Judy Garland

Sie war Amerikas Sweetheart: Ein weltberühmter Star am Ende seiner Kräfte

Vor ihrem Auftritt am West-End-Theater «The Talk of the Town» in London ringt Judy Garland (Renée Zellweger) mit Selbstzweifeln.

Vor ihrem Auftritt am West-End-Theater «The Talk of the Town» in London ringt Judy Garland (Renée Zellweger) mit Selbstzweifeln.

Der frühe Tod von Sängerin und Musicaldarstellerin Judy Garland schien unvermeidbar. Ein Spielfilm arbeitet die letzten Monate auf.

Sie war Amerikas Sweetheart, und die Rolle der Dorothy in «The Wizard of Oz» machte sie weltberühmt: Judy Garland. 1922 in Minnesota im mittleren Westen der USA als Frances Ethel Gumm geboren, tourte sie ab 1928 mit ihren beiden grösseren Schwestern als The Gumm Sisters, später The Garland Sisters, durchs Land. Mit zwölf, dreizehn Jahren hatte sie die Stimme einer 30-Jährigen und begeisterte landauf, landab das Publikum.

Der Spielfilm mit dem intimen Titel «Judy» konzentriert sich auf die letzten Monate im Leben von Judy Garland. Im Winter 1968 war sie physisch und psychisch stark angeschlagen – und finanziell am Ende. Wie konnte es so weit kommen? Schaut man sich Dokumentarfilme über Judy Garland an, zerreisst es einem fast das Herz.

Es waren die 30er-Jahre, die Zeit der grossen Hollywoodstudios, als Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) Judy Garland mit 13 Jahren unter Vertrag nahm – mit anderen Kinderstars wie Mickey Rooney oder Lana Turner drückte sie die Schulbank.

Judy Garland hatte viele Comebacks

Zu drei bis vier Filmen pro Jahr war der Teenager verpflichtet, und der Druck während der Dreharbeiten war gross. Sie konnte nicht schlafen. Also gab ihr die karrierehungrige Mutter Schlaftabletten. Am frühen Morgen, wenn sie wieder ans Set musste, war sie groggy, also bekam sie «Wake-up Pills», sprich Amphetamine.

Für die Rolle der Dorothy war sie Studioboss Louis B. Mayer zu mollig, sie bekam Appetitzügler verabreicht. So ging das seit Judy Garlands frühester Jugend.

Judy Garland backstage 1968 in London.

Judy Garland backstage 1968 in London.

29 Kinofilme hatte sie in 15 Jahren für MGM gemacht. Dann kam die Trennung. Mit 28 Jahren galt Judy Garland als «unemployable». Sie kam häufig zu spät oder tauchte gar nicht erst am Set auf. Niemand wollte sie mehr anstellen. Sie versuchte, sich das Leben zu nehmen – und feierte drei Monate später ihr Comeback. Mit 37 stellte der Arzt bei ihr Hepatitis fest und hielt ihre Karriere für beendet. Garland wog 90 Kilo. Fünf Monate später war sie wieder da.

Dazwischen immer wieder kommerzielle Erfolge und künstlerische Höhepunkte: Der Film «A Star Is Born» brachte ihr 1955 eine Oscarnomination ein; 1956 war sie die bestbezahlte Performerin in der Geschichte von Las Vegas; das Konzert 1961 in der Carnegie Hall war legendär, das Livealbum gewann fünf Grammys. Judy Garland hatte viele Comebacks.

Renée Zellwegers Spiel weckt Empathie

1968 war es vorbei damit. Und hier setzt das Biopic «Judy» mit der 50-jährigen Renée Zellweger in der Hauptrolle ein. Garland ist bankrott und im Grunde obdachlos. Mit den Kindern Lorna und Joey aus der dritten Ehe mit Showmanager Sidney Luft tingelt sie von Auftritt zu Auftritt. Sie war einst der grösste Star ihrer Zeit. Wo war das Geld geblieben? Luft soll es für Pferdewetten ausgegeben haben.

Im Winter kehrt die Sängerin schliesslich für ein Engagement am West-End-Theater «The Talk of the Town» nach London zurück, wo sie schon vier Jahre zuvor, zusammen mit Tochter Liza Minnelli, das Publikum von den Sitzen riss. Die Kinder muss sie schweren Herzens in L.A. beim Ex-Mann zurücklassen. Die Londoner lieben Judy Garland immer noch.

Dass der Showstar ein ungemein witziger und liebenswerter Mensch war, bringt «Judy» gut rüber. Auch ihre Versagensangst, dem Publikum nicht das geben zu können, was ihm zusteht, und die daraus resultierende Unpünktlichkeit. Das ihr eigene verkniffene, zur Grimasse verzogene Lächeln bekommt Renée Zellweger nicht weg, und doch ist ihr Spiel einnehmend und weckt Sympathie und Empathie – sie ist für einen Golden Globe nominiert.

Etwas überspitzt sind die Rückblenden in Garlands Zeit als Darstellerin bei MGM mit dem «bösen» Studioboss Louis B. Mayer. Sie zeigen, wo ihre Drogenabhängigkeit und ihre Depressionen herrühren. Der Kontrast zur farbigen Technicolor-Musicalwelt könnte nicht grösser sein.

Manchmal ist «Judy» überrissen dramatisch, findet aber immer den Weg zurück zu echtem Gefühl und wird dem Menschen und der Künstlerin gerecht. Beim höchst emotionalen Filmende wird jeder nochmals oder zum ersten Mal um Judy Garland weinen, die im Juni 1969 in London an einer Überdosis Schlafmittel starb. Sie war 47 Jahre alt.

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