Pop
So klingt «25»: Adele ist erwachsen geworden, aber nicht besser

Mit ihrem neuen Album versucht Adele, an den Vorgänger «21» anzuknüpfen. Stellenweise gelingt es. «25» weist aber qualitativ ein grosses Gefälle auf.

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Adele vermag mit "25" die Erwartungen nicht vollständig zu erfüllen.

Adele vermag mit "25" die Erwartungen nicht vollständig zu erfüllen.

/AP Invision/CHRIS PIZZELLO

In den Songs von Adele ging es bisher um Trennungen und gescheiterte Beziehungen. Es waren Lieder, gesungen aus voller Verzweiflung. Jetzt ist alles anders. «Ich habe ein wunderbares Kind, einen tollen Freund. Mein Leben ist super», sagt Adele. Sie lebt als Mutter ein neues Leben. Die elf neuen Songs auf «25» beschreiben ihre neue Lebenssituation und vor allem das älter und erwachsen werden des Stars. «Das Leben war eine Party, aber das war vor Millionen Jahren,» singt sie zu sparsamer Begleitung auf der akustischen Gitarre in «Million Years ago», einem der schönsten Lieder auf «25». Noch in zwei anderen Song beschreibt sie den Verlust der unbeschwerten Jugend. Sonst beherrschen Liebessongs das neue Album. Es geht um Sehnsucht und Begehren, Zuneigung und Hingabe, um Beziehungsprobleme und verblassende Liebe. Themen, die eine 25-jährige Mutter halt so beschäftigen. Adele ist erwachsen geworden und arrangiert sich mit dem Leben.

Und musikalisch? «Hello» ist eine Pop-Perle, «When We Were Young» ein gospelartige Ballade mit einem fantastischen Spannungsbogen und einer fantastischen Steigerung. Zum Weinen schön. «Million Years Ago» lebt von seiner hübschen und charmant-kindlichen Melodielinie. Sowieso, die Balladen sind ein sicherer Wert. Dort, wo die grosse Stimme von Adele unverfälscht zur Geltung kommt. Am wirkungsvollsten in sparsam instrumentierten Songs wie in «Remedy», wo sie nur vom Piano begleitet wird. Doch schon «Love In The Dark» und «All I Ask» wären Allerweltsballaden, wenn da nicht diese Sängerin wäre, die die Songs in eine andere Sphäre transportiert.

«Send My Love» ist ein für Adele überraschend fröhliches, lüpfiges Stück. «I Miss You» will aber einfach nicht in die Gänge kommen. Andere wie «Water Under The Bridge» oder «River Lea» sind eher durchschnittliche Songs ohne wirklich zündende Idee.

So hinterlässt «25» einen durchzogenen Eindruck. Das qualitative Gefälle ist gross und fast scheint es, als habe die Plattenfirma mit den vorab veröffentlichten Songs «Hello» und «When We Were Young» das Pulver etwas verschossen. Waren die Erwartungen zu gross? An das Vorgängeralbum «21», das kaum eine Schwachstelle aufwies, kommt «25» jedenfalls nicht heran. (sk)

Adele: 25, XL/Musikvertrieb. Erscheint am 20. November.