Kolumne
«Tatort» aus Dresden: Ein bisschen wie Amber Heard und Johnny Depp

Die Dresdner Ermittlerinnen Gorniak und Winkler stolpern in «Das kalte Haus» in die Horrorshow einer toxischen Beziehung. Dass es um das ernste Thema häuslicher Gewalt gegen Frauen geht, gerät dabei allerdings zur Nebensache.

Julia Stephan
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«Tatort» aus Dresden – «Das Kalte Haus». Mo, 6.6., 20.05 Uhr, SRF 1.

«Tatort» aus Dresden – «Das Kalte Haus». Mo, 6.6., 20.05 Uhr, SRF 1.

Quelle: MDR

Wie aufgekratztes Partyvolk stolpern die Dresdner Ermittlerinnen Gorniak und Winkler am Pfingstmontag in ihren neuen Fall hinein. Die beiden wollten eigentlich in Gorniaks Geburtstag reinfeiern, hatten sich mit Glitzerpulli und Alkohol aufgerüstet für den bodenlosen Sturz ins Nachtleben. Doch dann setzt ein Ehemann einen Notruf ab: Seine Ehefrau sei verschwunden, seine Villa voller Blut.

Horror-Abklatsch à la Hitchcock

Das alles könnte die Eröffnungsszene zu einem Kriminalfall sein. Aber stattdessen stolpern wir in «Das kalte Haus» mehr schlecht als recht in einen Horror-Abklatsch à la Hitchcock. In der Villa hängt das Gesicht der Ehefrau wie eine Lichtgestalt als Kunstdruck an der Wand. Die Psychologin hatte als erfolgreiche You­tuberin ihren Fans einfältig-positive Affirmationen gegen Lebenskrisen verschrieben. Sogar Polizeichef Schnabel war dafür empfänglich.

Ihr mit einem Mutterkomplex ausgestatteter Ehemann, der auch deshalb an Hitchcocks Psychopathen Norman Bates erinnert, ist das unheimliche schwarze Loch dieses Falls. Besessen von seiner Frau, impulsiv und von oberen Zirkeln der Macht geschützt, bringt er die Ermittlerinnen, die in diesem Fall weder schlafen noch Klamotten wechseln dürfen, an ihre Schmerzgrenzen. Schnell wird klar: Hier hat ein Paar Amber Heard und Johnny Depp gespielt – nur ein bisschen pathetischer und sogar mit Jagdgewehr im Anschlag.

Mit so viel Hysterie lässt sich häusliche Gewalt gegen Frauen nicht seriös thematisieren, was dieser «Tatort» ursprünglich mal vorhatte. Aber er langweilt auch nicht mit einem vorhersehbaren Whodunit.

«Tatort» aus Dresden – «Das Kalte Haus». Mo, 6.6., 20.05 Uhr, SRF 1. Wir vergeben drei von fünf Sternen.