Baden

«One Of A Million»-Festival: Diese 7 Acts dürfen Sie nicht verpassen

Unsere Tipps für das internationale Entdeckerfestival One Of A Million vom 1. bis 9. Februar in Baden.

Seit 2011 verwandelt das Festival One Of A Million (OOAM) die Stadt Baden für einige Tage im Februar in das Musik-Mekka der Schweiz. Im Laufe der Jahre hat sich OOAM zu einem bedeutenden Schweizer Festival für Entdecker entwickelt. Es ist stetig gewachsen, hat aber seinen intimen Charakter beibehalten. Im letzten Jahr erreichte das Festival um die Veranstalter vom Verein Herbert mit über 4000 Zuschauern einen neuen Besucherrekord. 62 Acts aus dem In- und Ausland mit den unterschiedlichsten Stilen sind in diesem Jahr für 19 Veranstaltungsorte vom 1. bis 9. Februar gebucht worden. Ausgewählt wird, was spannend ist. Das Hauptprogramm findet in der Stanzerei, dem Royal und der Druckerei statt. Wir haben uns durch das vielfältige Programm gehört und empfehlen vor allem folgende sieben Acts:

1. Aquaserge: Musik für Kopf, Bauch und Beine

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Das Festival beginnt am Freitag mit einem Paukenschlag. Die französische Experimental-Popband spielt einen äusserst druckvollen, groovigen Sound mit jazzigem Anklang. Unterstützt wird die fünfköpfige Kernband von einer Hornsektion. Beeinflusst von Psychedelia, Rock, Filmmusik und Jazz pflegt Aquaserge ausgedehnte Instrumentalpassagen. Aquaserge machen spannende, intelligente Musik für Kopf, Bauch und Beine. Die Band hat schon beim Reeperbahn Festival und beim Great Escape Festival in Brighton grosse Spuren hinterlassen und das Studioalbum «Laisse ça être» ist auf Bestenlisten des Jahres 2017 von prominenten Kritikern wie jenen des «Musikexpress» erschienen. Jetzt kommt die Band zum ersten Mal in die Schweiz.

Freitag, 1.2., 22.30, Royal

2. Gasandji: Gehauchte Köstlichkeiten aus dem Kongo

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Gasandji («Bewusstsein») ist ein sinnliches Ereignis. Mit feiner, gehauchter Stimme und begleitet von akustischer Gitarre entführt uns die im Kongo geborene Musikerin in neue Welten. Im Alter von 14 Jahren kam sie nach Frankreich und besuchte ein Internat in Paris. Dort tauchte sie in die Hip-Hop-Szene ein und war zunächst Tänzerin und Choreografin bei Rappern wie MC Solaar oder IAM. Doch sie wollte selbst singen, nahm Jazz- unterricht, trat einem Gospelchor bei und nahm 2016 ihr erstes Album auf. Es sind atmosphärische, melancholische Songs, die wachsen und Stimmungen kreieren. Vorgetragen von einer Künstlerin mit Persönlichkeit und Ausstrahlung.

Sonntag, 3.2., 10.30, Langmatt

3. Jerusalem In My Heart: Electronica trifft Orient

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Jerusalem In My Heart ist audio-visuelles Performance-Projekt um den Produzenten und Musiker Radwan Ghazi Moumneh und den Filmemacher André Coderre. Der aus dem Libanon stammende Ghazi hat sich zunächst in der Hardcore-Szene bewegt, bevor er sich als Hausproduzent der Hotel2Tango Studios im kanadischen Montreal einen Namen machte und an den verschiedensten Projekten beteiligt war. Mit Jerusalem In My Heart greift er seit 2013 auf seine musikalische Herkunft zurück und verarbeitet Orientalisches mit Noise und Electronica.

Dienstag, 05.02., 22.00, Royal

4. Pongo: Queen des Kuduro

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Die 24-jährige Pongo ist die Königin des neuen Kuduro, der schnellen angolanisch-portugiesischen Tanzmusik. Die Wurzeln des Kuduro liegen im Angola der 80er-Jahre, als dortige Produzenten in der Hauptstadt Luanda lokale Rhythmen mit Calypso-Beats kombinierten. In den späten 90er-Jahren wurden die schnellen Beats aus der ehemaligen portugiesischen Kolonie in Portugal angeschwemmt, wo die Angolaner die zweitgrösste afrikanische Gemeinde bilden. Die in Angola geborene Pongo ging denselben Weg. In Portugal entdeckte sie den Kuduro, der dort mit House- und Reggaeton gemischt und auf die Bedürfnisse der Klubs getrimmt wurde. Es entstand eine wuchtige, knallige Tanzmusik. Rohe, simple und schnelle Elektrorhythmen treffen auf repetitiven Sprechgesang, digitales Hightech auf Archaisches, Dritte-Welt-Ästhetik auf europäischen Klubsound. Pongo wurde Teil der bekannten Band Buraka Som Sistema. Als Solokünstlerin erneuerte sie den Kuduro, indem sie Elemente der angolanischen Stile Semba und Kizomba integrierte. Heiss und treibend.

Mittwoch, 6.2., 22.00, Royal

5. Peluché: Pioniere des «Trip Jam»

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Die drei Londoner Musikerinnen von Peluché (plüschartig) gelten als Pionierinnen des sogenannten «Trip Jam». In diesem neuen Sound werden der lateinamerikanische Rhythmen mit Funk und Pop gemischt und mit Experimentierlust, Unbefangenheit und juveniler Unverfrorenheit in neue Bahnen gelenkt. Dabei erarbeitet die 2014 in London gegründete Frauenband ihre Musik gemeinsam in Jamsessions. Also wie früher. Das Spezielle an Peluché ist aber, dass dieser Jam-Charakter die Musik auch auf der Bühne prägt. Es wird wieder improvisiert. Aber nicht so, wie wir das vom Jazz kennen. Vielmehr klingt das auf eine erfrischende Art unfertig, ungehobelt und roh, aber auch unmittelbar und direkt. Umso mehr als das Trio bei seinen Auftritten auch das Publikum in seine Show integriert. Die britischen Trendmagazine sind begeistert und selbst die renommierte Zeitung «The Guardian» stimmte in den Lobgesang ein. Im Herbst haben die drei Musikerinnen mit den spannenden Piepsstimmen das Debüt «Unforgettable» veröffentlicht. Und jetzt sind Peluché auch erstmals in der Schweiz zu hören und zu erleben. In Baden kommt es zur Schweiz-Premiere.

Donnerstag, 7.2., 19.30, Stanzerei.

6. Jungstötter: Der deutsche Bryan Ferry

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Das Timing stimmt. Am 1. Februar veröffentlicht der junge deutsche Sänger Fabian Altstötter unter seinem Künstlernamen Jungstötter sein Albumdebüt «Love Is». Eine Woche später stellt er sein Werk in Baden vor. Altstötter ist kein unbeschriebenes Blatt. Bekannt wurde er als Sänger der Band Sizarr. Solo klingt er nun strenger, düsterer und melancholischer, weniger verspielt als bei Sizarr. Geblieben ist aber seine besondere, von Leid und Schmerz erfüllte Stimme, die mit ihrem Timbre und Vibrato an die jugendliche, dramatische Version von Bryan Ferry erinnert.

Freitag, 8.2., 22.30, Royal.

7. Teleman: Renaissance des Electro-Pop

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Die britische Band Teleman bezieht sich mit ihrem Namen auf Georg Philipp Telemann, mit dem deutschen Barock-Komponisten hat das vor sieben Jahren gegründete Quartett aber eigentlich wenig am Hut. Mit ihrem letztjährigen dritten Album «A Family of Aliens» (Platz 49 in den britischen Charts) wenden sich Teleman vielmehr dem 80er-Genre Electro-Pop zu. Das heisst: Grosse hymnische Melodien zum Mitsingen, ein Groove zum Mitsingen und ein Sound zum Mitfeiern. Zum Schluss des Festivals erleben wir also so etwas wie die Renaissance des Electro-Pop.

Samstag, 9.2., 22.30, Royal

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