Klassik
Venezianische Weihnachten in der Leonhardskirche

Das Barockorchester La Cetra Basel und Andrea Marcon begeistern mit einer hypothetischen Weihnachtsvesper von Monteverdi.

Anja Wernicke
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Das Basler Barockorchester La Cetra (Screenshot Homepage)

Das Basler Barockorchester La Cetra (Screenshot Homepage)

SDA

Das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach gehört für viele zu den Festtagen wie der Weihnachtsbaum. Doch dem Barockorchester La Cetra Basel und seinem Leiter Andrea Marcon wäre das zu einfach. Sie suchen nach neuen Herausforderungen im alten Repertoire. So hat Marcon eine hypothetische «Vespro di Natale» mit Werken von Claudio Monteverdi zusammengestellt. Denn eine eigentliche Weihnachtsvesper von Monteverdi ist nicht überliefert.

Das ist kein Problem für Marcon. Als Spezialist für Alte Musik kennt er die Quellen sehr genau und hat eine Vesper zusammengestellt, wie sie auch an einem Weihnachtstag im venezianischen Markusdom – an dem Monteverdi von 1613 bis 1643 wirkte – hätte erklingen können. Marcon bedient sich etwa an Stücken aus der bekannten Marienvesper und aus der Oper «Orfeo».

Dessen festliche Trompeten- und Posaunenklänge aus der Ouvertüre eröffnen das Konzert in der Leonhardskirche. Ein starker, fast dramatischer Einstieg, bei dem Chor und Orchester mit einer enormen Präsenz und sattem, vollen Klang überzeugen.

Extra Portion Selbstbewusstsein

Ob die kürzlich bekannt gewordene Grammy-Nominierung von Magdalena Kožená, Andrea Marcon und La Cetra Barockorchester Basel in der Kategorie «Best Classical Solo Vocal Album» eine extra Portion Selbstbewusstsein verleiht, bleibt Spekulation. Ebenso, ob auch die Zuhörer durch diese Neuigkeiten verstärkt angezogen werden: Die Kirche ist bis auf den letzten Platz besetzt, und einige Enthusiasten nehmen bei dem fast zweistündigen Konzert sogar Stehplätze in Kauf.

Beim Aufbau der Vesper hält sich Marcon an die Tradition: ein kurzes Orgelstück (das jeweils nicht von Monteverdi, sondern von Giovanni Gabrieli stammt), ein Psalm für Chor und Orchester und anschliessend ein rein instrumentales Werk oder ein Werk für Instrumente und Solostimme. So entsteht eine straffe, wiederkehrende Struktur, die durch verschiedene Aufstellungen der Musiker aufgebrochen und aufgelockert wird. Mal spielen die Posaunen von der Empore, mal werden die Sänger neu gruppiert.

Ebenso ein guter Schachzug ist, dass die solistischen Partien nicht von externen Sängern übernommen werden. Es sind die Mitglieder des insgesamt 16-köpfigen La Cetra Vokalensembles Basel selbst, die die Solo-Partien übernehmen. Besonders die Sopranistin Alice Borciani überzeugt hier mit ihrer Fähigkeit zu sehr feingliedrigen Koloraturen. Aber auch die anderen Solistinnen und Solisten glänzen in ihren Partien. Besonders die Passagen für kleine Ensembles, etwa für drei Bässe oder für zwei Soprane und ein Alt, gelingen in herrlichem Einklang wie aus einer Kehle.

Anders als bei Bachs Weihnachtsoratorium erzählt Marcons Vespro di Natale nach Monteverdi die Weihnachtsgeschichte nicht stringent. Vor dem Höhepunkt, dem Magnificat, steht aber doch mit «Hodie Christus natus est» die Geburt Jesu im Zentrum. Die Charaktere der einzelnen Stücke sind von Marcon, der mit Impetus, aber niemals übertrieben dirigiert, kontrastvoll und mitreissend herausgearbeitet.

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