Pascal Geiser, wie haben Sie den Auftritt an der European Blues Challenge in Horsens erlebt?
Pascal Geiser: Wenn ich auf einer Bühne stehe, spielt es keine grosse Rolle, wo ich bin. Ich versuche immer, mein Bestes zu geben und die Leute zu unterhalten. Natürlich war die Anspannung vor der Show in Horsens etwas grösser als sonst. Schliesslich spielten wir vor der versammelten europäischen Bluesfamilie, zusammen mit dem Besten, was der europäische Blues in diesem Jahr zu bieten hat. Ich habe gleich nach unserer Show sehr gute Feedbacks erhalten.

So gut wie Sie und Ihre Band war noch kein Schweizer Kandidat klassiert. Was erwarten Sie von diesem Ergebnis?
Ich hoffe, dass uns dies in der Schweizer Bluesszene besser positioniert und attraktive Auftritte an den vielen tollen Bluesfestivals in der Schweiz bringt. Vielleicht ist auch das eine oder andere grosse Festival in Europa auf uns aufmerksam geworden.

Sie spielten im Februar auch an der International Blues Challenge in Memphis. Was sind die Unterschiede zwischen dem europäischen und dem amerikanischen Blues?
Der Blues ist etwas sehr Individuelles, er ist wie das Leben. Jeder, der den Blues spielt, hat seine eigene Art, damit umzugehen, ihn zu interpretieren, da spielt die eigene Herkunft eine untergeordnete Rolle. Den Blues aber direkt an seiner Quelle in Memphis zu spielen, ist emotional eine ganz besondere Sache. Geschichte und Tradition sind greifbar. Man spürt sie. Aber der Blues hat sich auf beiden Seiten des Atlantiks weiterentwickelt. 

Was sind Ihre nächsten Ziele?
Ich will die guten Kontakte, die ich in den Staaten geknüpft habe, nutzen, um ein Album zu produzieren. Dazu will ich in der Schweiz und im nahen Ausland Konzerte spielen und möglichst viele Leute erreichen.

Kann man vom Blues in der Schweiz leben?
Je nachdem ist das sicher möglich. Es fragt sich immer, was «leben» für einen selbst bedeutet. Ich kann es zurzeit nicht.

Wie beurteilen Sie die Schweizer Bluesszene? Wie ist das Niveau?
Die Schweizer Szene ist gross und wächst weiter, das Niveau ist gut. Dies ist sicher auch ein Verdienst der Swiss Blues Society, die den Blues in freiwilliger Arbeit mit viel Herzblut und Enthusiasmus fördert. In der Schweiz gibt es eine grosse Bluesfestival-Dichte. Leider habe ich oft das Gefühl, dass sich diese Festivals lieber mit ausländischen «Highlights» schmücken, als die Schweizer Szene zu fördern. Mit der Promo Bluesnight in Basel und der Swiss Blues Challenge gibt es Plattformen, wo sich aufstrebende Bands präsentieren können. Doch ist es schade, wenn sie danach an überregionalen Festivals keine weiteren Auftrittsgelegenheiten erhalten.

Blues ist eine traditionsbewusste Musik. Wie muss aus Ihrer Sicht aktueller Blues heute klingen?
Da gehen die Meinungen weit auseinander. An beiden Wettbewerben lautete eine der zentralen Fragen: Ist das Blues oder nicht? Aus meiner Sicht sollte man die Wurzeln dieser Musik nie aus den Augen verlieren. Man muss nicht veraltet und staubig klingen, aber man soll die Helden des Blues kennen und ehren, sie da und dort gar zitieren, sei es lyrisch oder instrumental. Wir haben in Memphis und Horsens viele sehr rockige Sachen gehört, das ist nicht schlechter. Aber wenn man Rock machen will, soll man es auch Rock nennen. Natürlich ist Rock aus dem Blues entstanden, aber er hat sich zu einer eigenen Form entwickelt. Ich bin sicher kein Purist, aber man sollte klar hören und spüren, dass der Musiker dort auf der Bühne sich mit dem Blues und seiner Geschichte befasst hat.


Live: 12. Mai, Baronessa Lenzburg; 24. Juni, Jazzweekend Reinach BL; 30. Juni, Summerblues Basel; 6. Juli, Sierre Blues Festival.