Todesfall

Die Bühne war ihr Leben: Grand-Prix-Gewinnerin Lys Assia ist tot

Schlagersängerin Lys Assia ist am Samstag im Alter von 94 Jahren gestorben. 1956 hatte sie den ersten Eurovision Song Contest gewonnen. Noch bis ins hohe Alter stand sie auf der Bühne – und sorgte auch sonst für Schlagzeilen.

Wer Lys Assia in den letzten Jahren erlebt hat, kann sich das kaum vorstellen: Die am 3. März 1924 im aargauischen Rupperswil unter dem bürgerlichen Namen Rosa Mina Schärer geborene Lys Assia war in den frühen 50er-Jahren ein international gefeierter Star.

Der grosse Durchbruch als Sängerin gelang ihr 1950 mit «O mein Papa» aus der Operette «Der schwarze Hecht» von Komponist Paul Burkhard. Der Song wurde zum Welthit und Lys Assia zur berühmtesten Schlagersängerin in jener Zeit.

Lys Assia mit «O mein Papa» 1982

Auf dem Gipfel

Der Schweizer Schlagerkollege Vico Torriani, der in jener Zeit in Deutschland Hit an Hit reihte, empfahl ihr, sich auf Deutschland zu konzentrieren, auf die Hochburg des deutschen Schlagers. Mit Erfolg: Schon Lys Assias nächster Song, «Schwedenmädel» erreichte 1954 den ersten Platz der deutschen Hitparade. Es folgten weitere Hits wie «Arrivederci Roma», «Wenn die Glocken hell erklingen» und «Was kann schöner sein» (Que sera).

1956 nahm sie für die Schweiz in Lugano beim ersten «Grand Prix Eurovision de la chanson Européenne» (dem heutigen «Eurovision Song Contest») teil, setzte sich gegen sechs europäische Kandidaten durch und gewann mit dem Lied «Refrain». Bis heute ist sie die einzige Schweizer Sängerin, die den Lieder-Wettbewerb gewann.

Lys Assia gewann 1956 den Eurovision Song Contest mit dem Lied «Refrain»

Lys Assia war zu Gast in den nobelsten Varietépalästen Europas, Nordafrikas, der USA und Südamerikas, hatte in Caracas und London eigene Fernseh-Shows, sang vor Queen Elizabeth II, Eva Perón und König Faruk und stand neben Weltstars wie Dean Martin und Marlene Dietrich auf der Bühne.

Das Comeback

1963 heiratete sie den dänischen «Hotelkönig» Oscar Pedersen, betrieb mit ihm Hotels in Europa, Japan und Südamerika und zog sich aus dem Showbusiness zurück. Nach seinem Unfalltod 1995 stieg sie erneut ins Showgeschäft ein und versuchte, an ihre früheren Erfolge anzuknüpfen. Das gelang ihr nicht. Zweimal kandidierte sie vergeblich für den Eurovision Song Contest und scheiterte auch 2007 beim Grand Prix der Volksmusik 2007.

Lys Assia feat New Jack - «All in your head»

Für das Versagen machte sie die Medien und ihre Gesangspartnerin Beatrice Egli verantwortlich. Lys Assia wurde zunehmend belächelt, doch sie kämpfte weiter und stand noch bis ins hohe Alter auf der Bühne. Ihr Kampfgeist wurde 2008 mit dem Ehren-Prix-Walo für ihr Lebenswerk belohnt.

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Autor

Stefan Künzli

Stefan Künzli

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