Steff la Cheffe über ihre Rückkehr auf die Konzertbühne

Nachdem Steff la Cheffe die grossen Sommerfestivals bespielt hat, beginnt nun ihre Clubtour. Für drei Konzerte kommt die Berner Rapperin und Mundartsängerin auch in die Ostschweiz.

Christoph Sulser
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Zurück im Rampenlicht: Steff la Cheffe, alias Stefanie Peter, im August auf der Bühne der Jazztage Lichtensteig. (Bild: Ralph Ribi)

Zurück im Rampenlicht: Steff la Cheffe, alias Stefanie Peter, im August auf der Bühne der Jazztage Lichtensteig. (Bild: Ralph Ribi)

Steff la Cheffe, Sie haben sich eine dreijährige Auszeit gegönnt. Der Rummel um Ihre Person ist Ihnen zu viel geworden. Wie geht es Ihnen heute?

Es geht mir gut. Ich bin innerlich gewachsen, kann besser mit meiner Bekanntheit umgehen und lasse die Sachen nicht mehr so sehr an mich heran – ich bin erwachsener geworden!

Ihr aktuelles Album «Härz Schritt Macherin» ist sehr persönlich. Hat es Mut gebraucht, Ihr Inneres der Öffentlichkeit preiszugeben?

Eben gerade nicht. Die Ehrlichkeit hat mir eine Art Immunität verliehen – das war ganz schräg. Aber schlussendlich handelt es sich bei einem Album ja immer noch um eine Sammlung von Songs und Poesie. Ich ziehe mich ja nicht vor allen aus und veröffentliche eins zu eins mein Privatleben.

Dient die Kunstfigur Steff la Cheffe hier auch als Schutz?

Einerseits schon. Andererseits habe ich gelernt, meine Schattenseiten anzunehmen und habe keine Angst mehr davor, diese auch zu zeigen. Schliesslich haben alle Menschen Fehler und Schattenseiten. Ich habe gelernt, Kontrolle abzugeben und mehr zu vertrauen.

Wie meinen Sie das?

Früher hatte ich immer das Gefühl alles kontrollieren zu müssen, sei es bei meiner Arbeit oder auch bei Interviews. Ich habe dann aber schnell gemerkt, dass ich dafür viel zu viel Kraft verschwendet habe. Wie gesagt, heute kann ich Kontrolle abgeben und bin dafür entspannter als früher.

«Nach der dreijährigen Pause wieder zurück auf die Bühne zu kommen war schon ein therapeutisches Erlebnis»

Mit dem Album haben Sie eine Liebesbeziehung verarbeitet. Konnten Sie so auch einen Schlussstrich darunterziehen?

Nur das Album alleine genügte dafür nicht, ich musste die Songs auch live spielen, um loslassen zu können. Die Ablösung ist ja ein Prozess, gleicht eher einer Welle und kommt nicht von heute auf morgen. Aber mit den Songs nach der dreijährigen Pause wieder zurück auf die Bühne zu kommen, das war schon ein therapeutisches Erlebnis.

Was hat dieser Rückzug aus der Öffentlichkeit sonst noch bei Ihnen bewirkt?

Vor meiner Auszeit hatte ich das ursprüngliche Gefühl vermisst, das ich zu Beginn meiner Musikerinnenlaufbahn gehabt hatte. Deshalb zog ich mich in eine Art Oase zurück, mit dem Ziel, wieder freier Musik machen zu können. Frei von anderen Leuten und deren Meinungen, frei von Gedanken an die Zukunft und der Frage, ob ein Song nun im Radio gespielt wird oder nicht, ob man den Song live spielen kann oder nicht. Ich wollte wieder meine Erlebnisse in Musik umsetzen. Zudem war ich früher stärker auf die Aussenwelt fokussiert.

Können Sie das erklären?

Ich wollte eine Plattentaufe im Dachstock der Reitschule Bern veranstalten, einen Videoclip drehen, eine Charts-Platzierung erreichen, mit einer tollen Band auf Tour gehen. All das habe ich auch erreicht und es war auch cool. Doch am Ende musste ich feststellen, dass sich dennoch keine Zufriedenheit eingestellt hat. All die genannten Ziele lagen eben in einer äusseren Sphäre. Heute weiss ich, dass ich Zufriedenheit im Inneren und nicht im Äusseren finde.

Während Ihrer Auszeit haben Sie unter anderem auch Käse auf dem Markt in Bern verkauft. Was ist Ihr Lieblingskäse?

Generell mag ich sehr salzigen, rässen Hartkäse. Und obwohl ich als Kind gar nichts damit anfangen konnte, bin ich mittlerweile sehr von Geissen- und Schafskäse angefressen.

Was ist für Sie das Schönste am Musikmachen?

Ich habe von verschiedenen Leuten Feedback bekommen, die von meiner Musik bewegt sind und beim Hören des neuen Albums Hühnerhaut bekommen haben. Teilweise habe ich auch Briefe erhalten, in denen mir jemand sein Herz ausschüttet. Diese direkte Rückmeldung, wenn ich jemanden mit meiner Musik berühren kann, ist etwas vom Schönsten. Und natürlich ist es auch schön, wenn ich mit meiner Musik etwas verdienen kann. Ich habe ein grosses Team im Rücken, von den Produzenten bis zu den Mitmusikern, da will man ja auch die Löhne zahlen können.

Was mit der Gratismentalität im Internet heute zunehmend schwieriger werden dürfte.

Das ist so. Obwohl der Verkauf von CDs und Downloads schon zuvor im Sinkflug war, gab es in den vergangenen zwei, drei Jahre nochmals einen massiven Einbruch. Meine ersten beiden Alben wurden jeweils vorfinanziert, und mit deren Verkauf konnten wir die Kosten decken. Ob das heute auch noch so gelingt, ist unsicher. Mal schauen. Manche Menschen haben auch ein verzerrtes Bild, wenn man eine öffentliche Person ist. Als ich einmal nach einem Vortrag vor einer Schulklasse auf den Zug springen musste, fragten mich einige Schüler, ob ich denn nicht von einer Limousine abgeholt werde.

Nach den grossen Festivals im Sommer folgt nun die Clubtour. Was darf man erwarten?

Es wird natürlich alles ein bisschen kleiner, von der Bühne bis zur Besetzung. Der Fokus liegt auf dem neuen Album, doch werden wir sicherlich auch den einen oder anderen älteren Song spielen.

Auf dem neuen Album singen Sie mehr als früher.

Am Anfang war ich etwas unsicher, ob das live auf der Bühne auch funktioniert. Aber die vielen Konzerte im Sommer haben mir Selbstvertrauen gegeben und ich habe gemerkt, dass es neben dem Rappen auch mit dem Singen klappt.

Steff la Cheffe in der Ostschweiz

Donnerstag, 11. Oktober, St.Gallen, Kugl
Samstag, 13. Oktober, Mels, Altes Kino
Samstag, 3. November, Kirchberg SG, Restaurant Eintracht