Pop

Klaus Johann Grobe: «Das kriegen wir hin»

Das Duo Klaus Johann Grobe hat mit seiner dritten Platte einen unwiderstehlichen Pop-Entwurf auf die Tanzflächen genagelt. Er trägt die Basel/Zürich-Connection weit über die Schweiz hinaus. Lockt allerdings auch Diebe an...

«Symmetrie ist Kunst für Doofe», wurde mir einmal zugerufen, als ich bei einer Fotoausstellung zu lange auf das Bild einer perfekt symmetrischen Rolltreppenansicht geschaut hatte. Ich fand diese Intervention zwar unhöflich, den Satz allerdings gut. Rechts spiegelt links und umgekehrt, alles immer über die Mittelachse, Symmetrie eben, es gibt keine Fragen bloss Wirkung. Bisschen wenig für reizvolle Kunst.

Insofern klingt der Titel der dritten Platte von Klaus Johann Grobe auf mich gar nicht wie ein Kompliment. Er lautet: «Du bist so symmetrisch». Klar, der Slogan ist jetzt kein: «Deine Mutter ist ein Hundesohn!», aber spricht es wirklich für ein interessantes Album?

Bevor diese Antwort gegeben wird, zuerst mal ein Blick auf den Künstler. Der ist in diesem Falle eine ganze Band: Klaus Johann Grobe stellt keine reale Person dar, sondern ist das Hirngespinst zweier Schweizer Musiker. Sevi Landolt und Daniel Bachmann, eine hochverdichtete Zwei-Mann-Pop-Armee, die zwischen Basel (Landolt) und Zürich (Bachmann) hin und her flimmert.

Ihren Sound ohne Neologismen zu benennen ist kein leichtes Unterfangen: Wem Post-Hipster-Dancefloor zu ausgedacht klingt, der muss damit vorliebnehmen, dass Klaus Johann Grobe eben Pop machen. Zeitgenössischen Pop, der den aktuellen Zeitgeist channelt und der sich in Kapitalen und mit Rufzeichen schreibt: P!O!P!

Ein Leuchtturm in dieser Ära

Die beiden Multi-Instrumentalisten skelettieren hypnotischen Electro-Pop, nur um ihn dann wieder ganz neu zusammenzusetzen. Alle drei Platten erscheinen dabei auf einem amerikanischen Label, Trouble In Mind aus Chicago.

Die jüngste davon kokettiert jetzt also mit Symmetrie. Doch schaut man genauer auf das Cover-Artwork, entdeckt man, dass jene bereits dort in Auflösung befindlich ist. Bröckelnde Symmetrie. Darin steckt eine Analogie zur Musik: Denn auch die spielt mit einer glatten, sich spiegelnden Oberfläche. Aufs erste Hören meint man, in dieser zuckrigen Pop-Perfektion wäre alles an seinem ausrechenbaren Platz.

Doch Klaus Johann Grobe haben Unmengen an Entdeckenswertem hinter den Spiegel gesteckt – und so dehnen sich die Songs beim Hören immer weiter aus. Das Ergebnis ist eine Platte, in der man sich verlieren kann. Dass tanzbarer Pop so tief sein kann – an manchen Stellen gruselt das richtiggehend. Wie wenn man beim Baden weit rausgeschwommen ist und plötzlich merkt, wie weit das Ufer schon entfernt ist.

Das Stück «Discogedanken» als Beispiel. Hey, wie viel Zeit sich das erst mal lässt! Der Gesang setzt ein bei Minute 2:50. Da bereiten andere Songs schon das Ende vor – hier dagegen geht es erst richtig los.

Überhaupt: Gedanken beim Tanzen: Was für eine genial beiläufige Antithese zur gängigen Meinung, Tanzmusik liesse den Tänzer endlich nur zum blossen Körper werden, Kopf aus. Bei Klaus Johann Grobe dagegen ist die Stimulation des Kopfes zusätzlicher Impuls.
Der ganzheitliche Pop-Entwurf, der daraus folgt, lässt dieses Album zu einem echten Leuchtturm der Zehner-Pop-Ära werden.

Die Sache mit dem Diebstahl

Doch auch die beiden Brains von Klaus Johann Grobe leben nicht abgekoppelt von der profanen Welt. So wurde ihnen letztes Jahr auf der Tour in Amsterdam ihr Bandbus aufgebrochen. Instrumente, Platten und Merchandising – alles weg.

Über ihren Hilferuf im Netz erhielt die Band darauf zum Glück viel Unterstützung. Wir wollten nun von Sevi Landolt ein paar Monate nach dem Diebstahl wissen, wie die Sache letztlich ausging.

Hattet ihr nach dem Einbruch gleich gewusst, es wird weitergehen mit der Tour - oder dachtet ihr zuerst «Das wars jetzt?»
Sevi Landolt: Irgendwie war Aufhören gar kein Thema. Wir haben von Anfang an gedacht, das kriegen wir hin.

Wie habt ihr diesen Aufmerksamkeits-Boost für eure Band erlebt, euer Hilferuf wurde ja über 1000 Mal geteilt?
Der ist schwierig einzuschätzen... Wir haben aber versucht, möglichst wenig Profit aus dem Ganzen zu schlagen und uns darum einfach auch nicht genauer damit auseinandergesetzt.

Inwieweit hat die grosse Solidarität über den Verlust hinwegtrösten können?
Sehr! Sie hat zwar den ganzen Ärger nicht genommen aber doch ein ganzes Weilchen überdeckt. Das war ein sehr schönes Gefühl und wir waren auch ein bisschen überfordert damit, da uns ja, gemessen an anderem Unglück, gar nichts Schlimmes passiert war.

Klaus Johann Grobe: Samstag, 26. Januar, 21 Uhr, Kaserne Basel.

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