Schweiz statt Afrika
Corona zwang Dodo, daheim zu bleiben – Trotzdem sagt er: «Toibele bringt doch nichts»

Dodo hatte grosse Pläne, dann wurde die Welt klein. Statt nach Afrika ging er auf die Schweizer Pässe und singt jetzt auch über Schnee.

Michael Graber
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Dodo auf seinem Studio-Container in den Schweizer Alpen.

Dodo auf seinem Studio-Container in den Schweizer Alpen.

Bild: Jens Ries

Mit Sturm habe er gerechnet, sagt Dodo, «aber nicht mit so was». «So was» ist Corona. Eigentlich hatte der Zürcher Musiker vor, mit einem zum Musikstudio umgebauten Schiffscontainer über die Weltmeere zu tuckern, an afrikanischen Häfen anzulegen, Musik zu machen. Um ein paar Erlebnisse und ein fertiges Album reicher, wollte er in die Schweiz zurückkommen. Ein grosser Traum – und dann wurde die Welt klein: Im Februar gingen die Grenzen zu. #Stayathome. Stillstand. Dodo:

«Natürlich war das ein Dämpfer für mich. Alles wäre parat gewesen.»

Aber Dodo ist Dodo. Und auf den Rückschlag folgt die Challenge. «Ich brauche die Herausforderung», sagt er. «Wenn das Leben einmal eine Wendung nimmt, dann spüre ich die Energie in meinem Körper. Ich will damit etwas herstellen, es muss einfach ­he­raus.» Dodo klingt wie ein Mix aus Ratgeberliteratur für positives Denken und bundesrätlichen Durchhalte­parolen gegen den Lockdown-Blues. Eine Mischung, die schnell auf die ­Nerven gehen kann, bei Dominik Jud wirkt sie dagegen glaubwürdig. «Ich bin wirklich so», versichert er, «toibele bringt nichts. Zumindest für mich nicht. Ich will etwas Positives er­schaffen.»

Nach zwei Tagen Faust im Sack schmiedete Dodo wieder Pläne. Fertig war der Studiocontainer. 11½ Tonnen schwer, ein Monster. Wenn er schon nicht an den afrikanischen Häfen anlegen konnte, ging er auf die Suche nach den Häfen der Schweiz. Dabei wurde schnell klar: Es sind die Pässe. Sie verbinden, sind Ankunftspunkte in neue Regionen und versprechen auch ein bisschen Abenteuer. Halt einfach in der Variante Schweiz. Es sind ziemlich sichere Häfen, auch in Coronazeiten.

«Am Anfang war ich um die Sicherheit froh», sagt Dodo. Denn sein Container funktioniert mit Solarenergie. Aber es funktionierte nicht von Anfang an, gibt er zu:

«Ich war auf Hilfe angewiesen, um die Solaranlage zum Laufen zu bringen.»
DodoSchweizer Musiker

Dodo
Schweizer Musiker

Keystone

Er sei sich bewusst, dass ein Abenteuer in der Schweiz einfacher zu handhaben ist als in weniger gut organisierten Ländern: «Hier sprechen wir die gleiche Sprache, wir kennen die Gepflogenheiten, und am Ende funktioniert meist alles.» Angelegt hat Dodo statt in Afrika am Grimsel-, Furka- und am Oberalppass. Ziemlich allein, «wir sahen manchmal tagelang keine anderen Menschen», sagt Dodo.

Seine Reise in Afrika hatte er sich als gemeinschaftliches Ereignis vorgestellt. «Ich war ja schon öfter in Afrika. Da wäre es jeweils nicht lange gegangen, bis sich Dutzende Menschen um den Container versammelt hätten, sitzend, stehend, tanzend. Wir hätten zusammen Musik gemacht und unsere Energien ausgetauscht», sagt Dodo.

Ein wenig Afrika auf den Berg genommen

Statt Menschenmassen kamen Wanderer und einmal ein Bauer, der seine Kuh suchte. Was macht das mit der Musik? Ist sie anders geworden? «Unbedingt», versichert Dodo. «Vor allem textlich, ich singe ja sogar über Schnee. Das hätte ich in Afrika sicher nicht gemacht.» Musikalisch hat er aber ein wenig Afrika mit auf den Berg genommen. Noch immer gibt es deutlich mehr Off-Beat als traufferschen Ländler-Pop. «Alles ändere ich sicher nicht, nur weil ich an einem anderen Ort war», sagt er lachend.

«Pass» ist nicht durchweg originell und wirkt an einigen Stellen gar ausgedacht – gerettet wird die Platte durch den positiven Vibe, der Dodo umschwebt. Die gute Laune macht Laune. Der Sound beschwingt. Dodo will, dass seine positive Message gehört wird, darum hat er keine Berührungsängste mit Mainstream-Pop. Alles ist mitsingbar und funktioniert in der Kinderdisco ebenso wie in der Après-Ski-Hütte. Allerweltsmusik. Das ist durchaus als Kompliment gedacht.

Und es ist Musik, um sich dazu zu bewegen. «Ich bin schwer am Überlegen, wie wir die Musik live zu den Leuten bringen können», sagt Dodo. Und dann sprudeln die Ideen. «Mein Container wäre dafür geeignet. Wir bräuchten einfach ein Schutzkonzept. Noch ist alles nur im Kopf», sagt er.

Mittlerweile wurde aus dem Container das «Ministry Of Good Vibes». Die guten Vibes bewahrt er auch für sich selber. Den Traum vom Durchfahren der Weltmeere konnte Corona nicht zerstören. «Ich mache das sicher noch. Wann und wie, weiss ich aber noch nicht», sagt Dodo. Stürmisch wird es dann wohl auch, aber «so was» kommt dann hoffentlich nicht mehr.

Dodo: Pass. Ministry Of Good Vibes (Sony)Ab 3. März in «Sing meinen Song – Das Schweizer Tauschkonzert» auf TV24.

Dodo: Pass. Ministry Of Good Vibes (Sony)
Ab 3. März in «Sing meinen Song – Das Schweizer Tauschkonzert» auf TV24.

zvg