90-Minuten-Show
Rihanna im Letzigrund: Zu gewöhnlich für eine Aussergewöhnliche

Rihanna spielte im Zürcher Letzigrund eine professionelle aber gefühskalte Show.

Benno Tuchschmid
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Rihanna im Letzigrund
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Rihanna im Letzigrund

HO/David Wander

Nach knapp 90 Minuten senkte sich die Hebebühne mit Rihanna in den Untergrund und die Show war vorbei. Schneller als sie begonnen hatte. Was blieb war ein zwiespältiger Eindruck. Einer der grössten Pop-Stars unserer Zeit hatte ein gut gefülltes Letzigrund-Stadion in Zürich professionell unterhalten. Mit einer Show deren musikalischer Kern Rihannas neues Album „Anti“ war. Das kompromisslose Pop-Kunstwerk einer Sängerin, die sich keine Konformität mehr leisten muss. Nach über 190 Millionen verkauften Tonträgern.

Nach Huldigungen durch das Feuilleton. Rihanna ist einzigartig. Und sie weiss es. Während gut eineinhalb Stunden hat die 28-jährige Sängerin aus Barbados gestern Abend diese Einzigartikeit in der Theorie bewiesen. Das audiovisuelle Produkt, das sie in Zürich ablieferte war musikalisch sauber, optisch aufreizend und in allen Belangen am Puls der Zeit.

Aber auf der Gefühlsebene etwas zu routiniert. Die Interaktion mit ihren Musikern und dem Publikum reduzierte Rihanna auf Höflichkeitsform. Die Länge der Show schrammte in Anbetracht des Stehplatzpreises von rund 110 Franken knapp an der Unhöflichkeit vorbei. Da war zwar alles dabei, was dabei sein musste in der Show: Ihre Hits „Umbrella“, „Bitch better have my money“ und „Diamonds“. Kleiderwechsel im Minuten-Takt.

Aufreizend kreisende Hüften. Der trotzige Kling ihrer aussergewöhnlichen Stimme. Und doch war das für eine Spezielle etwas gewöhnlich. Ihren Fans war es egal. Deren Loyalität hat sich Rihanna mit einer schon jetzt einzigartigen Karriere verdient. Kaum war Rihanna unter der Bühne des Letzigrund verschwunden, war auch das Stadion leer. Draussen aber, bei den Tramstationen und in den Strassen rund um die Arena, da tanzten junge Mädchen weiter zu Rihanna-Beats, die aus portablen USB-Verstärkern in Frauen-Täschen dröhnten. „Bitch better have my money“.

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