Solothurner Filmtage
Warum gibt es dieses Jahr keinen besten männlichen Hauptdarsteller? Das sind die Nominierten des Schweizer Filmpreises

«Platzspitzbaby», «Schwesterlein», «Mare»: Der Schweizer Filmpreis 2021 ist in Frauenhand. Der Überblick nach der «Nacht der Nominationen» an den Solothurner Filmtagen.

Daniel Fuchs
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Nominiert als beste Darstellerin: Luna Mwezi als Mia in «Platzspitzbaby».

Nominiert als beste Darstellerin: Luna Mwezi als Mia in «Platzspitzbaby».

Aliocha Merker

Letztes Jahr der Kassenschlager in Schweizer Kinos, erst dieses Jahr im Rennen für den Schweizer Filmpreis: Das Drama «Platzspitzbaby» über eine alleingelassene Tochter einer drogenabhängigen Mutter gehört zu den Favoriten auf einen «Quartz». Wie jedes Jahr wurden die Kandidaten anlässlich der «Nacht der Nominationen» an den Solothurner Filmtage präsentiert, dieses Jahr online.

«Platzspitzbaby» schwingt obenauf und ist nominiert in den Kategorien bester Spielfilm (Regie: Pierre Monnard), beste Darstellerin gleich mit zwei Nennungen (Sarah Spale als drogenabhängige Mutter und Luna Mwezi als deren Tochter) und bestes Drehbuch (André Küttel).

Mehrfach nominiert sind auch «Schwesterlein» des Westschweizer Regisseurinnen-Duos Stéphanie Chuat/Véronique Reymond und von der Schweiz ins Oscar-Rennen geschickt, sowie «Mare» von Andrea Štaka.

2022 wird es wahrscheinlich eine grössere Auswahl geben

Mangels Filme gibt es dieses Jahr keinen Preis in der Kategorie bester Darsteller. Gerade einmal drei Schauspieler hätten laut Bundesamt für Kultur, das die Nominierungskommission präsidiert, die Kriterien erfüllt. Zu wenig für eine Auswahl.

Generell fällt das vergangene Jahr zahlenmässig schwächer aus als andere. Hatten die Mitglieder der Filmakademie, welche die Filme zuhanden der Kommission sichten, 2020 eine Auswahl von 18 Spielfilmen, waren es dieses Jahr nur 11. Grund ist die Pandemie und der Entscheid mancher Verleiher, mit der Kinolancierung zuzuwarten. Die bereits zugelassenen Darsteller sind nun angemeldet für den Filmpreis 2022.

Und das sind die Nominierten in den 12 Kategorien:

  • Bester Spielfilm: «Atlas» von Niccolò Castelli, «Mare» von A. Štaka, «Platzspitzbaby» von P. Monnard, «Schwesterlein» von S. Chuat/V. Reymond und «Wanda, mein Wunder» von Bettina Oberli.
  • Bester Dok-Film: «5 Nouvelles du Cerveau» von Jean-Stéphane Bron, «Das neue Evangelium» von Milo Rau, «Il mio corpo» von Michele Pennetta, «Nemesis» von Thomas Imbach und «Saudi Runaway» von Susanne Regina Meures.
  • Bestes Drehbuch: «Mare» (A. Štaka), «Platzspitzbaby» (André Küttel) und «Schwesterlein» (Chuat/Reymond).
  • Beste Darstellerin: Rachel Braunschweig (Marina) in «Spagat», Luna Mwezi als Mia in «Platzspitzbaby» und Sarah Spale als Sandrine, ebenfalls in «Platzspitzbaby».
  • Beste Nebendarstellerin / Bester Nebendarsteller: Masha Demiri als Ulyana in «Spagat», Marthe Keller als Kathy in «Schwesterlein» und Dimitri Stapfer als Mike in «Beyto».
  • Bester Kurzfilm: «Das Spiel» von Roman Hodel, «Deine Strasse» von Güzin Kar, «Red Ants Bite» von Elene Naveriani, «Trou noir» von Tristan Aymon und «Tuffo» von Jean-Guillaume Sonnier.
  • Bester Animationsfilm: «Darwin's Notebook» von Georges Schwizgebel, «Ecorce» von Samuel Patthey und Silvain Monney und «Only A Child» von Simone Giampaolo.
  • Beste Filmmusik: «5 Nouvelles du Cerveau» - Christian Garcia-Gaucher, «Burning Memories» - Alice Schmid und «Not me - A Journey With Not Vital» - Marcel Vaid.
  • Beste Kamera: «Atlas» - Pietro Zuercher, «Not Me - A Journey With Not Vital» - Benny Jaberg und «Schwesterlein» - Filip Zumbrunn.
  • Beste Montage: «Citoyen Nobel», Karine Sudan, «Platzspitzbaby», Sophie Blöchlinger und «Schwesterlein», Myriam Rachmuth.
  • Bester Ton: «Mare» - Benoît Barraud, Peter Bräker, «Nemesis» - Peter Bräker und «Schwesterlein» - Patrick Storck, Gina Keller, Jacques Kieffer.
  • Bester Abschlussfilm: «Alma nel branco» von Agnese Làposi (École Cantonale d'Art de Lausanne ECAL, IDIP Films Sàrl), «Amazonen einer Grossstadt» von Thaïs Odermatt (Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf) und «Bicemo Najbolji» von Jelen Vujovic (ZHdK).
Nominiert als bester Nebendarsteller: Dimitri Stapfer (rechts) als Mike in «Beyto».

Nominiert als bester Nebendarsteller: Dimitri Stapfer (rechts) als Mike in «Beyto».

Frenetic Films

Die Verleihung des Schweizer Filmpreises findet am 26. März in Genf statt.

Ehrenpreis für Markus Imhoof

Ebenfalls am Montag anlässlich der Solothurner Filmtage holte Bundesrat Alain Berset die Verleihung eines Ehrenpreises für den Schweizer Regisseur Markus Imhoof nach. Der Preis für Imhoofs Gesamtwerk hätte bereits letztes Jahr überreicht werden sollen.