Rockstar

Suzi Quatro: Einst Göre, heute Rock-Oma

Suzi Quatro in den 1970er-Jahren: «Ich habe es nie darauf angelegt, sexy zu sein». Bild: Gered Mankowitz

Suzi Quatro in den 1970er-Jahren: «Ich habe es nie darauf angelegt, sexy zu sein». Bild: Gered Mankowitz

Die Amerikanerin war der erste weibliche Rockstar. 46 Jahre danach ist die 68-Jährige immer noch unterwegs und tritt am Open Air Fahrwangen auf.

Im Herbst 1973 war sie die Sensation. Eine 1,52 Meter kleine, zierliche Amerikanerin brach mit dem Song «Cant The Can» in die Männerbastion des Rock’n’Roll ein und stürmte die Hitparaden-Spitze. In Lederkluft gekleidet, schrie sich Suzi Quatro die Seele aus dem Leib. Und zwar in einer Stimmlage, die so hoch war, dass sie höchstens junge Mädchen mitsingen konnten.

Gut, es gab Ende der 60er-Jahre schon Janis Joplin. Doch die im Oktober 1970 verstorbene Hippie-Ikone war mehr Blues- und Soul- als Rock-Sängerin. Suzi Quatro dagegen hatte sich ganz der Rockmusik verschrieben und schrieb damit als erste Frau im Rock-Business Musik-Geschichte. Noch vor Patti Smith, die erst 1975 mit «Horses» den Durchbruch schaffte und noch vor der Gründung der Girlgroup The Runaways mit Joan Jett (1975). Vorbild für weibliche Rock-Musikerinnen Suzi Quatro, jung, wild und schrill, wurde zur Rock-Ikone und zum Vorbild für weibliche Rock-Musikerinnen. «Joan Jett war mein grösster Fan», sagt Quatro kürzlich in einem Spiegel-Interview. Dabei gibt sie «nichts auf dieses Gender-Dings» und sieht sich «nicht als weiblicher Musiker, sondern als Musiker». «Ich habe sehr früh erfahren, dass du zurückbekommst, was du gibst und ausstrahlst. Ich bin eine ernsthafte Musikerin und die härtesten Kerle haben Respekt vor mir».

Den Durchbruch schaffte die Sängerin und Bassistin auch dank der Hilfe des Komponisten-Duos Nicky Chin und Mike Chapman, die für Quatro weitere Hits wie «48 Crash», «Daytona Demon» und «Devil Gate Drive» schrieben. Der Erfolg war riesig und Suzi Quatro spielte an Konzerten mit bis 50000 Zuschauern. Das Komponisten-Gespann gehörte in den 70er-Jahren zu den erfolgreichsten Hit-Schreibern und mit Songs für Sweet prägten sie den sogenannten Glam-Rock. Oft wurde Suzi Quatro auch in diese Schublade gesteckt, doch mit dem schrillen Glam hatte sie eigentlich nichts tun. «Ich trug damals nicht mal Make-Up, die Glam-Jungs schon», sagt sie.

Zu ihrem Markenzeichen wurde dagegen die schwarze Lederkluft. Im Glam-Zeitalter wirkte das Outfit, das von Elvis Presley inspiriert war, fast schon altmodisch. Das Leder-Girl wurde auch zum Sex-Symbol wider Willen. «Ich habe es nie darauf angelegt, sexy zu sein», sagt die burschikos wirkende Quatro rückblickend. Es hat nicht geklappt. Als Faltbild in der Heftmitte des «Penthouse» hing sie schon bald in ihrer Lederkluft an den Wänden. Für Nacktfotos stand sie aber nie zur Verfügung. «Ich war als erste Frau angezogen im Penthouse», sagt sie.

Apropos Elvis: Der King inspirierte sie nicht nur bei ihrem Outfit, er war schon immer ihr grosses Idol. Als sie in den 70er-Jahren in der Memphis, der Heimatstadt von Elvis auftrat, klingelte im Hotel das Telefon. Am Apparat war prompt Elvis und lud sie nach Graceland ein. «Ich wäre fast gestorben. Mein Herz raste wie wild», sagt sie heute rückblickend, «und was machte ich? Sagte ihm ab, ich sei zu beschäftigt. Ist das zu glauben? Heute denke ich, dass ich damals einfach noch nicht bereit war, mein Idol zu treffen.»

Suzi Quatro in den 1970er-Jahren: «Ich habe es nie darauf angelegt, sexy zu sein». Bild: Gered Mankowitz

Suzi Quatro in den 1970er-Jahren: «Ich habe es nie darauf angelegt, sexy zu sein». Bild: Gered Mankowitz

Schon 1978 nahm Suzi Quatro einen Imagewechsel vor, verabschiedete sich vom Leder. Mit den schlagerhaften Country-Songs «If You Can’t Give Me Love» und «Stumblin In» mit Smokie-Sänger Chris Norman hatte sie zwar noch grösseren Erfolg, sie verlor aber den Grossteil ihres Rock-Publikums und zog sich schliesslich zurück.

In den 90er-Jahren gab sie ihr Comeback, tingelte mit der «Super Oldie Show» und Bands wie Slade durch die Welt und brachte eine Reihe von Alben raus, die aber kaum zur Kenntnis genommen wurden. Das änderte sich erst wieder mit dem Album «Back To Drive» 2006 und der Zusammenarbeit Andy Scott von Sweet und ihrem alten Produzenten Mike Chapman. Seither geht die «Rock’n’Roll-Oma» – ihre Enkelin ist 18 - immer wieder auf Tour und spielt in Hallen zwischen 1500 und 2500 Leuten. Das führte sie schon vor zehn Jahren ans Open Air von Fahrwangen und auch an die «Magic Night» auf dem Heitere in Zofingen.

Heute singt sie eine Oktaver tiefer Dabei spielt sie nicht nur Oldies, denn Suzi Quatro hat immer auch neues Material komponiert. Gerade auch in diesem Jahr ist das Album «No Control» heraus gekommen, das sie mit ihrem Sohn aufgenommen hat und gute Kritiken erhielt. Es sind Songs, die nicht mehr ganz so wild sind wie damals, aber den guten alten Rock’n’Roll immer noch hochhalten. Dabei singt die 68-jährige Rockerin aber mindestens eine Oktave tiefer als einst. Interessant wird sein, wie sie ihre Hits von damals interpretiert.

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Autor

Stefan Künzli

Stefan Künzli

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