Kultur

Neues Album der Schweizer Metal-Legende Messiah: Verspielt, vielseitig und brachial

Die Zuger Metalband Messiah meldet sich mit dem fulminanten sechsten Album ‹Fracmont› zurück.

Über ein Vierteljahrhundert ist es her, seit die Zuger Thrash- und Death-Metalband Messiah mit «Underground» ihr fünftes Album herausgebracht hat. Eine halbe Ewigkeit im Musikbusiness. Nun folgt in der klassischen Besetzung mit Andy Kaina (Vocals), Steve Karrer (Schlagzeug), Patrick Hersche (Bass) und Bandmitgründer Remo «Brögi» Broggi der überraschende sechste Streich – und der hat es in sich. Seit heute ist das aktuelle Werk «Fracmont» mit zehn neuen Stücken auf dem Markt. Der Titel stellt den Bezug zum alten Namen des Pilatus beziehungsweise die Fräkmünt her.

Die vier Zuger von Messiah überzeugen mit der neuen Platte auf ganzer Linie.

Die vier Zuger von Messiah überzeugen mit der neuen Platte auf ganzer Linie.

Messiah hat sich in den Achtziger- und Neunzigerjahre international einen Namen gemacht mit ihrem experimentierfreudigen Extreme-Metal. Doch nach diversen Personalwechseln kam es zum Bruch und dem relativ frühen Ende. Vor einigen Jahren habe man sich wieder zusammengefunden, um etwas Spass zu haben und die Schweizer Fans zu beglücken, lässt die Band mit der Veröffentlichung von «Fracmont» verlauten. Zum Glück für alle Freunde dieses knüppelharten Musikgenres, hat es Messiah nicht dabei belassen und auch die Muse für frische Songs gefunden.

Mix aus verschiedensten Metal-Strömungen

Doch nun rein ins neue Album. Nach einem kurzen Intro mit Choreinspielungen (die Reminiszenzen ans Christlich-Religiöse lassen sich die vier Musiker auch im gestandenen Metaller-Alter nicht nehmen) folgt das epische Stück, das der Platte den Namen gab. In diesen 9 Minuten und 39 Sekunden zeigt die Band, wie unterm Brennglas vieles von dem, was sie einst ausgemacht hat und was sie nun so viele Jahre später im Stande war, noch weiterzuentwickeln.

Es ist ein mächtiges Konvolut aus verschiedensten Strömungen, welches uns von der ersten Sekunde an mitreisst: von typischen Death- und Thrash-Elementen über Speed bis experimentellen Fragmenten und sogar einer Prise klassischem Heavy Metal. Untermalt wird das von den zahlreichen Tempiwechseln.

Kanalisierte Kraft

Die Kunst dabei ist: Es wirkt nie fahrig, ganz im Gegenteil. Dahingehend lässt sich auch Gitarrist Brögi zitieren: «Das neue Material ist sehr heavy, aber insgesamt wesentlich strukturierter als unsere frühen Werke.» So ist es. Das ist kanalisierte Kraft hinter Riffs und Double Basses. Das Schlagzeug ist jederzeit druckvoll und doch genug dezent, die Gitarre mal schneidend, mal kantig, die Riffs zuweilen sparsam eingesetzt, nur um kurz darauf wieder alles zu durchdringen. Da hatten die alten Haudegen offensichtlich eine ganze Menge Spass zusammen und setzten sich keinerlei Grenzen.

Phasenweise ist das bester, abwechslungsreicher Death- und Extreme-Metal wie bei «Morte Al Dente», andernorts geht es stark in Richtung Speed wie bei «Singularity». Wenn es einen Formel-1-Fahrer gibt, der Metalmusik hört, er müsste auf der Start- und Zielgeraden bei 370 Sachen genau dieses Stück durch die adrenalingetränkten Hörgefässe pumpen lassen.

Messiah ist mit «Fracmont» ein verspieltes, brachiales und sehr stringentes Album geglückt, welches Metal-Traditionalisten genauso zufriedenstellt wie solche, die es gern etwas experimenteller haben. Kein Zweifel: Die Zuger Legenden geben ein eindrückliches Comeback.

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