Glosse

Wenn aus Popstars Pornostars gemacht werden: Der Trend des «Deep Fake»

Deep-Fake-Videos: Emma Watson ist ein besonders beliebtes Ziel.

Deep-Fake-Videos: Emma Watson ist ein besonders beliebtes Ziel.

Auf der Leinwand und auf den Bühnen sind Hollywoodstars und Popsängerinnen derzeit kaum zu finden. Stattdessen tummeln sie sich auf Porno-Portalen. Allerdings nicht ganz freiwillig.

Die Pandemie hat die Film- und Popstars von der Leinwand und der Bühne vertrieben. Stattdessen sind sie vermehrt auf Porno-Portalen zu finden. Besonders prominent vertreten sind Emma Watson und Scarlett Johansson. Aber auch Sexvideos von Billie Eilish oder Miley Cyrus sind zu finden. Millionenfach werden sie angeklickt.

Natürlich haben die talentierten Frauen solcherlei nicht nötig – nicht so wie einst Paris Hilton, die es mit einem Sextape erst richtig zur Berühmtheit gebracht hat. Und auch keine von ihnen hat sich beim Sex filmen lassen. All diese Videos sind Fakes. Deep Fakes. So nennt man Videos, bei denen mit Hilfe von künstlicher Intelligenz Gesichter auf Körper montiert werden, sodass man das kaum merkt. Die ersten dieser Videos sind 2017 im Internet aufgetaucht, nun verbreiten sie sich massenweise. «Deep-Fake-Pornos sind jetzt Mainstream» titelte kürzlich die britische Ausgabe des Tech-Magazins «Wired». Alleine letzten Monat seien knapp tausend solcher schlüpfrigen Videos hochgeladen worden.

Nun kann man sagen, dass sich Popstars ja selbst in ihren Musikvideos oftmals ziemlich lasziv zeigen: Doch da ist ein grosser Unterschied, ob Miley Cyrus nackt an einer Abrissbirne baumelt oder ob sie ... naja, Sie wissen schon.

Die Portale geben sich verständlicherweise wenig Mühe, die Videos wieder zu entfernen, schliesslich sorgen sie für Klicks und damit für Werbeeinnahmen. Auch die Stars selbst sind vorsichtig mit Klagen. Sie fürchten wohl den Streisand-Effekt: 2003 verklagte die Sängerin Barbra Streisand einen Fotografen, der auf einer Website eine Luftaufnahme von ihrem Haus veröffentlichte. Erst mit der Klage, über die Medien in grossem Stil berichteten, wurde das Foto und damit das Haus einer breiten Internetöffentlichkeit bekannt. Emma Watson und Co. könnte Ähnliches passieren.

Ist das Vertrauen in Bewegtbilder erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert

Vielleicht hat die schiere Menge der Deep Fakes für die Opfer sogar eine heilsame Wirkung. Wenn es Hunderte von Emma-Watson-Sextapes gibt, ist bald jedem klar, dass es sich dabei nur um Fälschungen handeln kann. Würde dann ein echtes Sextape von Emma Watson auftauchen, müsste sie nicht mehr um ihren Ruhm fürchten. Es würde als Fälschung abgetan. Und was für Emma Watson gilt, das trifft letztlich auf jeden zu. Wenn jemand seiner nudistischen Neigung im Internet nachgehen will, so kann er das bald ungestüm tun – und sich damit rechtfertigen, dass der böse Ex einem mit einem Deep Fake schaden will. Oder anders gesagt: Ist das Vertrauen in Bewegtbilder erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.

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