Musik

Schweizer Sopranstar Regula Mühlemann probt mit dem Ensemble Chaarts den Elfenflug

Auch Feenflügel müssen erarbeitet werden: Regula Mühlemann und Felix Froschhammer.

Auch Feenflügel müssen erarbeitet werden: Regula Mühlemann und Felix Froschhammer.

Wir waren dabei, als das neue Konzert-Programm «Feenlieder» entstand.

Normalerweise tanzen Elfen ihre Reigen nicht im Licht von Neonröhren und auf weiss gefliesten Böden. Aber wo Regula Mühlemann ist, da ist der Normalfall ohnehin meist weit weg. Die 34-jährige Sopranistin aus dem luzernischen Adligenswil hat mit gerade mal 26 Jahren an den Salzburger Festspielen debütiert, 2016 mit ihrem ersten Solo-Album «Mozart Arias» den Preis der Schallplattenkritik gewonnen und 2018 den Opus Klassik als Nachwuchskünstlerin des Jahres.

Und nun ist sie eben im Reich der Feen unterwegs, gemeinsam mit den Aargauer Chamber Artists Chaarts. Vorerst tanzen die Feen und Märchenwesen noch im grossen Saal eines Zürcher Altersheims, wo geprobt wird – daher die Fliesen und das Neonlicht. Doch schon am Freitagabend gehen sie auf Tour durch die Schweiz, beginnend mit Zürich, danach Boswil, Liestal im Baselland sowie mit Abstechern ins grenznahe Deutschland und Liechtenstein.

Der Trollkönig kriegt Nachhilfe in Sachen Eleganz

«Das Programm passt zu dieser kalten Jahreszeit, weil wir mit Edvard Griegs Peer Gynt-Suiten viel im Norden unterwegs sind», nimmt sich Regula Mühlemann in der kurzen Pause Zeit, das Programm näher zu erklären.

Und wenn der Trollkönig später in der Probe mit Trillern sowie bedrohlichen Schlägen näher und näher kommt, bis sein Opfer Peer Gynt in grösster Gefahr ist, dann tut er das bei Chaarts etwas leichtfüssiger als sonst. Das hat einerseits mit dem technischen Können der Musiker zu tun. Andererseits aber auch mit Wolfgang Renz, der die Suite eigens für dieses Programm von Chaarts adaptiert hat.

Das heisst: Jede Stimme ist einmal besetzt, die Instrumentalisten spielen kammermusikalisch und solistisch gleichzeitig.

Eine Schar basisdemokratischer Elfen

«Auf diese Art Musik zu machen, ist ein einzigartiges Gefühl», findet Regula Mühlemann. «Statt, dass ein Dirigent vieles im Vornherein bestimmt, übernehmen wir alle gemeinsam die Verantwortung.» Bei Chaarts fliegen die Feen also basisdemokratisch durch die Luft. Das findet auch Mühlemann: «Ich kann mich viel mehr einbringen. Es ist fast, als würde man mit einer Band proben.»

Tatsächlich: Gerade als Pamina in ihrer Arie «Ach, ich fühl’ es» ihren abgrundtiefen Liebesschmerz besingt, unterbricht Regula Mühlemann in schönstem Neudeutsch: «Diese Stelle ist total tricky», ruft sie den Musikern zu: «Da komme ich so offbeatmässig rein.» Sofort entzündet sich eine rege Diskussion darüber, wer für den Impuls zum ersten Schlag verantwortlich sei. Erwartungsvoll schauen zehn Augenpaare zum Kontrabassisten. Doch der zuckt nur die Schultern und witzelt: «Ich habe hier Pause. Deswegen ist es für euch ja so schwierig, das zusammen zu kriegen.»

So locker der Tonfall bei der Probe ist, so luftig leicht ist oft auch die Musik – unter anderem mit Jacques Offenbachs «Les oiseaux dans la charmille» oder mit Charles Gounods «Je veux vivre dans le rêve». Manchmal sind die Stücke aber auch märchenhaft-mysteriös, etwa wenn Musiker und Sängerin Mozarts Zauberflöte anstimmen oder eben: bei Griegs beiden Suiten zu Peer Gynt.

Wunderbar hell, zart und verletzlich wirkt da das Lied von Solveig aus dem Mund von Regula Mühlemann. «Die Idee mit den Feenliedern entstand auch wegen meiner Stimmfarbe. Sie ist hell und passt gut ins Koloraturfach», erzählt sie. «Dennoch habe ich bisher wenig Feen und Elfen gesungen. Das hat uns gereizt.» Und ihre Version der Solveig klingt tatsächlich auf Anhieb vertraut. Vielleicht auch, weil die gesungenen, norwegischen Worte ein wenig an Schweizerdeutsch erinnern?

«Wir haben sogar ein, zwei Arien ins Programm geschmuggelt, die streng genommen nicht viel mit Elfen zu tun haben», verrät die Sopranistin. Eine solche Arie ist die von Olympia aus Hoffmanns Erzählungen. Die wunderhübsche, junge Frau, in die sich der Protagonist verliebt, entpuppt sich zum Schluss als aufziehbarer Automat.

«Regula, wir ziehen dich auf wie einen Automaten!»

Und Chaarts wären nicht Chaarts, wenn ihnen dazu nicht etwas Aussergewöhnliches einfallen würde: «Unser Hornist kann fürs Konzert einen grossen Spielzeugschlüssel von seiner Tochter mitbringen», erklärt Chaarts-Intendant Andreas Fleck: «Regula, wir können dich also auf der Bühne wie eine Puppe aufziehen – eine passende Ratsche haben wir auch fürs Geräusch.» «Das muss aber super gespielt sein», antwortet Mühlemann lachend. Und: «Ich überlege mir, ob wir das machen - und gebe euch Bescheid.»

Feenlieder on Tour: Das von Regula Mühlemann und Chaarts gemeinsam gestaltete Programm «Feenlieder» ist an folgenden Orten zu hören: Freitag, 10. Januar. 19.30 Uhr. Kirche St. Peter Zürich. Sonntag, 12. Januar. Alte Kirche Boswil (ausverkauft). Dienstag, 14. Januar. Liestal Stadtkirche. Mittwoch, 15. Januar. Liechtenstein – Theater. Donnerstag, 16. Januar. Müllheim, Martinskirche. Donnerstag, 30. Januar. Olten, Stadttheater. Siehe auch: www.chaarts.ch sowie www.regulamuehlemann.com

Autorin

Anna Kardos

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