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Solothurner Filmtage: Dok über verschwundene Aktivisten in Syrien und Spielfilm über Exil-Iraker gewinnen wichtigste Preise

Amal (gespielt von Zahraa Ghandour) in «Baghdad in my Shadow».

Amal (gespielt von Zahraa Ghandour) in «Baghdad in my Shadow».

An den Solothurner Filmtagen haben die Jury und das Publikum entschieden: Der «Prix de Soleure» geht an «À la recherche de l'homme avec la caméra» von Boutheyna Bouslama, den «Prix du public» erhält Samir für seinen Spielfilm «Baghdad in my Shadow».

Das Rennen um die beiden Hauptpreise der Solothurner Filmtage ist entschieden. Und dabei fällt auf: Die Konflikte in Irak und Syrien mit ihren weitreichenden Folgen für die Bevölkerung für Nahost und Europa sind weder den Jurymitgliedern noch dem Publikum in Solothurn verleidet.

«À la recherche de l'homme avec la caméra» von der tunesischen Regisseurin Boutheyna Bouslama erhält den mit 60'000 Franken dotierten «Prix de Soleure». Am beliebtesten beim Publikum der Solothurner Filmtage war dieses Jahr «Baghdad in my Shadow» des Zürcher Regisseurs Samir.

Samir thematisiert die Zerrissenheit der Exil-Gesellschaft

Der irakisch-schweizerische Regisseur erzählt in seinem Spielfilm die Geschichte von Exilirakern, die sich täglich in einem Londoner Café treffen. Ihr Leben verändert sich dramatisch, als sie mit den grossen aktuellen Themen des Islams direkt konfrontiert werden. Samir hat mit seinem Film den Nerv der Exiliraker und anderer Secondos getroffen. Wir haben ausführlich darüber berichtet.

Mit den Schauplätzen London und Bagdad gelte «Baghdad in my Shadow» als die erste internationale Spielfilmproduktion, die seit dem Abzug der Amerikaner in der irakischen Hauptstadt gedreht wurde, schreiben die Solothurner Filmtage.

Der «Prix du public» ist mit 20'000 Franken dotiert.

«Ich fühle mich geadelt»: «Prix du Public» der 55. Solothurner Filmtage geht an Samir

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Ein Film, der den Verschwundenen in Syrien ein Gesicht gibt

In «À la recherche de l'homme avec la caméra» begibt sich Boutheyna Bouslama auf die Suche nach einem Freund aus der Kindheit, den sie während eines Urlaubs ihrer Familie in Syrien kennengelernt hatte. Sein Name ist Oussama. Als junger Erwachsener kämpft er als Aktivist gegen das syrische Regime. Weil er die Proteste und die Menschenrechtsverstösse auf Film festhält, wird er zum Feind des Regimes. 2012 wird er verhaftet und ist seither verschwunden.

«Die Märtyrer sind nicht besser als wir, deshalb wollen wir auch zu Märtyrern werden»: Szene aus «À la recherche de l'homme avec la caméra».

«Die Märtyrer sind nicht besser als wir, deshalb wollen wir auch zu Märtyrern werden»: Szene aus «À la recherche de l'homme avec la caméra».

Mit ihrem Debüt will Boutheyna Bouslama den Verschwundenen des Syrienkriegs ein Gesicht geben und darauf hinweisen, dass «das Schweigen manchmal schlimmer ist als die Bomben». Das Verschwindenlassen von Aktivisten als Teil der psychologischen Kriegsführung des syrischen Regimes – das eine weitere eindrückliche Botschaft des Films.

Die Regisseurin thematisiert den Prozess, den sie während der Dreharbeiten durchmachte, selbst und ehrlich im Film. Das hat die Jury für den «Prix de Soleure» fasziniert, wie sie schreibt.

Regisseurin musste die Schweiz nach ihrem Studium verlassen

Boutheyana Bouslama verbrachte ihre Kindheit in Frankreich und in der Schweiz, hatte aber stets den tunesischen Pass. Nach ihrem Studium in Genf musste sie wegen der verschärften Ausländergesetzgebung das Land verlassen. «Ich bin durch und durch ein Produkt der Schweiz», sagte sie am Donnerstag in Solothurn und nahm den Preis entgegen. Das Preisgeld geht zur Hälfte an sie, zur anderen an die Produktionsfirma.

«Prix de Soleure»-Gewinnerin Boutheyna Bouslama: «Seit 2008 war es mein Traum, an die Solothurner Filmtage zu kommen»

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Die 55. Ausgabe der Solothurner Filmtage geht heute zu Ende. Für den «Prix de Soleure» und den «Prix du public» waren je zwölf Filme nominiert.

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