Musik
Jazzlegende Hugh Masekela hat den letzten Kampf verloren – ein Nachruf

Die Apartheid trieb ihn ins Exil. Erst nach 30 Jahren konnte Hugh Masekela nach Südafrika zurückkehren. Nun ist der legendäre Jazzmusiker, Vater des südafrikanischen Jazz und Weltmusik-Pionier 78-jährig gestorben.

Stefan Künzli
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Der südafrikanische Jazz-Musiker Hugh Masekela, Schöpfer des Erfolgsmusicals "Sarafina", ist gestorben. (Archivbild)

Der südafrikanische Jazz-Musiker Hugh Masekela, Schöpfer des Erfolgsmusicals "Sarafina", ist gestorben. (Archivbild)

Keystone/AP/JEFF CHRISTENSEN

Eigentlich eigenartig: Südafrika ist das einzige afrikanische Land mit einer grossen und bedeutenden Jazzszene. Und Hugh Masekela war als Trompeter eine zentrale Figur, ja ein Pionier. Schon Ende der 50er-Jahre, noch in Südafrika, versuchte er bei den Jazz Epistels mit Kippie Moeketsi, Dollar Brand und Makaya Ntshoko eine südafrikanische Annäherung an den amerikanischen Hard-Bop.

Nach dem Massaker im Township Sharpeville 1960 floh Masekela ins Exil und studierte in New York. Mitte der 60er-Jahre kombinierte er erstmals südafrikanischen Pop (Kwela- und Mbaqanga) mit Jazz und Funk, trat beim legendären Hippie-Festival von Monterey auf und wurde zum gefeierten Star. Vor 50 Jahren landete er mit dem Instrumentalstück «Grazing in the Grass» seinen grössten Hit und gewann einen Grammy.

Masekela wurde im Exil zu einem der engagiertesten Gegner des Apartheid-Regimes. 1987 schrieb er den Song «Bring Him Back Home», in dem er die Freilassung Nelson Mandelas aus dem Gefängnis forderte. Der Protest-Song war in Südafrika verboten, wurde nach der Freilassung von Mandela aber zur grossen Anti-Apartheid-Hymne.

Nach der Abschaffung der Apartheid kehrte Masekela in seine Heimat zurück. Gleichzeitig ging aber auch das Interesse an südafrikanischer Musik zurück. Es wurde ruhiger um den Trompeter, er konnte aber immer wieder Glanzlichter setzen wie zum Auftakt der Fussball-WM in Südafrika oder 2016 am Internationalen Tag des Jazz, als er auf Einladung von Präsident Barack Obama im Weissen Haus spielte.

Hugh Masekela war ein Kämpfer gegen die Apartheid, aber auch gegen den Krebs. Noch im Dezember glaubte er ihn besiegt zu haben. Am 3. März wollte er in Los Angeles auftreten. Doch diesen letzten Kampf hat er nun doch verloren. Masekela starb am 23. Januar zu Hause in Johannesburg.