Interview

Musiker Moby über sein Leben und sein neues Album: «Je mehr ich mich wie ein Popstar benahm, desto unglücklicher wurde ich»

Der 54-jährige Moby will es noch einmal wissen.

Der 54-jährige Moby will es noch einmal wissen.

Der Musiker Richard Melville Hall alias Moby erzählt aus seinem Leben, von Zukunft der Menschheit und seinem neuen Album.

Was wird das Coronavirus mit uns Menschen machen?

Moby: Es wird alles verändern. Die Art, wie wir leben. Die Art, wie wir uns mit anderen Menschen treffen und kommunizieren. Die Art, wie wir arbeiten.

War ein Ereignis dieser Art vorherzusehen?

Ich will nicht wie ein Schlaumeier klingen, aber: ja, natürlich war es das. Die Regierung Obama hatte detaillierte Pläne vorbereitet, was in so einer Pandemie zu tun ist, und extra eine Behörde für solche Fragen geschaffen. Trump hat das alles ignoriert und die Behörde wieder geschlossen. Die extremen Todeszahlen wären vermeidbar gewesen, hätten wir nur eine etwas verantwortungsvollere Regierung.

Wird Trump Corona politisch den Hals brechen?

Nicht unbedingt. Seine Wähler, also die Leute, die Fox News glotzen, sind ihm weiter treu.

Wie sehr hat sich denn Ihr eigenes Leben verändert?

Mein Leben war vorher schon schlicht und einfach. Ich lebe seit Jahren wie ein Mönch. Mein Tagesablauf hat sich deshalb nicht gross verändert.

Warum haben Sie sich für ein mönch­artiges Dasein entschieden?

Weil ich den Hedonismus ausprobiert habe und kläglich gescheitert bin. Ich war einfach nicht gut darin, die Sau rauszulassen, Designerdrogen zu nehmen oder zu versuchen, superattraktive Frauen zu überreden, Sex mit mir zu haben. Je mehr ich mich wie ein Popstar benahm, desto unglücklicher wurde ich. Ich bin einfach kein Keith Richards. Also hörte ich auf zu trinken und suche nach einer simpleren, nachhaltigeren Form von Glück.

Musiker Moby tratt auch schon am Paleo-Festival in Nyon auf.

Musiker Moby tratt auch schon am Paleo-Festival in Nyon auf.

Ihr neues Album «All Visible Objects» klingt euphorischer als die Vorherigen. Wollen Sie zur Revolution aufrufen?

Es wäre nett, wenn ich dazu beitragen könnte. Allerdings wäre es grössenwahnsinnig und anmassend, wenn ich behaupten würde, von meinen Liedern solle eine umstürzlerische Qualität ausgehen. Ich erwarte nicht, dass meine Musik irgendetwas bewirkt oder auslöst. Ich überlege auch nicht, ob sie sich verkaufen wird.

Youtube: Moby mit "All Visible Objects (official audio)

Sie wollen das Geld, dass Sie mit «All Visible Objects» verdienen, an Wohltätigkeitsorganisationen im Bereich Tier-, Menschen- und Umweltrechte spenden.

Vor allem will ich die Aufmerksamkeit auf diese Organisationen lenken.

Man muss es sich leisten können, Moby zu sein.

Ich gestehe ein, dass ich sehr privilegiert bin. Und ich bin dafür auch überaus dankbar. Ich kann es mir leisten, mir wichtige Zwecke zu unterstützen, eben auch, weil ich im Alltag nicht so viel Geld brauche. Aber ich erwarte nicht, dass sich Musiker ein Beispiel an mir nehmen.

Was glauben Sie, wo wird die Welt in fünf bis zehn Jahren stehen?

O Mann, das hört sich jetzt sehr dunkel an, und ich entschuldige mich vorab für meine Vermutungen. In ein paar Jahren werden wir es mit einem weltweiten Klimanotstand zu tun haben, gegen dessen Konsequenzen und Verwerfungen die Coronakrise, ohne dass ich sie verharmlosen möchte, regelrecht mickrig aussehen wird.

Tipp:
Moby
All Visible Objects.

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