Tatort-Kolumne
Natürlich divers! Der erste komplett inklusive Tatort aus Hamburg gefällt super

Die schnörkellos aufrichtigen Charaktere Thorsten Falke und Julia Grosz ermitteln in der linksautonomen Szene Hamburgs. Das Besondere am «Tatort: Schattenleben»: bei Besetzung und Stab waren Inklusion und Diversität Pflicht.

Susanne Holz
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Tatort: «Schattenleben». Sonntag, 12. Juni 2022, 20.05, SRF 1.

Tatort: «Schattenleben». Sonntag, 12. Juni 2022, 20.05, SRF 1.

Bild: Das Erste

Wotan Wilke Möhring trinkt als Thorsten Falke weiterhin unerschütterlich Kuhmilch und dessen Kollegin Julia Grosz, gespielt von der irgendwie ebenfalls wunderbaren Franziska Weisz, ist dieses Mal verliebt – besser gesagt, sie trifft ihre erste grosse Liebe wieder. Was Altbekanntes also, und was Neues.

Ganz neu an diesem Falke-«Tatort» ist jedoch, dass hier erstmals ein «Inclusion Rider» zum Einsatz kam – Regisseurin Mia Spengler bestand darauf, dass Frauen, People of Color, Personen des dritten Geschlechts, Menschen mit Beeinträchtigung zu einem entsprechenden Prozentsatz an der Produktion beteiligt sein müssen.

Nun kann man von Quoten und politischer Korrektheit halten, was man will – das heisst, unter Umständen auch nicht so viel. Der «Tatort: Schattenleben» aber zeigt, dass bei den Bemühungen um mehr Gerechtigkeit und Diversität ein völlig unverkrampfter und hell leuchtender Film herauskommen kann.

Lena Fakler, mit Jahrgang 1990 noch mal vier Jahre jünger als die Regisseurin, lieferte zudem ein super Drehbuch: Kommissarin Grosz schleust sich undercover in die linksautonome Szene Hamburgs ein, um ihre erste Liebe Ela (intensiv und kunstvoll gespielt von Elisabeth Hofmann), die als verdeckte Ermittlerin urplötzlich verschwunden ist, zu suchen.

Grosz wird Teil einer WG, in der auch die wilde Nana wohnt, die Geliebte von Ela. Gina Haller als Nana ist eine weitere Top Besetzung in diesem erfrischend anderen «Tatort». Und wer könnte Diversity schöner und unaufgeregter unter die Leute und Zuschauer bringen als die schnörkellos aufrichtigen Charaktere Falke und Grosz? Ein Riesen Geschenk zuletzt ist dann noch der Song «Fool’s Gold» von Lhasa de Sela. Nur leider nicht zu Ende gespielt.

«Tatort» mit Thorsten Falke: «Schattenleben». Sonntag, 12. Juni 2022, 20.05, SRF 1. Wir geben fünf von fünf Sternen.