Musik
Schweizer Festivalsommer: Die Karten werden neu gemischt – das sind die Highlights

Ed Sheeran, Eminem, Kendrick Lamar, Helene Fischer und Foo Fighters sind die Top-Acts in einem hart umkämpften, stürmischen Umfeld. Selbst die etablierten, grossen Open Airs sind keine sicheren Werte mehr. Wir präsentieren ihnen die grosse Festival-Übersicht.

Stefan Künzli
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Schweizer Festivalsommer: die Top-Acts
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13. Juni: Foo Fighters, Stade de Suisse Bern.
6. Juli: Eminem, Open Air Frauenfeld.
6. Juli: Helene Fischer, St. Jakob-Park Basel.
3./4. August: Ed Sheeran, Letzigrund Zürich.
23. August: Kendrick Lamar, Zürich Open Air.

Schweizer Festivalsommer: die Top-Acts

Keystone/Reuters

Die Schweiz ist Europameisterin in der Sparte Open Airs. Kein anderes Land in Europa hat eine so hohe Dichte. Doch die Luft ist seit Jahren dünn, das Fuder überladen. Gemäss dem Branchenverband der Schweizer Veranstalter SMPA stagniert der Markt auf dem hohem Niveau von gut 5 Millionen Zuschauern pro Jahr. Doch die Auslastung sinkt seit dem letzten Jahr. Der Knick ist da. Der Markt hat seine Kapazitätsgrenze erreicht.

Vor allem die kleinen und mittleren Open Airs litten in der Vergangenheit am Überangebot. Im übersättigten Markt probierten es viele und verschwanden wieder. Nach Jahren des Leidens hat in diesem Jahr auch das Festival Live at Sunset in Zürich Forfait geben müssen. Bei diesem Kommen und Gehen wirkten die etablierten grossen Open Airs wie Felsen in der Brandung. Als sichere Werte in einem stürmischen Umfeld. Die renommierten Schweizer Open Airs St. Gallen, Gurten, Frauenfeld, Paléo und Heitere waren in den letzten Jahren schon Monate im Voraus ausverkauft. Doch das war einmal.

Vier Wochen vor dem Start in St. Gallen waren gemäss SRF erst gut zwei Drittel der Tickets verkauft. Im letzten Jahr wurden die Kassen schon im Februar geschlossen. Jetzt ist erst der 2-Tage-Pass nicht mehr verfügbar. Das ist dramatisch für ein Open Air, das mit vollem Haus rechnet. Nicht viel besser sieht es auf dem Gurten in Bern aus. Erst der Freitag ist ausverkauft. Im Vorjahr waren die 4-Tage-Pässe bereits Mitte April weg. Aber auch am Greenfield-Festival Interlaken, das morgen startet, bei Moon & Stars in Locarno (13.–21. Juli), am Jazzfestival Montreux (29. Juni – 14. Juli) und am Open Air Gampel (16.–19. August) sind noch Tickets in allen Kategorien verfügbar.

«Business as usual» können nur das Open Air Frauenfeld, das Paléo-Festival Nyon sowie das kleinste der Grossen, das Heitere Open Air Zofingen, melden. Alle waren in Rekordzeit ausverkauft.

Unser grosser Festival-Kalender

- 7.–9. Juni Unique Moments: Patti Smith, Kraftwerk und Travis

- 7.–9. Juni Greenfield Festival Interlaken mit The Prodigy und Limp Bizkit

- 8. Juni Argovia-Fäscht mit John Newman, Alma, Bligg und Hecht

- 13. Juni Foo Fighters im Stade de Suisse Bern

- 21.–23. Juni Rock the Ring Hinwil mit Santana

- 26. Juni Helene Fischer, St. JakobPark Basel

- 28. Juni – 1. Juli Open Air St. Gallen mit Depeche Mode

- 29. Juni – 14. Juli Montreux Jazz Festival. Nick Cave, Iggy Pop und Queens Of the Stone Age.

- 5. Juli – 5. Aug. Festival da Jazz St. Moritz mit Norah Jones, Stanley Clarke, Marcus Miller

- 5. – 7. Juli Open Air Frauenfeld mit Eminem (6. Juli) und Wiz Khalifa

- 11.–14. Juli Gurten Festival mit Gorillaz und Alt-J

- 13. – 21. Juli Moon & Stars mit James Blunt, Scorpions und Fanta 4

- 17. – 22. Juli Paleo Nyon: Depeche Mode, The Killers, Gorillaz, Lenny Kravitz

- 20. – 28. Juli Blue Balls Luzern mit Gary Clarke jr., Jessie J. und Alanis Morrisette

- 24.–28. Juli Jazz Nights Langnau mit Steve Coleman, Brad Mehldau, Billy Hart & Josh Redman, Joe Lovano & Douglas

- 17. Juli–5. August Stimmen Lörrach: Robert Plant

- 3./4. August Ed Sheeran im Letzigrund Zürich

- 3./4. August Open Air Gränichen mit Clawfinger und Royal Republic

- 8. August Magic Night Heitere Zofingen mit Gianna Nannini und Span

- 10.–12. August Heitere Open Air mit Kaleo, Rag ’n’ Bone Man und Macklemore

- 16. August Justin Timberlake im Hallenstadion Zürich

- 18./19. August Stubete am See in der Tonhalle Maag

- 22.–25. August Zürich Open Air mit Kendrick Lamar

- 25. August Allmend rockt Luzern: Die Toten Hosen

- 29. August – 2. September Jazzfestival Willisau

- 31. August – 2. September: Riverside Open Air Aarburg mit Marillion, Guano Apes, Apocalyptica

Fussball-WM und hohe Preise

Gut möglich, dass sich im Fall von St. Gallen und Montreux die Fussball-WM negativ auf die Verkäufe auswirkt, doch für den schleppenden Ticketstart müssen noch andere Gründe geltend gemacht werden. So hat das Gurtenfestival seine Ticketpreise im Schnitt um 12 Prozent angehoben. Ein 4-Tage-Pass kostet inzwischen 311 Franken, 79 Franken mehr als in St. Gallen. «Es ist schon denkbar, dass das Publikum diese happigen Preise je nach Line-up nicht mehr goutiert und sich weniger Festivaltage leistet», sagt Christoph Bill, Heitere-Chef und Präsident der SMPA, «beim Heitere versuchen wir, allfällige Mindererträge und Mehrkosten so lange wie möglich nicht auf die Zuschauer abzuwälzen. Wir stehen für faire Preise». Ein 3-Tage-Pass kostet in Zofingen je nach Zeitpunkt und Verfügbarkeit zwischen 125 und 185 Franken.

Es fehlt die Exklusivität

Über Erfolg oder Misserfolg entscheidet halt auch das Musik-Programm. In St. Gallen, zum Beispiel, ist Depeche Mode der Headliner. Doch die Techno-Pioniere sind schon im Vorjahr im Letzigrund-Stadion aufgetreten. Und auch die Gurten-Headliner Alt-J und Gorillaz spielten zuletzt im letzten Januar und November 2017 in der Schweiz. Es fehlt die Exklusivität. Aber auch die Festivals in Montreux und Nyon konnten in diesem Jahr keine wirklichen Coups landen. Paléo-Headliner Lenny Kravitz spielt zwei Wochen zuvor schon im Hallenstadion. Die wirklich zugkräftigen Superstars wie Ed Sheeran, Foo Fighters, Helene Fischer, die Toten Hosen und Justin Timberlake geben in diesem Jahr Einzelkonzerte. Die Open Airs und Festival müssen sich mit den Brosamen begnügen, mit Stars zweiter Klasse und Newcomern.

Unsere Tipps

- Unique Moments (6.–9. 6): Hof Landesmuseum Zürich Eine schöne Idee: Die Unique Moments im Innenhof des Landesmuseums Zürich sind in diesem Jahr eine Hommage an das gute, alte Musikalbum. Vier legendäre Alben stehen dabei im Mittelpunkt, die in voller Länge gespielt werden. Es sind dies die britische Band Travis mit ihrem Album «The Man Who» (1999), Stephan Eicher & Martin Suter mit «Song Book» (2017), Kraftwerk mit dem epochalen «Trans Europa Express» aus dem Jahr 1977 (schon ausverkauft) sowie Rock-Ikone Patti Smith, die ihr Debütalbum «Horses» wiederaufführt, mit dem sie 1975 ihren Durchbruch schaffte. Im Vorfeld konnten wir uns mit der 71-jährigen Musikerin und Poetin unterhalten.

- Neuer Montreux Jazz Club im Petit Palais (29. 6.–14. 7.) Festivalleiter Mathieu Jaton hat den Montreux Jazz Club vor fünf Jahren gegründet. Ein Club, eine dritte Bezahlbühne mit 300 Plätzen für den namensgebenden Stil des Festivals. Er war beliebt, meist ausverkauft und doch nicht ideal und wenig charmant. Jetzt ist der Montreux Jazz Club ins nahegelegene Petit Palais gezogen, dort wo am Nachmittag die Workshops stattfinden. Ein neu eingerichteter, modellierbarer Jazzclub, der bis zu 600 Besuchern Platz bietet. Wir freuen uns auf Carla Bley, Avishai Cohen, Matthew Herbert Brexit Big Band, Stanley Clarke, Chick Corea, Cory Henry, Selah Sue, Gregory Porter, Brad Mehldau und die neue Band von Robert Glasper, Terrace Martin und Christian Scott.

- Festival da Jazz St. Moritz (5. 7.–5. 8.) Kultur in den Alpen blüht. Im Fall des Festival da Jazz in St. Moritz schon seit 10 Jahren. Einen ganzen Monat lang wird hier im Engadin Jazz und jazzverwandtes in Weltklasse-Format geboten. Dabei sind vor allem die Konzerte im legendären Dracula Club ein besonderes Ereignis. Hier kann man zum Beispiel Superstar Norah Jones hautnah erleben. Man scheint ihren Atem zu spüren. Intimer gehts nicht. Weiter stehen die Jazzhelden Stanley Clarke, Billy Cobham oder Jan Garbarek auf dem Programm. Wer es klassischer mag, auf den wartet Nigel Kennedy oder Programme zum 100. Geburtstag von Leonard Bernstein. Abgerundet wird das Festival mit dem Musiker und Kult-Komiker Helge Schneider. (sk)

Internationalisierung

Die grösste Überraschung im Festivalsommer ist Kendrick Lamar am Open Air Zürich. Doch selbst das Konzert des angesagtesten, relevantesten Rappers unserer Zeit am 23. August ist noch nicht ausverkauft. In Zürich sind noch alle Kategorien verfügbar.

Mit Eminem hat auch das Open Air Frauenfeld einen dicken Fisch an Land gezogen. Dementsprechend schnell war das Hip-Hop-Festival ausverkauft. Es profitiert davon, dass das Open Air vor einem Jahr von «Live Nation» übernommen wurde. Der US-Eventriese hat viele «Big Shots» in seinem Angebot und fährt eine aggressive, expansive Strategie. Es geht um Grösse und um Marktanteile. Er kauft deshalb alles, was möglich ist. Künstler um Künstler, Festival um Festival, Veranstaltung um Veranstaltung auf der ganzen Welt. Auch in der Schweiz. «Konzentrations- und Internationalierungsprozesse werden in der Schweizer Konzert- und Festivallandschaft weiter voranschreiten», sagt Bill. Die Karten werden neu gemischt.

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