Chanson
Sängerin Zaz: «Ich fühlte mich wie ein Kind»

Die französische Sängerin Zaz über ihr neues Album «Paris» und die Zusammenarbeit mit Quincy Jones.

Renzo Wellinger
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Eine Hommage an Paris: Zaz kombiniert auf ihrem neuen Album Jazz mit französischen Chansons. Fotos: Yann Orhan

Eine Hommage an Paris: Zaz kombiniert auf ihrem neuen Album Jazz mit französischen Chansons. Fotos: Yann Orhan

Mit ihren mitreissenden Songs und ihrer quirligen, nonchalant-charmanten Art hat Zaz längst nicht nur der «Grande Nation» den Kopf verdreht. Am 7. November erscheint mit «Paris» das dritte Album der Sängerin. Es ist eine Hommage an die französische Metropole mit ausgewählten Chanson-Klassikern, die Zaz neu interpretierte. Im Exklusiv-Interview spricht sie über die Aufnahmen mit Produzenten-Legende Quincy Jones und ihre Verbindung zur Schweiz.

Für die Album-Aufnahmen haben Sie erstmals mit einer Big Band gearbeitet. War es schwierig, mit so vielen Musikern im Studio?

Zaz: Das war eine aussergewöhnliche Erfahrung. Ich habe immer davon geträumt, mit einer Big Band zu spielen und fand es genial. Es entsteht eine überwältigende Energie, die einen regelrecht trägt. Ich liebe alte französische Chansons genauso wie Jazz. Und die Mischung aus diesen beiden Stilen finde ich sehr spannend! Insbesondere die Idee, Jazz und populäre Musik zu verbinden, ist einzigartig. Das ist Quincy Jones gelungen.

Apropos: Wieso wollten Sie für dieses Album mit Quincy Jones zusammenarbeiten? Er ist eine Legende, aber nicht unbedingt für seine Chansons bekannt.

Nein, aber ich wollte Jazz mit französischen Chansons kombinieren. Und Quincy Jones weiss genau, wie man populären, leicht verständlichen Jazz macht. Wenn man sich ein Album wie Michael Jacksons «Thriller» anhört, trägt das die Handschrift von Quincy Jones.

Wie war es, mit ihm zusammenzuarbeiten? Waren Sie nervös?

Ich habe mich davor wie ein Kind gefühlt. (lacht) Ich konnte die Nacht vor den ersten Aufnahmen nicht schlafen und hatte deshalb den ganzen Tag das Gefühl, zu träumen. Die Arbeit mit ihm war so einfach, so natürlich, als wenn wir uns schon ganz lange kennen würden. Wir haben uns gefoppt und hatten viel Spass zusammen. Es war sehr unkompliziert. Wir sind beide sehr musikenthusiastisch und diese Leidenschaft verbindet.

Chansons über die Stadt der Liebe

Für ihr drittes Studioalbum «Paris» interpretierte Zaz zwölf Songs über die «Stadt der Liebe» in frischen, auch für Pop-Fans zugänglichen Jazz-Versionen. Darunter finden sich etwa «Paris sera toujours Paris», «J’aime Paris au mois de Mai» oder auch Les Champs Elysées». Getragen werden die Arrangements von der leicht heiseren, kräftigen Stimme von Zaz. Viele der Chansons sind bereits mehrere Jahrzehnte alt, funktionieren aber auch in der Jetztzeit. Produziert wurde das Album von Musik-Legende Quincy Jones und John Clayton, der zuvor mit Grössen wie Diana Krall und dem Count Basie Orchestra gearbeitet hat.

Zaz Paris, Parlophone/Warner. Erscheint am 7. November.

Es gibt sehr viele Songs über Paris. Was macht die französische Hauptstadt für Menschen auf der ganzen Welt so faszinierend?

Paris ist eine Stadt, in der alles möglich ist. Es sind die Romantik, die Architektur und die kulturelle Mischung, die die Leute fasziniert.

Sie leben seit acht Jahren dort. Haben Sie sich sofort in die Stadt verliebt?

Ich bin ein sinnlicher Mensch, der sehr stark auf seine Gefühle achtet. Als ich nach Paris gekommen bin, hat die Stadt vor Energie nur so gekocht. Das entsprach mir genau. Ich musste einfach dorthin ziehen.

Für Ihr Album «Paris» haben Sie verschiedene Chanson-Klassiker neu eingesungen. Angesichts der enormen Anzahl, nach welchen Kriterien haben Sie die Lieder ausgesucht?

Wir haben diejenigen Songs ausgewählt, die mir vom Text und von der Melodie her am besten gefallen haben. Dann haben wir während einer Woche mit ein paar Musikern verschiedene Stile ausprobiert – von Jazz bis Tom Waits. Dabei haben wir uns komplette musikalische Freiheit gelassen.

Haben Sie sich die Originale jeweils angehört?

Nur vereinzelt, denn ich wollte mich nicht zu stark beeinflussen lassen. Aber ich hatte natürlich jeweils die Melodien im Kopf, um die Lieder nicht komplett anders wiederzugeben. Es gab nur einen Song, «La Parisienne», bei dem ich die Original-Version von Marie-Paule Belle aus dem Jahr 1976 perfekt fand. Da habe ich mir gedacht: «Mist, wie kann ich diesen Titel überhaupt noch besser machen?» Ich habe es dann zuerst genauso gemacht wie sie. Aber das hat nicht funktioniert, das war nicht ich. Am Ende habe ich meinen eigenen Weg gefunden. Das Lied ist übrigens total aktuell.

Inwiefern?

Es handelt vom Druck, sich anpassen und bestimmte soziale Formen wahren zu müssen. Es gibt viele Doppeldeutigkeiten, mit denen Marie-Paule Belle damalige Normen durchbrechen wollte. Sie ist homosexuell und war ihrer Zeit weit voraus, fiel komplett aus dem Rahmen. In Paris konnte sie sich dann endlich ausleben.

Erinnert Sie das an Ihre eigene Geschichte? Sie zogen von Bordeaux nach Paris. Hatten Sie ebenfalls das Gefühl, sich in der Grossstadt verwirklichen zu können?

Nein. (lacht) Ich habe mich nie gesellschaftlich besonders integriert gefühlt, weder in Bordeaux noch in Paris. Mir ist es wichtig, neue Dinge auszuprobieren, zu experimentieren und immer dazuzulernen. Sobald ich mich langweile, haue ich ab – auch wenn ich Geld verdiene.

Mit «Dans mon Paris» findet sich eine Eigenkomposition auf dem Album. Der Song fällt zwischen den anderen nicht auf, er klingt vertraut. Was hat Sie dazu inspiriert?

Wenn man von Paris spricht, werden oft nur Klischees bedient – der Eiffelturm, der ganze Luxus. Mein persönliches Paris ist jedoch ganz anders. Mir sind Orte wichtig, die einfach sind. Die Stadt ist ein kultureller Schmelztiegel, in dem Menschen aus unterschiedlichen Ländern zusammenkommen. Diese Facette liegt mir sehr am Herzen.

Welche Leidenschaften haben Sie neben der Musik?

Ich liebe die Berge und Sport. Etwas ganz Besonderes war 2012 unser Akustik-Set auf dem Gipfel des Mont Blanc. Wir haben das damals zusammen mit dem Schweizer Profi-Alpinisten Dani Arnold gemacht. Ich stehe immer noch in Kontakt mit ihm, er kommt zu meinen Konzerten. Man kann einfach nicht zusammen den Mont Blanc besteigen und wieder herunterkommen, ohne eine Form von Beziehung aufzubauen.

Die Schweiz ist bekannt für ihre Alpen. Haben Sie besondere Erinnerungen an die Schweiz?

Ich bin total in die Natur verliebt und in der Schweiz gibt es unglaublich schöne Orte. Es ist sehr ruhig und friedlich. Und die Leute bei den Konzerten waren immer so enthusiastisch und glücklich. Beim «Paléo Festival» zum Beispiel ist es immer wunderbar. Die Techniker machen Fotos mit dir, bevor du auf die Bühne gehst, alles ist super organisiert, die Stimmung ist toll. Das Festival hat eine Seele. Ich habe in der Schweiz immer eine wunderbare Zeit gehabt. Ich überlege, mir vielleicht mal eine Schweizer Bank zu suchen (lacht). Nein, ich mache nur Spass. Ich liebe die Schweiz.

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