman» ist gespickt mit Anspielungen auf diese kommenden Filme, angefangen bei Lux Luthors Liste diverser Meta-Menschen mit übernatürlichen Kräften bis hin zu einem ausgedehnten Gastauftritt von Wonder Woman selbst. Ihre Darstellerin Gal Gadot stiehlt Affleck und Cavill dabei gar die Schau.

Wonder Woman ist der eigentliche Höhepunkt von «Batman v Superman», eine 5000 Jahre alte Amazone mit mysteriöser Vergangenheit. Ab April steht Gadot für den «Wonder Woman»-Film (Kinostart: Juni 2017) wieder vor der Kamera – ein Coup für DC.

Denn Konkurrent Marvel hat sich bei 13 abgedrehten Filmen bislang noch nicht an eine Protagonistin herangewagt. Batman gegen Superman mag es noch nie gegeben haben. Doch worauf wir wirklich gewartet haben, ist eine Dame, die es mit ihnen aufnehmen kann.

Batman v Superman: Dawn of Justice (USA 2016), 153 Min. Regie: Zack Snyder. Mit Ben Affleck, Henry Cavill, Gal Gadot u. a. Ab Donnerstag im Kino.

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