Konzert

Gregory Porter sorgt im Musical Theater für Gänsehaut

Die Ballonmütze ist Gregory Porters Markenzeichen.

Die Ballonmütze ist Gregory Porters Markenzeichen.

Über 1200 Jazzfans wollten am Sonntag im Musical Theater Basel Gregory Porter, den neuen amerikanischen Superstar des Jazz sehen.

JDas Publikum im fast ausverkauften Musical Theater Basel wartete gespannt. Das Konzert hätte längst beginnen sollen. Schliesslich trat Off Beat-Veranstalter Urs Blindenbacher auf die Bühne, entschuldigte sich für die Verspätung und meinte verschmitzt: «Er wollte doch nur eine Rauchpause machen…jetzt ist der Pianist spurlos verschwunden». Blindenbacher lachte, alle lachten und das Eis war gebrochen, bevor das Konzert begonnen hatte.

Zugänglich und doch tiefgehend

Der 45-jährige Gregory Porter ist der Jazzsänger der Stunde. Der ehemalige Football-Spieler und Broadway-Sänger hat erst vor sechs Jahren zum Jazz gewechselt. Seither geht es mit seiner Karriere steil bergauf. Er sammelt die höchst dotierten Jazzpreise und ist mit seinen Alben inzwischen in den Top 10 der Popcharts angelangt – nicht nur wegen seinem Markenzeichen, seiner eigenartigen, rätselhaften Mütze, die er immer anbehält.

Nein, auch in Basel hat der bärtige Hüne das Geheimnis um seine Mütze nicht gelüftet. Umso deutlicher wurde das Geheimnis seines Erfolgs. Wie Al Jarreau, Bobby Mc Ferrin und die meisten Kollegen des männlichen Jazzgesangs hat auch Porter ein Faible für Pop. Seine Kompositionen sind eingängig wie Popsongs und es gelingt ihm meisterhaft, Zugänglichkeit mit Substanz zu verbinden. Sein grösstes Kapital ist aber zweifellos seine butterweiche, samtene und geschmeidige Stimme, die Erinnerungen an den grossen Nat King Cole wecken. Für Hühnerhaut-Stimmung sorgte er vor allem, wenn er seinen Bariton in Balladen brummen lässt.

Klar, auch Pianist Chip Crawford tauchte wieder auf und sorgte zusammen mit dem japanischen Saxofonisten und Flötisten Yasuke Sato für die solistischen Glanzlicher. Mit ihren expressiven, wilden Ausbrüchen bildeten die beiden Instrumentalisten einen emotionalen Kontrapunkt zum geschmeidigen Gesang des Bandleaders. Vor allem der explosive, hochvirtuose Sato ist eine Bereicherung. Vor einem Jahr verliess er Porters Band, um seine eigene Karriere voranzutreiben. Jetzt hat ihn Porter zum Glück wieder zurückgeholt.

Moderner Traditionalist

Gregory Porter ist kein Erneuerer. Vielmehr ist er ein Traditionalist mit einem modernen Sinn für Dramaturgie, Show und Entertainment. Gregory Porter ist ein Ereignis und über 1200 Zuschauerinnen und Zuschauer wollten ihn sehen. Das ist nicht selbstverständlich, zumal nur wenige hundert Meter daneben, an der Baloise Session, eine Konkurrenzveranstaltung lief (siehe Konzertrezension oben). Gregory Porter macht’s vor: So kann Jazz populär, aktuell und relevant bleiben.

Die nächsten Konzerte der Basler Jazz-Reihe Off Beat finden Sie unter: www.offbeat-concert.ch

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