Philipp Fankhauser

Philipp Fankhauser: «Meine Konzerte waren voll und sind jetzt voller»

Der Schweizer Bluesmusiker Philipp Fankhauser gibt am Bluesfestival Baden ein spezielles Jubiläumskonzert mit den Gästen Marc Sway sowie Lilly Martin und Iris Moné von «The Voice Of Switzerland»

Sie feiern das 25-Jahr-Bühnenjubiläum, stehen aber schon länger auf der Bühne. Worauf bezieht sich dieses Jubiläum genau?
Philipp Fankhauser:
Das ist etwas kompliziert, denn eigentlich sind wir mit dem Bühnenjubiläum zu spät. Ich stehe seit 30 Jahren auf der Bühne und wir sind schon im 27. Bandjahr. Aber auf dem Plakat würde das doof aussehen und ist ja eigentlich egal. Wir wollen jetzt einfach das 25-Jahr-Bühnenjubiläum feiern.

Erinnern Sie sich an Ihr erstes Solo-Konzert und Ihr erstes Band-Konzert?
Mein erstes angekündigtes Solo-Konzert muss im Sommer 1984 im Kursaal Thun gewesen sein, in der Umbaupause zwischen zwei anderen Bands. An das erste Konzert mit der Checkerboard Blues Band erinnere ich mich genauer. Ein Freund von mir, der das Stadtfest Thun veranstaltete, hatte mich zuvor schon solo gehört. Er versprach mir einen Auftritt am Stadtfest, wenn ich eine Band zusammenstellen würde. Das war der Anstoss, und in der Silvesternacht 1986 beschlossen wir fünf Musiker, die Checkerboard Blues Band zu gründen. Von dieser Band ist heute aber niemand mehr dabei.

Die Checkerboard Blues Band wurde durch die Zusammenarbeit mit der US-Sängerin Margie Evans bekannt. Kommt sie nach Baden?
Nein, diesmal nicht. Sie war vor drei Jahren am Bluesfest Baden dabei. Diesmal habe ich vier andere Gäste.

Verraten Sie sie uns?
Ja, gern. Es ist Lilly Martin, Vocal- Coach von «The Voice Of Switzerland», dazu meine Finalistin Iris Moné sowie Marc Sway. Der vierte Gast soll eine Überraschung bleiben.

Geben Sie uns einen Hinweis?
Er ist aus Baden.

Wir feiern dann auch den 10. Geburtstag des Blues Festivals Baden.
Deshalb soll es ein spezieller Abend werden. Ein Rückblick auf meine 25 Jahre, zum Teil mit Songs, die wir lange nicht mehr gespielt haben. Das erste Set spielen wir unplugged mit akustischen Gitarren und Kontrabass. Dazu begrüsse ich auch die Gäste. Das zweite Set ist dann elektrisch, mit all den Gästen im grossen Finale.

Beim Auftritt an den Swiss Music Awards mit Marc Sway hat man Ihre akustische Gitarre nicht gehört. Man hat richtig gesehen, wie Sie sich geärgert haben. Was war los?
Ich habe gekocht. Seit 38 Jahren träume ich von einer akustischen Gibson G 200. Wir haben alles unternommen, damit ich diese brandneue Gitarre am Fernsehen spielen kann. Wir haben alles vorgängig kontrolliert. Alles hat funktioniert. Doch dann hatte ich keine Sekunde Ton. Sehr peinlich, wenn die Technik an einem solchen Anlass nicht imstande ist, die Gitarren zum Klingen zu bringen. In Baden werden wir das sicher anders machen.

Welche Beziehung haben Sie zu Baden?
Vor über zwanzig Jahren haben wir an der Badenfahrt zum ersten Mal gespielt und wurden von der Lokalpresse bös verrissen. Heute habe ich eine ganz enge Beziehung zur Stadt: Keyboarder Hendrix Ackle ist Badener. Aber auch Nörbs, unser Bandroadie. Er ist das Herz und die Seele der Band. Ohne ihn ginge nichts. Dazu geniesst Bassist Angus Young in der Altstadt von Baden Gastrecht, wenn er in der Schweiz ist. Schlagzeuger Tosho Yakkatokuo ist hier bekannt für sein Sushi im Restaurant Rebstock. Dazu proben wir im Oederlin-Areal jeweils für die Tour. Und ich selbst mag Baden sehr.

Für Hendrix ist es ein Heimspiel. Kriegt er eine Sonder-Einlage?
Sowieso. Er kriegt eine Carte blanche.

Haben Sie kein Problem, wenn er Ihnen die Show stiehlt?
Überhaupt nicht, so soll es sein. Ich habe keinen Hendrix-Komplex, bin ein Fan und stolz darauf, dass er mich seit 8 Jahren so gut klingen lässt.

Sie waren Coach bei «The Voice Of Switzerland». Spüren Sie den erhöhten Bekanntheitsgrad?
Extrem. Man hat mir mit der Teilnahme aber auch Kalkül vorgeworfen. Dabei hatte ich Bedenken. Ich hatte Angst, dass mein Status als ernst zu nehmender Künstler Schaden nehmen könnte. Diese Befürchtungen haben sich zum Glück nicht bewahrheitet. Ich habe profitiert und bin offenbar einigermassen sympathisch rübergekommen.

Wie sieht es bei Konzerten aus?
Meine Konzerte sind seit Jahren voll, jetzt sind sie noch voller. Was mich besonders freut: Eine Generation von Jugendlichen und Kindern hat mich kennen gelernt. Gerade vorhin sind drei Mädchen im Alter von ungefähr 10 Jahren bei mir in Bern vorbeigekommen und haben nach einem Autogramm gefragt. Bei «The Voice» waren offenbar 40 Prozent der Zuschauer zwischen 14 und 25 Jahre alt. Die kannten mich bisher kaum. Wenn ich nur einige für meine Musik gewinnen konnte, dann ist das wie eine Kapitalanlage. Vielleicht profitiert ja auch der Blues davon, wenn Junge Blues hören.

Sind Sie bei der nächsten Staffel, wenn es eine gibt, wieder dabei?
Ich habe gehört, dass es eine zweite Staffel geben soll. Und dass die Chancen gut stehen, dass auch ich wieder dabei bin. Eine Zusage gibt’s aber nicht.

Das Niveau war enorm. Kann man es bei der zweiten Staffel halten?
Ich glaube sogar, dass es noch höher sein wird. Denn die ganz guten Sänger haben bisher noch abgewartet. Sie haben jetzt gesehen, wie toll die Sendung ist, und wollen jetzt auch ihr Können demonstrieren.

Sie sind Stammgast auf der Schweizer Rock & Blues Cruise: Was macht den Reiz aus?
Ich war jetzt jedes Mal dabei. Es ist eine wunderbare Reise auf dem Mittelmeer. Ein Erlebnis. Diesmal bin ich umso gespannter, weil wir auf einem neuen, grösseren Schiff sind.

Wie geht’s weiter mit Fankhauser?
Zum ersten Mal seit zehn Jahren machen wir eine längere Pause von August bis November. Zwei Monate bin ich in den USA, pflege Kontakte und lasse mich zu neuer Musik inspirieren. Im Herbst 2014 wird wahrscheinlich ein neues Album möglich sein.

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