«Then and Now»

Neues Programm des Argovia Philharmonic: Grossbritannien klingt frisch und lebendig

Der Norweger Rune Bergmann und das Argovia Philharmonic pflegen ein locker-federndes Musizieren.

Der Norweger Rune Bergmann und das Argovia Philharmonic pflegen ein locker-federndes Musizieren.

Der Norweger Rune Bergmann dirigiert das neue Programm «Then and Now» des Argovia Philharmonic.

Um griffige Formulierungen ist Douglas Bostock, der scheidende Chefdirigent des Argovia Philharmonic, nie verlegen: «Wiener Klassik ist wie Kohlenhydrate. Das ist die Basis, damit ein Orchester sich steigert.» Weil dies laut Bostock so ist, gehört auch die Sinfonie Nr. 104 D-Dur, «London»/«Salomon» des Klassikers Joseph Haydn ins Programm «Then and Now» («Damals und heute»).

Der Titel lässt die Frage nach der richtigen Platzierung der Kohlenhydrate – ob zu Beginn, in der Mitte oder am Ende – jedoch in den Hintergrund treten. Wichtiger ist dies: Wer leistet Haydn, der in London so erfolgreich war, Gesellschaft? Zwei Briten. Henry Purcell, ein Komponist des 17. Jahrhunderts, steht für «Then»; Gerald Finzi, ein Mann des 20. Jahrhunderts, für «Now». Ja, Douglas Bostock lässt sich für seine letzte Saison mit dem Argovia Philharmonic viel einfallen, um dem Publikum seine englische Heimat musikalisch schmackhaft zu machen.

Frisches, lebendiges Musizieren

Auf das erste Stück, Purcells Suite Nr. 1 aus der Bühnenmusik «The Gordian Knot Untied» in der Bearbeitung des Purcell-Wiederentdeckers Gustav Holst, folgt Finzis Konzert für Klarinette und Streichorchester mit Francesco Negrini, dem Soloklarinettisten des Argovia Philharmonic, und danach die genannte Haydn-Sinfonie.

Geleitet wird das Programm vom norwegischen Gast Rune Bergmann: ein Dirigent mit sichtlicher Freude an der Sache, der Purcells Suite in Holsts Instrumentierung eine fein ausgehorchte Klangdramaturgie angedeihen lässt. Das klingt bei allem Delikaten nie verzärtelt, sondern vital und zeigt, was Bergmann wichtig ist: ein frisches, lebendiges und energiegeladenes Musizieren mit sorgsam ausgearbeiteten Artikulationen und Tempi, die stimmen – was ebenso für die Dynamik gilt.

Bergmann und das Argovia Philharmonic pflegen ein insgesamt locker-federndes Musizieren, das keine Effekthascherei kennt. Wie Dirigent und Orchester die Unverwechselbarkeit eines jeden Haydn-Satzes darstellen, ist nicht nur trefflich, sondern auch vergnüglich. Dank ihnen kann man wieder einmal erleben, welche Wirkung Haydn mit dem Setzen von Pausen erzielt: die Musik bricht unvermittelt ab, was selbst erprobte Konzertbesucher ungeduldig fragen lässt: Wie geht’s weiter? Spannend.

So ist auch Gerald Finzis Klarinettenkonzert; ein Werk, das vom Solisten alles abverlangt. Er muss einen langen Atem haben, um sowohl die überwiegend kantablen Passagen, aber auch die virtuosen Figurationen so zu gestalten, dass sie wie ein Lied anmuten. Finzi, ein grosser Liedkomponist, wird ja auch als britischer Schubert bezeichnet. Nicht verwunderlich also, dass die Klarinette bei ihm zur Vokalstimme wird, die zusammen mit dem Streichorchester «singt». Und wie Francesco Negrini auf seiner Klarinette singt.

Ob bei kräftigen, in extreme Höhen getriebenen oder aber verhauchenden Tönen: Sein Spiel hat Suchtpotenzial. Natürlich ist die Partnerschaft mit «seinem» Orchester eine spezielle. Beidseits ist eine Aufmerksamkeit und Wertschätzung da, die das Musizieren ebenso intensiv wie vergnüglich machen. Rundum Spass bereitet auch Negrinis Zugabe «Clarinettologia» von Gaspare Tirincanti.

1997 für clarinetto solo geschrieben, ist die Begleitung ad libitum – wie beim Jazz üblich in Form von darunter stehenden Akkorden. Der Kontrabassist des Orchesters assistiert dabei seinem alle klanglichen und rhythmischen Facetten der Klarinette auslotenden Kollegen Francesco Negrini derart cool, dass man sich ein neues Programm wünscht: «Argovia Philharmonic: Jazz!».

Weitere Konzerte: Aarau, Kultur- & Kongresshaus, 15. Januar; Rheinfelden, Bahnhofsaal, 17. Januar; Baden, Trafo, 18. Januar; Muri, Festsaal Kloster, 19. Januar; jeweils um 19.30 Uhr.

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