Serien-Hit bei Netflix
«Narcos: Mexico» findet einen guten Rank und lässt mit einem offenen Ende Spekulationen über eine neue Serie zu

Wiedersehen mit den Drogenbossen aus «Narcos» und« Narcos: Mexico». Wie gelungen ist die letzte Staffel, mit der Netflix die Geschichte zu Ende dreht?

Daniel Fuchs
Drucken
Teilen
«El Chapo», der Ausbrecherkönig, gespielt von Alejandro Edda steht neben anderen Figuren im Zentrum der dritten Staffel von «Narcos: Mexico».

«El Chapo», der Ausbrecherkönig, gespielt von Alejandro Edda steht neben anderen Figuren im Zentrum der dritten Staffel von «Narcos: Mexico».

Quelle: Netflix

Es soll ja «Narcos»-Fans geben, die zu Hause die Wand mit Post-it-Zetteln vollgeklebt haben, um bei den Verflechtungen zwischen den Drogenkartellen und ihren Bossen den Überblick nicht zu verlieren. Für sie stellt die seit wenigen Tagen bei Netflix angebotene letzte Staffel von «Narcos: Mexico» keine Verständnisprobleme dar.

Alle Anderen stehen vor Herausforderungen. Die nun letzte, dritte Staffel von «Narcos: Mexico» nimmt uns mit in die 1990er-Jahre, in die Zeit, als der Drogenkrieg besonders heftig wütet im Land. Die Kartelle bekriegen sich, es gibt zivile Opfer. Und die Allmacht des Tijuana-Kartells der Familie Arellano-Félix steht auf dem Spiel.

Das ähnliche Innenleben des Drogenbarons und des Drogenfahnders

So viel zur Ausgangslage. Neben dem Abwärtssog, in dem sich die Arellano-Familie befindet, stellt Staffel 3 nun zwei Drogenbosse ins Zentrum: Amado Carillo Fuentes (gespielt von José María Yazpikund) und Joaquín Guzmán Loera (gespielt von Alejandro Edda), genannt El Chapo. Daneben nehmen zwei fiktive Charaktere, der US-Ermittler der Antidrogenbehörde DEA, Walt Breslin (gespielt von Scoot McNairy) sowie die Journalistin Andrea Nuñez (gespielt von Luisa Rubino), uns mit auf ihre gefährliche Arbeit.

Der Trailer zeigt, in welche Richtung die zehn Folgen von «Narcos: Mexico» Staffel 3 führen.

Quelle: Netflix

Es sind Männerfiguren, die das Geschehen dominieren. Die Journalistin Andrea, mehr beobachtende Figur, mimt auch die Erzählerstimme aus dem Off. Was der Handlung immerhin geschichtlichen Kontext gibt, wofür wir bereits die vorhergehenden «Narcos»-Staffeln so heiss liebten. Dabei bleibt die Rolle der Journalisten aber etwas konstruiert und als Charakter trotz der insgesamt zehn Episoden zu oberflächlich.

Ganz anders bei den Männern. Besonders interessant wird es bei den Parallelen zwischen dem wohl Reichsten aller Bosse, Amado, und dem DEA-Ermittler Breslin, die sich ein Katz-und-Maus-Spiel liefern, sich aber rein emotional in ihren jeweilig eigenen Lebenssituationen ähnlicher sind, als sie sich vorstellen können. Und auch El Chapo lernen wir in dieser Staffel endlich besser kennen. Mehr später.

DEA-Agent Walt Breslin (Scoot McNairy) auf gefährlicher Mission.

DEA-Agent Walt Breslin (Scoot McNairy) auf gefährlicher Mission.

Bild: Netflix

«Beruht auf wahren Begebenheiten», steht jeweils zu Beginn jeder Episode. Deshalb darf bei dieser Serie gespoilert werden. Die Eckpunkte sind bekannt, sie können unter anderem auf Wikipedia nachgelesen werden. Wie es dazu kam, das haben sich die «Narcos»-Macher indes ausgedacht. Das ist es, was die Serie so reizvoll macht. Die Zapatisten kommen vor und die Morde am Kardinal Juan Jesus Ocampo am Flughafen von Guadalajara 1993 und ein Jahr später am mexikanischen Präsidentschaftskandidaten Luis Donaldo Colosio.

Der Werdegang des «Chapo» zum Boss der Bosse

Netflix nimmt uns mit auf eine Reise in die Gefühlswelt der Bosse. Da der mächtige aber einsame Amado, der aussteigen will und sich in Kuba in eine Pianistin verliebt, dort El Chapo, der im Gefängnis einen Erweckungsmoment zum anerkannten Boss des Sinaloa-Kartells erfährt. Bis heute schafft der spätere Ausbrecherkönig es als einzige der Figuren aus «Narcos» in die Schlagzeilen.

Die Staffel endet mit einem Treffen zwischen Chapo und einem Gefängnisbesucher und den Worten, dass er sich nun Gedanken machen sollte «über seine Wohnsituation». Eine schöne Anspielung auf Chapos Ausbruch von 2001 und die Serie bietet damit Nährboden für Gerüchte um eine Ablegerserie von Netflix, die sich ausschliesslich um El Chapo drehen würde.

Amado, der «Herr der Lüfte», macht auch in Staffel 3 eine gute Figur.

Amado, der «Herr der Lüfte», macht auch in Staffel 3 eine gute Figur.

Bild: Netflix

«Narcos: Mexico» Staffel 3 bietet wie die vorherigen Staffeln der Serie und ihres Prequels «Narcos» viel Tempo, Blut und Grausamkeit. Diesbezüglich steht der echte Drogenkrieg der Serie wohl in nichts nach. Nichts für schwache Nerven also und wem es nach allen «Narcos»-Folgen nicht schon längst klar ist, sei dies hier gesagt: Am Schluss sind - bis auf wenige - alle tot.

Doch Totgesagte leben länger. Das trifft nicht nur auf El Chapo zu, sondern auch auf Amado, um den sich noch fast mehr Legenden ranken. Um nicht gefasst zu werden, unterzieht sich der mächtigste aller Drogenbosse 1997 einer Gesichtsoperation – und stirbt wegen Komplikationen. Alles nur vorgetäuscht? Der Leichnam jedenfalls verschwindet auf mysteriöse Weise. Einem offenen Ende, mit dem «Narcos: Mexico» sehr schön umgeht.

Aktuelle Nachrichten