2018 war das Jahr von Steiner & Madlaina: Das Schweizer Popduo sorgte mit seinen eingängigen Songs und scharfsinnigen Texten für volle Konzertclubs. Keystone-SDA hat mit den beiden Zürcherinnen am heimischen Küchentisch über ihren Aufstieg und Rollenklischees im Schweizer Musikbusiness gesprochen.

Wir treffen die 22-jährige Madlaina Pollina und die 24-jährige Nora Steiner an einem nebligen Wintermorgen in ihrer Studentenbude in einem unscheinbaren Block im Zürcher Kreis 6. Zentrum ihres Zuhauses bildet ein alter Holztisch in der Küche, «ein Wohnzimmer haben wir keines», erklärt Madlaina Pollina fast entschuldigend.

An diesem Tisch wird geraucht, getrunken – und viel gelacht. Und hier entstehen sie, die anspruchsvollen Texte, mit denen sich Steiner & Madlaina im vergangenen Jahr einen Namen in der Schweizer Musikszene gemacht haben.

Man muss hinhören, wenn man heraushören will, was die beiden jungen Frauen zu sagen haben. Oft reiche ein einziger Satz, den sie aufschnappen und um den herum sie eine Geschichte kreieren, erzählt Steiner. Meist geht es um Zwischenmenschliches, aber auch politische Untertöne sind auszumachen.

Kopfüber ins Musikbusiness

Steiner & Madlaina haben einen steilen Aufstieg hinter sich. Vor einem knappen Jahr nahmen sie ihr Debüt in Deutschland auf, mit dem Song «Wenn du mir glaubst» schafften sie im Sommer den Sprung in die Radiostationen. Mitte Oktober erschien das Debütalbum «Cheers». Seither bespielen die beiden die Clubbühnen in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich.

Auf der Bühne wie auch im Gespräch wirken Steiner & Madlaina locker und authentisch. Hinter dem, was das Publikum nun sehe und höre, stecke harte und jahrelange Arbeit, sagt Nora Steiner. Als Ska-Schülerband sammelten die Musikerinnen erste Erfahrungen, bald wurde aus der Band ein Duo, das Stile ausprobierte und erst vor zwei, drei Jahren den ganz eigenen Sound fand.

Seither setzen Steiner & Madlaina voll auf die Karte Musik. Eine sehr bewusste Entscheidung sei das gewesen, erzählt Steiner. Als das Interesse an ihnen plötzlich grösser geworden sei, habe ihnen Musikerkollege Endo Anaconda am Rande eines Auftritts gesagt, jetzt gebe es kein Zurück mehr.

Ihren Sound bezeichnen Steiner & Madlaina als «alternativen Pop mit ein bisschen Schlager» oder, lacht Pollina, als «Mini-Rock». Die Musik ist mal schnell und tanzbar, mal balladesk, mal rockiger, die Texte auf Hochdeutsch und Englisch, seltener auf Schweizerdeutsch.

In Trainerhosen und ungeschminkt sitzen Steiner & Madlaina eng beieinander am Küchentisch. «Wenn du mir glaubst» ist ein eingängiger Song über eine Frau, die einen Mann nach einer gemeinsamen Nacht abserviert. Im Videoclip kurven drei professionelle Skateboarderinnen durch eine Bowl.

Steiner & Madlaina gehören einer Generation an, der Rollenklischees fern liegen und in der ihr Geschlecht keine Rolle spielt – dachten sie zumindest. «Wir haben irgendwann gemerkt, dass wir komplett in einer Blase leben», sagt Steiner. «Wir sind ziemlich auf die Welt gekommen.»

Plötzlich waren da Techniker, die den beiden jungen Frauen erklären wollten, wie sie Geräte zu bedienen haben. Oder wie ein Soundeffekt klingen sollte. «Die dachten sich, wir hätten eh keine Ahnung. Das wäre einem Mann so nicht passiert», ist Pollina überzeugt. Und Nora Steiner enerviert sich noch heute über einen Techniker, der ohne ihre Erlaubnis an ihren Instrumenten herumschraubte. «Wir haben aber ziemlich schnell gelernt, klare Ansagen zu machen und uns durchzusetzen.»

Zu wenige Instrumentalistinnen

Auch wenn Steiner und Pollina den Eindruck haben, dass die Schweizer Musikszene im Moment über viele starke Frauenfiguren verfügt, so machen sie Defizite aus: «Wir hätten gerne mehr Instrumentalistinnen. Aber es gibt einfach zu wenige. Und die, die es gibt, sind komplett ausgebucht», sagt Steiner. Darum sind in ihrer Band Schlagzeug und Bass nun mit Männern besetzt.

Über die Genderfrage könne grundsätzlich gar nicht genug diskutiert werden. Und was ihnen anfangs ihrer Karriere als selbstverständlich erschienen ist, sei es eben irgendwie doch noch nicht. Dagegen singen Steiner & Madlaina an: «Von mir wird es Parolen regnen», klingt das dann etwa. (SDA)