Öffnung
Wo es jetzt im Aargau den besten Jazz zu hören gibt

Für die meisten Aargauer Jazz Clubs lohnt sich die Rückkehr zum Konzertbetrieb noch nicht. Trotzdem gibt es spannende Livemusik.

Stefan Künzli
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Ein spezieller Ort für spezielle Musik: Demian Coca (Mitte) ist mit seiner siebenköpfigen Schweizer Band Paykuna von bolivianischer Musik inspiriert.

Ein spezieller Ort für spezielle Musik: Demian Coca (Mitte) ist mit seiner siebenköpfigen Schweizer Band Paykuna von bolivianischer Musik inspiriert.

Bild: Anna-Lena Holm

Die Kultur ist zurück! Endlich wieder Live Feeling! Konzerte im kleinen, intimen Rahmen sind wieder erlaubt. Geradezu ideal für Jazzkonzerte in den zahlreichen Aargauer Jazzclubs!

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Falsch gedacht! Denn Jazz in Baden musste seine verbliebenen Konzerte ebenso absagen wie der Jazzclub Q4 in Rheinfelden, «Musig im Pflegidach» Muri, die Konservi in Seon und Jazz Live Aarau. «Sommerpause» steht da in grossen, roten Lettern auf der Website.

«Jazz in Baden»-Präsident Peter Hunziker ist untröstlich. Im Dezember letzten Jahres wurde im Restaurant Isebähnli zum letzten Mal gejazzt. Noch so gerne hätte er den Konzertbetrieb wieder aufgenommen. Doch trotz Öffnungsschritten wird das nichts. «Schweren Herzens mussten wir die beiden letzten, vorgesehenen Konzerte auch noch absagen», sagt Hunziker.

Die behördlichen Schutzmassnahmen liessen gar keinen anderen Schluss zu: Bei einer Kapazität von 60 Personen wären nur Konzerte für rund 13 Leute (plus Musiker und Personal) möglich gewesen. Und überhaupt: Jazz im Isebähnli ohne Bier und Spaghetti? Das geht gar nicht. Das lohnt sich für niemanden: Nicht für die Musiker, nicht für das Publikum und schon gar nicht für den Veranstalter.

Und doch ist «Jazz in Baden» in der Zwangspause nicht untätig gewesen. Der traditionsreiche Verein hat den Generationenwechsel vollzogen und Peter Hunziker übergibt das Präsidium seiner Tochter, der Sängerin Rea Hunziker. Offizieller Saisonstart unter neuer Leitung wäre im Oktober. Doch der Club brennt darauf, sich schon im Sommer an der freien Luft in gediegenem Rahmen zu präsentieren und gegen aussen zu signalisieren: «Wir sind zurück.»

Plattentaufe von Paykuna im Freien

Ähnliches hat auch der Jazz Club Aarau vor. «Wir suchen noch den geeigneten Ort, aber es ist unsere Absicht, den Jazzdurst mit Sommerkonzerten im Freien zu stillen», sagt Präsident und Musiker Demian Coca.

Doch zunächst folgen im Mai noch die Konzerte im Galerieraum der Tuchlaube. Die Bedingungen lassen hier immerhin Konzerte für 22 Zuhörerinnen und Zuhörer zu. «Besser als nichts», sagt er. Zu entdecken gibt es zwei junge Schweizer Bands: Das Trio Berg mit Fabian M. Müller, Emanuel Künzi und Kaspar von Grüningen, die Klänge der Berge ausmisst und auslotet. Dazu kommt die Luzerner Band Sc’ööf, die 2020 den begehrten ZKB-Jazzpreis gewonnen hat. Mit zwei Saxofonisten, einem Gitarristen und einem Schlagzeuger spielt die Band eine abenteuerliche Musik, die auf repetitiven rhythmischen Mustern aufbaut und mit der Energie des Rock und der Unverfrorenheit des Punks interpretiert wird.

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Für Demian Coca sind die zaghaften Öffnungsschritte ein Glücksfall. Auch für seine eigene siebenköpfige Band Paykuna, die mit ihrem zweiten Album «Rinakaruy» in den Startlöchern steht. «Wir hatten uns schon fast damit abgefunden, die Plattentaufe absagen zu müssen», sagt der Pianist und Bandleader. Nun kommt es auf dem ehemaligen Werkhof der Eniwa, auf dem Vogelinseli, doch noch dazu. Ein spezieller Ort für eine spezielle Musik. Da der Anlass im Freien stattfindet, lässt sich hier grosszügiger konzipieren.

Demian Coca ist in Aarau geboren, musikalisch aber vom Jazz und von seiner bolivianischen Herkunft inspiriert. Die sieben Stücke sind einzigartigen bolivianischen Landschaften gewidmet und spiegeln die rhythmische Vielfalt und den melodischen Reichtum der Folklore. Die Band besteht aus Schweizer Musikern, die sich an der Jazzschule in Luzern kennen gelernt haben. Bei der visuellen Umsetzung der Musik in Videos hat der Bandleader mit Tänzern und Videokünstlern aus Bolivien zusammen gearbeitet.

Die japanische Pianistin Aki Takase kommt

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Noch am komfortabelsten ist die Situation in der Badener Stanzerei, wo immerhin 50 Leute das Konzert der japanischen Grossmeisterin Aki Takase (Klavier) mit ihren Trio-Partnern Christian Weber (Bass) und Michael Griener (Schlagzeug) erleben dürfen. Stefan Schmidlin vom veranstaltenden Verein Kulak ist optimistisch, dass das Konzert am 9.Mai auch wirklich durchgeführt werden kann. Denn Takase reist nicht von Japan an. Sie lebt seit Jahrzehnten in Berlin. Bevor Kulak in die Sommerpause geht, kommt es im Juni noch zur Begegnung mit dem aussergewöhnlichen Trio des französischen Cellisten Vincent Courtois mit den beiden ­Saxofonisten Daniel Erdmann und Robin Fincker.

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Das Jazzleben im Aargau öffnet sich langsam, zaghaft und zögerlich. Noch zu viel ist vage und unsicher und die Jazzclubs planen für den Herbst. Dann soll es so richtig losgehen.

JAZZKONZERTE IM AARGAU
Alter Werkhof Eniwa, Vogelinseli, Erlinsbacherstrasse 57, Aarau: 2. Mai, 19 Uhr: Plattentaufe Paykuna; 23. April, 19 Uhr, Online-Video-Premiere auf Youtube; 7. Mai Albumrelease.

Stanzerei Baden: 9. Mai, 17.15 Uhr: Aki Takase Trio Auge; 24. Juni, 20.15 Uhr: Courtois/Erdmann/Fincker.

Jazz Club Aarau, Galerie Tuchlaube: 6. Mai, 20.15 Uhr: Berg; 27. Mai, 20.15 Uhr: Sc’ööf.

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