Liebe
Wenn da plötzlich mehr ist als nur Freundschaft

Freundschaft mit leidenschaftlichem Sex? Kann das gut gehen? Sind Freunde mit gewissen Vorzügen ein neuer Trend? Zumindest auf der Leinwand sind sie dies. Bis die Liebe doch obsiegt.

Silvia Schaub
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Kinoträume lassen sich nicht immer so einfach ins Leben umsetzen. Und manche davon sollten vielleicht besser auf der Leinwand bleiben. Derzeit gibt ein Thema besonders viel Filmstoff her: Sex mit dem besten Freund. Erst zeigten uns Anfang Jahr Natalie Portman und Ashton Kutcher in «No Strings Attached» und dann Anne Hathaway und Jake Gyllenhaal in «Love And Other Drugs», wie und ob das funktionieren kann.

Ab 8. September, mit Mila Kunis und Justin Timberlake in «Friends With Benefits», wird dieses Thema wiederum aufgegriffen. Hier wie dort trifft tiefe Freundschaft auf leidenschaftlichen Sex. Beschreiben die Filme bloss eine gesellschaftliche Utopie? Oder kann diese prickelnde Kombination tatsächlich unter einen Hut gebracht werden, ohne dass einer der beiden Akteure emotional verletzt wird?

Sex ohne Verpflichtung

Zumindest auf der Leinwand scheint dieser Plan zunächst aufzugehen. Als sich in «No Strings Attached» Adam Kurtzman und Emma Franklin nach Jahren wiedertreffen, knistert es noch immer zwischen den Jugendfreunden. Doch Emma findet als angehende Ärztin keine Zeit für feste Beziehungen und will daher nur eines: Sex. In «Love And Other Drugs» trifft die Parkinson-kranke Maggie auf den charmanten Medikamentenvertreter Jamie. Sie landen ziemlich schnell im Bett. Doch Maggie hat aufgrund ihrer Krankheit Angst vor einer echten Beziehung. Und schliesslich erkennen in «Friends With Benefits» die New Yorkerin Jamie und Art Director Dylan schnell, dass sie sich zwar voneinander angezogen fühlen, aber aufgrund von Beziehungsnachwehen noch keine neuen Verpflichtungen eingehen wollen. So werden Jamie und Dylan gute Freunde – mit gewissen Vorzügen. Was schlicht bedeutet, dass sie miteinander schlafen.

Sex ohne Verpflichtungen, der Traum eines jeden Mannes – und jeder Frau. Seit dem berühmten Filmpaar «Harry and Sally» hat auch in hiesigen Frauengesprächen die englische Übersetzung «Friends With Benefits» längst Einzug gehalten.

Für Beziehungs-Phobiker gibt es wenig Hoffnung

Wie bei der PR-Beraterin Mona T., die sich regelmässig mit ihrem besten Freund Tim trifft. Mal unternehmen sie einen Ausflug zusammen oder verabreden sich zum Tennis. Beide sind eingefleischte Singles und haben auch nicht vor, dies zu ändern. Dass es hin und wieder zu einem gemeinsamen Nachspiel kommt, sei für sie unproblematisch, sagt Mona selbstbewusst. Trotz der gegenseitigen Vertrautheit, die sie eher als eine geschwisterliche Freundschaft betrachtet, sei das Thema Beziehung noch nie aufgekommen. «Wir haben einander gegenseitig zu verstehen gegeben, dass nicht mehr drinliegt.» Sie ist überzeugt, dass diese lose Freundschaft ganz ohne Verpflichtung gut funktioniere. Bei ihr jedenfalls.

Dennoch: Für Beziehungs-Phobiker gibt es wenig Hoffnung. «Dieses Beziehungsmodell ist kein Trend, sondern nur die Abwandlung eines aufkommenden sexuellen Selbstbewusstseins der Frau», glaubt die deutsche Psychologin Lisa Fischbach. So könne zwar die moderne Frau erfüllten Sex mit einem fremden Mann haben. Doch zwangloser Sex mit dem besten Freund, ohne Stress und Beziehungsdrama, sei doch eher selten.

Geheimnisvolles Phänomen

Dies bestätigt auch der Berner Paartherapeut und Buchautor Klaus Heer, und er weiss auch weshalb: «Die Erfahrung zeigt, dass man eine Beziehung letztlich nicht im Griff haben kann. Sobald man eine Freundschaft gemeinsam gegen eine aufkeimende Liebe schützen muss, gesteht man sich unausgesprochen ein, dass die Liebe bereits da ist. ‹Klar besprechen› hat also genau die entgegengesetzte Wirkung: Es ist Öl ins Liebesfeuer.» Die Anziehung zwischen zwei Menschen sei ein geheimnisvolles Phänomen, so Heer. «Sie ist wild und nicht wirklich zu kontrollieren oder zu zähmen.»

Welche Bereitschaft müsste gegeben sein, damit es rein hypothetisch funktionieren könnte? Heer: «Beide müssten wachsam und diszipliniert sein und bleiben. Doch das ist eine paradoxe Anstrengung. Je mehr Mühe man sich geben muss, umso attraktiver wird der andere.»

Und das ist letztlich auch im Film nicht anders. Denn bald schon merken Jamie und Dylan, dass eindeutig mehr im Spiel ist als die Lust auf Sex. So obsiegt – wie auch in den Vorgängerfilmen – die Liebe. Für Schauspieler Justin Timberlake vermittelt der Film einen wichtigen Aspekt: «Er zeigt, dass es nicht unbedingt empfehlenswert ist, mit dem besten Freund zu schlafen, aber durchaus, sich in ihn zu verlieben.»

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