Hollywood

Rausgeschnitten: Kevin Spacey kriegt es mit dem Löschstift zu tun

Kevin Spacey (und viel Make-Up) als Ölmilliardär Jean Paul Getty im Film «All the Money in the World».

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Kevin Spacey (und viel Make-Up) als Ölmilliardär Jean Paul Getty im Film «All the Money in the World».

Der in Ungnade gefallene Schauspieler wird aus dem bereits abgedrehten Kinofilm «All the Money in the World» herausgeschnitten und durch Christopher Plummer ersetzt. Das Filmstudio Sony will mit dieser Aktion sein eh schon angekraztes Image retten.

Der Skandal um Starschauspieler Kevin Spacey, der des sexuellen Missbrauchs bezichtigt wird, hat eine Wende genommen, die selbst für Hollywoodverhältnisse unerhört sein dürfte.

Wie das zuverlässige Hollywoodportal «Deadline» gestern berichtete, wird der zweifache Oscar-Preisträger komplett aus dem kommenden Kinofilm «All the Money in the World» herausgeschnitten.

Spacey spielt im Entführungsdrama von Starregisseur Ridley Scott die Hauptrolle. Seine Szenen als Ölmilliardär Jean Paul Getty waren bereits alle im Kasten, der Film vollständig abgedreht.

Nun hat Scott angekündigt, dass Spaceys Szenen mit Schauspieler Christopher Plummer neu gedreht werden. Plummer, ebenfalls Oscar-Preisträger, sei von Anfang an Scotts erste Wahl für die Rolle gewesen, doch das Filmstudio Sony Pictures hatte laut Bericht vor Drehbeginn noch auf einen grösseren Star gepocht.

Sony und die gesamte Filmcrew stünden nun aber geschlossen hinter dem Entscheid des Regisseurs, Spacey zu ersetzen.

Neudreh wird zum Husarenstück

Pikant: Die Neuaufnahmen mit Christopher Plummer sollen so schnell im Kasten sein, dass «All the Money in the World» planmässig am 22. Dezember, also in knapp sechs Wochen, in den US-Kinos anlaufen kann. (Der Schweizer Kinostart ist für Februar 2018 vorgesehen).

Dieses Husarenstück sei einerseits möglich, weil Spacey viele Einzelszenen gedreht habe. Und andererseits, weil die anderen Darsteller des Films, unter anderem Mark Wahlberg und Michelle Williams, in ihren dichten Terminkalendern Zeit für die nötigen Nachdrehs einrichten konnten.

Die Absetzung von Spacey dürfte für Sony Pictures auch strategische Gründe haben. Das Filmstudio war in den letzten drei Jahren wiederholt von Krisen geplagt worden und fürchtet um sein Image.

Am Anfang stand ein Hackingskandal Ende 2014, bei dem brisante Interna an die Öffentlichkeit kamen, was mehrere Wechsel in Sonys Chefetage zur Folge hatte. Seither reitet das Studio auf einer Misserfolgswelle.

Kinohits blieben aus, teure Produktionen wie der letzte Bond-Film «Spectre», die «Ghostbusters»-Neuverfilmung und das Science-Fiction-Spektakel «Passangers» blieben an den Kinokassen weit hinter den Erwartungen zurück.

Spacey galt als Oscar-Favorit

Von «All the Money in the World» versprach sich Sony vor allem einen grossen Prestigegewinn an der kommenden OscarVerleihung. Spacey galt bis anhin als einer der grossen Favoriten auf den Darstellerpreis. Jetzt ist er Kassengift.

Deshalb haben ihn zuerst Netflix und jetzt auch Sony gefeuert, bevor Spacey überhaupt rechtskräftig verurteilt wurde. Die Unschuldsvermutung ist in Hollywood eben bad for business.

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