Interview

The Voice of Switzerland ist zurück: «Bei uns wird niemand fertiggemacht»

DJ Antoine will sich als Juror bei «The Voice of Switzerland» nicht verbiegen.

DJ Antoine will sich als Juror bei «The Voice of Switzerland» nicht verbiegen.

DJ Antoine ist Juror bei der Wiederaufnahme von «The Voice of Switzerland» beim Privatsender 3+. Start ist am Montag.

Am Montag, 27. Januar, gibt die Gesangs-Castingshow «The Voice of Switzerland» ein Comeback. Das Format «The Voice of Switzerland», das 2013 und 2014 beim öffentlich-rechtlichen Schweizer Fernsehen SRF ausgestrahlt wurde, wechselt zu 3+, dem grössten Privatsender der Schweiz. 3+ gehört zur Senderfamilie von CH Media, die auch diese Zeitung herausgibt.

Die Jury, die die Gesangstalente beurteilt und betreut, besteht aus Anna Rossinelli, Noah Veraguth von Pegasus, den Büetzer Buebe Trauffer und Gölä sowie DJ Antoine. Wir haben den Baselbieter Musik-Produzenten zum Gespräch getroffen.

«The Voice of Switzerland» wechselt von SRF zu 3+. Was wird anders?

DJ Antoine: 3+ kennt als Privatsender keine öffentlich-rechtlichen Einschränkungen. Die Jury ist witzig und hat Pfeffer. Wir müssen kein Blatt vors Maul nehmen und uns nicht verbiegen. Wir können so sein, wie wir sind, und das machen und sagen, was wir wollen. Ich bin total motiviert. Die Sendung dürfte also sicher wilder, pfiffiger und frecher werden. Aber auch internationaler, denn wir drehen in Köln.

Was ist genau Ihre Rolle?

Ich bin Juror, Vocal-Coach, Animator und Bauchtänzer. (lacht) Wir Juroren haben zudem eine starke Betreuerfunktion. Die besteht wohl vor allem darin, die Kandidaten zu motivieren und ihnen Mut zu machen. Eine kleine Umarmung und die richtigen, aufbauenden Worte können schon viel bewirken.

Sie haben Casting-Erfahrung. Waren 2015 Juror bei Dieter Bohlens DSDS. Wie war diese Erfahrung? Was ist die Erkenntnis?

Die Sendung ist in erster Linie eine Fernsehsendung. Bei DSDS geht es vor allem darum, die Sendung mit attraktiven Inhalten für die Zuschauer zu füllen und eine möglichst hohe Quote zu erreichen. Den Kandidaten wird beigebracht, wie sie am Fernsehen auftreten sollen. Im Unterschied zu DSDS wird bei «Voice of Switzerland» niemand fertiggemacht und blossgestellt. Kandidaten, die unseren Qualitätsansprüchen nicht genügen, werden gar nicht erst in die Sendung gelassen.

Haben Sie noch Kontakt zu Dieter Bohlen?

Nein, wir haben uns gut verstanden, hatten keinen Streit, aber wir hatten nie privaten Kontakt. Aber mein damaliger Jury-Kollege Heino hat sich kürzlich gemeldet. Er wird ein neues Album aufnehmen.

Was? Der hat doch mit 80 seine Karriere beendet?

Nein, das hat er widerrufen. Heino wird singen, bis er umfällt.

Wissen Sie noch, wer damals bei DSDS gewonnen hat?

Ja, klar. Das war Severino.

Genau. Seine Karriere floppte grandios. Kennen Sie sein Schicksal?

Ja, natürlich. Aber sein Schicksal war schon besiegelt, als die Sendung noch lief. Man wusste, dass er Leute betrogen hatte. RTL hat es einfach unter Verschluss gehalten und erst nach der Staffel bekannt gegeben. Man wollte die Sendung unbedingt durchziehen und beendete erst danach die Zusammenarbeit. Das war nicht korrekt. Dazu muss man sagen, dass der Siegersong von Dieter Bohlen einfach grottenschlecht war. Ein Casting-Sänger muss nach seinem Sieg begleitet werden. Es muss ein Song da sein, der den Zeitgeist trifft. Das Timing muss stimmen. Ohne diese Unterstützung sind die Kandidaten verloren.

Ist denn Dieter Bohlens Stern am Sinken?

Es mussten etliche Konzerte abgesagt werden. Bohlen ist ein Super-Produzent, aber seine Musik passt nicht in den aktuellen Trend.

Was erhält der Sieger oder die Siegerin von «Voice of Switzerland», Staffel 3?

Ich kenne die vertraglichen Abmachungen von 3+ mit den Kandidaten noch nicht. Das ist ja alles noch sehr neu.

Sie müssten doch den Siegersong produzieren.

Das würde ich mit einigen meiner Talente gern machen. Die Qualität der Sänger ist um einiges besser als damals bei DSDS. Ich habe bei den Verantwortlichen auch schon angefragt und warte noch auf eine Antwort.

Was ist heute Ihre Haupteinnahmequelle?

60 Prozent meines Verdienstes kommt über die Auftritte rein, 10 bis 15 Prozent über die Musik, also Tantiemen, und der Rest über meine Firma Konrad Lifestyle AG, mit der ich Champagner, Weine und Lifestyle-Produkte verkaufe sowie Lifestyle Premium Events organisiere.

Was sagen Sie zu folgenden frechen Thesen? Castingsendungen sind ein Format für Eintagsfliegen.

Eine Castingsendung gibt einem Sänger die Möglichkeit, sich einem breiten Publikum zu präsentieren. Aber selbst nach einem Sieg ist noch nichts gewonnen. Das Hauptproblem ist, dass die Kandidaten ihre Situation falsch einschätzen. Dass sie sich einbilden, ein Star zu sein. Doch wenn das Fernsehen wegfällt, wird es für sie sehr hart und schwierig. Aber die Chancen sind durchaus intakt.

«The Voice» ist als TV-Show ein Erfolg. Es geht aber nicht darum Talente zu fördern, sondern um eine möglichst hohe Quote.

Es geht bei «The Voice» unter anderem um eine hohe Quote. Eine schlechte Zuschauerquote wäre auch schlecht für die Sänger und Sängerinnen. Sie werden betreut von Gesangsprofis. Davon können sie profitieren.

Casting-Sänger haben ein schlechtes Image, und der Casting-Stempel verhindert eine nachhaltige Karriere.

Wer bei einer Casting-Sendung mitmacht, hat einen Casting-Stempel. Das stimmt. Aber das muss nicht zwingend schlecht sein. Vielmehr muss man das Beste daraus machen. Wer Talent hat, einzigartig und frisch ist, kann es schaffen. Das haben Luca Hänni und Bea­trice Egli bewiesen. Bei DSDS haben sie den Grundstein für ihre Karriere gelegt, die jetzt schon einige Jahre andauert. Für sie war die Castingsendung offensichtlich der richtige Weg.

Letzte freche Behauptung: DJ Antoine macht nur mit, weil er sich die nötige Publicity verspricht.

Ich mache mit, weil ich mich zum einen dieser Herausforderung als Juror stellen möchte, zum anderen mich in der Schweiz wieder einmal von der Musikseite präsentieren will. Denn viele Leute haben nicht mitgekriegt, dass ich mit meiner Musik im Ausland ständig unterwegs bin. In Italien, Spanien, Frankreich, Deutschland, Österreich, Polen und Tschechien, aber nur wenig in der Schweiz. Ihnen will ich sagen: Ich bin immer noch da. Ich mache nicht nur Wein und Champagner, ich mache immer noch Musik mit Herzblut.

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