Musikwerk Luzern: Starke Kontraste mit klassischer Moderne

Im Zentrum des Konzertes «Mimaamaquim» stand Musik des Schweizer Komponisten Arthur Honegger. Weihnächtlich aber wurde es vor allem mit Motetten von Francis Poulenc.

Gerda Neunhoeffer
Drucken
Das Klavierduo Adrienne Soós und Ivo Haag. (Bild: PD)

Das Klavierduo Adrienne Soós und Ivo Haag. (Bild: PD)

Musikwerk Luzern hat im letzten Konzert der Saison 2018 «Die Schweizer» am Samstagabend im Maihof starke Kontraste gesetzt. Mit Arthur Honeggers «Symphonie Liturgique» in der Fassung für zwei Klaviere stand ein Werk im Zentrum, das die Schrecken des Zweiten Weltkrieges ausmalt. In der Bearbeitung von Dimitri Schostakowitsch, die er wohl für seine Klavierschüler gemacht hat, wirken die krassen Gegensätze und die unbarmherzigen Rhythmen fast unheimlicher als im Original.

Und der Maihofsaal erwies sich erneut als idealer Raum für unterschiedlichste Konzertformate. Die vielen Zuhörer sassen rund um die zwei Flügel, an denen Adrienne Soós und Ivo Haag mit rhythmischen Akkordfolgen und orchestraler Klangfülle tief in das «Dies irae» der Symphonie eintauchten.

Stetig vorangetrieben, mit rasanten Läufen, heftigen Akzenten und gewaltigen Steigerungen gestaltete das Klavierduo diese aufwühlende Musik. In unheimlicher Ruhe folgte das Adagio «De Profundis Clamavi», in dem über den klagenden gesanglichen Melodien, die zwischen beiden Klavieren unmerklich wechselten, bisweilen helle Töne aufleuchteten. Das «Dona Nobis Pacem» entwickelte sich aus tiefsten Tönen mit unerbittlich durchgängigem Rhythmus zu einem am Ende friedvollen Gebet, das wie mit Vogelgezwitscher impressionistisch endete.

Junger Geiger mit erstaunlicher Reife

Nach der Pause spielte der gerade erst 19-jährige Rennosuke Fukuda die «Sonate für Violine solo» von Honegger. Der junge Geiger gestaltete das mit Schwierigkeiten gespickte Werk sowohl virtuos als auch ausdrucksvoll mit Intensität und Reife. Wie vielseitig er schon ist, zeigte sich im «Streichquintett Nr. 4» von Darius Milhaud, das der Komponist zum Andenken an seinen Freund Honegger geschrieben hat. Da spielte Fukuda in wunderbarer Klangentfaltung mit Lisa Schatzman, Alexander Besa, Jonas Vischi und Beni Santora; die feinen hohen Töne der Geigen mischten sich fliessend mit den Klängen von Viola und den beiden Celli. Erstaunlich, dass es von diesem Werk noch keine Aufnahme gibt, und schade, dass hier nur ein Satz zu hören war.

Dann wurde es weihnächtlich mit den «Quatre Motets pour le temps de Noël» von Francis Poulenc. Das junge Tradiophon Vokalensemble Basel mit vier Sängerinnen und vier Sängern gestaltete die Motetten schlicht, mit klaren Stimmen und ausgewogen klangschönem Pianissimo. Etwas mehr Mut in Dynamik und Ausdruck hätte gut getan. Davon zeigte dafür der Bariton Jason Cox viel in «Mimaamaquim» von Honegger. Mit diesem Gebet begann und endete das Konzert, das von den Zuhörern begeistert aufgenommen und im Anschluss noch mit den Musikern gefeiert wurde.

2019 geht es bei Musikwerk um Bartók. Erstes Konzert: 9. Februar.

Aktuelle Nachrichten