Joe Cocker
«Prinz Charles schaute mir in die Augen»

Er ist eine Woodstock-Legende und schlagfertig dazu: Joe Cocker. Mit seiner Single «Hard Knocks» zeigt er, dass mit ihm musikalisch immer noch zu rechnen ist. Der Altrocker über die CD «Hard Knocks» und Abstürze mit Alkohol und Tee mit Prinz Charles.

Reinhold Hönle
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«Hard Knocks» ist eine Ihrer stärksten Singles seit Jahren. Wie kamen Sie auf den Song?

Joe Cocker: Als ich das Demo hörte, gefiel er mir so gut, dass ich den Musiker, der ihn geschrieben hat, in New Orleans besuchte. Als ich kam, stand er vor dem Haus und putzte Langusten. Das passte zu dem Bild, welche die Zeile «Got my education on the street» in mir heraufbeschwor. Ich fragte ihn, ob er das Thema noch etwas variieren könnte, damit der Text zu mir passt.

An welche «harten Schläge» denken Sie?

Cocker: Ich bin jetzt 66 Jahre alt und habe schon mehrere Abstürze erlebt, nach denen ich mich immer wieder aufrappeln musste. Nachdem ich 1974 mit der Single «You Are So Beautiful» einen Hit hatte und die folgende Platte eines plötzlichen Todes starb, war ich so deprimiert, dass ich dem Alkohol verfiel. Als ich auch noch Schadenfreude spürte, brauchte ich enorm viel Kraft, um wieder Boden unter die Füsse zu bekommen ...

..und Ihre heutige Frau Pam?

Cocker: Ja, sie hat mich gerettet! (lacht) Wir sind mittlerweile 23 Jahre verheiratet. Seither begleitet sie mich auf meinen Reisen. Erst kürzlich unterhielten wir uns über diese schwere Zeit. Grosser Gott, wie lang ist es her!

Nun könnten Sie sich eigentlich zur Ruhe setzen...

Cocker: .. und den Freifahrtschein für den Bus beantragen, falls ich zurück nach England ziehen würde! (lacht)

Da gehen Sie wohl lieber noch ein paarmal auf Tournee...

Cocker: Schwierig ist nur, immer wieder neue Platten zu machen. Aber du kommst nicht darum herum, wenn du nicht in die Retro-Schublade gesteckt werden willst.

Sie haben nach 25 Alben wenigstens den Order Of The British Empire bekommen – ein Trost?

Cocker: Mein Bruder, der eine viel bessere Schulbildung als ich genossen hat, hat die höhere Auszeichnung als Commander Of The British Empire bereits vor fünf Jahren erhalten. Ich dachte allerdings, dass ich gar nicht wählbar wäre, weil ich in den USA lebe. Mein Manager Roger Davis fragte mich, ob ich ihn unter diesen Umständen überhaupt annehmen wolle.

Und?

Cocker: Selbstverständlich wollte ich, allein schon, weil ich mir die verdutzten Gesichter der alten Kumpel vorstellte, die in den Pubs von Sheffield vor ihren gut gefüllten Pints sitzen und die Ordensverleihung im Fernsehen mitbekommen würden. Ich bin sicher: Bei der Nennung meines Namens ist ein ungläubiges Raunen durch die Runde gegangen und manch einer wird sich verschluckt haben. (lacht)

Wie hat Ihnen denn die Tasse Tee mit der Queen gemundet?

Cocker: Die Königin war wohl unpässlich. Prince Charles hat sie jedenfalls vertreten. Es war eine seltsame Veranstaltung. Ich wurde in den Buckingham Palace eingeladen, stand zuerst alleine in einer Ecke und niemand redete mit mir. Als ich aufgerufen wurde, musste ich vor den Prinzen treten, der auf einem Podest stand, da er nicht sehr gross ist. Von dort schaute er mir tief in die Augen und fragte mir gepresster Stimme: «Wie lange wollen Sie das noch machen?» Ich hätte antworten sollen: «Das wollte ich Sie auch fragen!» (lacht)

Joe Cocker: Hard Knocks (Sony Music). Live: 22.10. Zürich Hallenstadion, 3.11. Genf Arena.

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