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Herbert Grönemeyer hofft auf die Ampel-Regierung

Der deutsche Superstar über die neue deutsche Regierung und Texte von ihm, die überinterpretiert werden oder er bis heute nicht auswendig kann.

Stefan Künzli
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Herbert Grönemeyer will Ende 2022 eine neue Platte veröffentlichen.

Herbert Grönemeyer will Ende 2022 eine neue Platte veröffentlichen.

Clemens Bilan / EPA

Für Herbert Grönemeyer ist das grösste Problem in Deutschland die anhaltende Teilung des Landes. Angela Merkel, obwohl sie aus dem Osten kommt, habe sich 16 Jahre lang «nicht darum gekümmert». Umso hoffnungsvoller schaut er auf die neue Ampel-Regierung. «Ich bin beeindruckt, wie schnell sich die Ampel-Koalition zusammengerauft hat. Sie ist sehr lebendig, sie gehen auf einander zu und tauschen sich aus. Für mich sind da nicht die doofsten Köpfe zusammen. Vielleicht schafft es diese heterogene Koalition, die eine grosse Bandbreite repräsentiert, das Land zusammenzubringen. Die Chance ist da», sagte er am Rande seines Gastspiels in Luzern, wo er als Dirigent auftrat. Auf die Frage, wie ein Song von ihm über die Ampel-Koalition heissen würde, antwortet er: «Die Ampel steht schon lange auf rot. Es wird Zeit, dass sie grün wird».

Es gäbe aber schon Texte von ihm, die überinterpretiert würden. Den Song «Kinder an die Macht» zum Beispiel habe er zur Geburt unseres Neffen geschrieben. «Plötzlich sass ich in Talkshows mit Kinderpsychologen und musste mich dafür rechtfertigen», sagt er. Es gäbe natürlich schon Lieder mit einem ernsten Hintergrund. «Aber ich sitze nicht tagelang rum und sinniere über tiefgreifende Texte. Manchmal müssen es einfach ein paar flotte Zeilen sein. Ich bin ein Tiefgänger, aber nur wenn es sein muss», sagt er weiter.

Seinen Hit Männer würde er heute anders schreiben. Das Lied ist 1983 entstanden. Seither habe sich die Rolle des Mannes stark geändert. «Der Song ist mir nicht peinlich, aber ich würde die Rolle des Mannes anders zeichnen», sagt er. Sowieso sei er froh, dass das Publikum bei seinen Konzerten jeweils lautstark mitsingt.«Bei «Mensch» zum Beispiel kenne ich den Ablauf des Textes nie genau. Dann orientiere ich mich jeweils am Gesang des Publikums und warte eine Millisekunde oder lasse eine ganze Zeile aus für das Publikum», sagt er.

Wenn Grönemeyer mal nicht dirigiert, arbeitet er an einer neuen Platte in Umbrien, die hoffentlich Ende Jahr erscheinen wird. Dazu gibt er 2022, sofern es die Pandemie zulässt, sechs Konzerte zu 20 Jahre «Mensch». Mit dabei ist auch ein kleines Orchester mit zehn Streichern und vier Bläsern. «Eigentlich wollten wir die Songs mit grossem Orchester, mit dem Bolshoi Symphony Orchestra, spielen. Das mussten wir aber absagen», sagt er.

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