Er feiert seinen 50. Geburtstag «irgendwo, wo es warm ist», sagt Peter René Baumann in die Kamera. Wo genau das ist, will DJ Bobo nicht verraten. Eine Nachfrage muss er auch nicht fürchten – das Interview zu seinem runden Geburtstag hat sein Management gleich selber verschickt, Anfragen zum Gespräch wurden abgelehnt. Manch anderem Popstar würde man ein solches Verhalten übel nehmen, aber nicht so Bobo. Ihm kann man nicht böse sein.

DJ Bobo ist der Urtyp des Schweizer Popstars (eigentlich ein Widerspruch in sich): Er hat bei allem Erfolg seine Demut nie verloren. Zwar gab es in den 25 Jahren auf der Bühne manchmal Momente, in denen er abzuheben drohte, aber bevor auch die letzte Zehe den Bodenkontakt verlor, erdete er sich jeweils schnell wieder. Nachzulesen in der 2016 erschienenen Autobiografie «DJ Bobo. Popstar – Der ganz normale Wahnsinn».

Darin erzählt er, wie er von Peter René Baumann zu DJ Bobo wurde und es von Kölliken bis in die Mongolei schaffte, wo er vor 40'000 Menschen auftrat. Es ist eine Geschichte voller Durchschnittlichkeit, aber auch eine mit Charme und ebenso viel Ehrgeiz.

Herr Bobo, wie feiern Sie den 50. Geburtstag?

Herr Bobo, wie feiern Sie den 50. Geburtstag?

Der Aargauer Popstar DJ Bobo wird 50. Hier verrät er ein wenig über die Party und warum die Geburt seiner Kinder alles verändert hat.

Er stand immer wieder auf

«Ich war nie cool», schreibt Bobo. Was ihn unterscheidet von den anderen Uncoolen: Er wollte nie cool sein. Er zog einfach sein Ding durch. Nach jedem Rückschlag stand er auf, schüttelte sich kurz und machte weiter. Die erste Single, ein Flop – egal. Pannen bei der ersten Tour – weiter gehts. Scheitern am Eurovision Song Contest – und hopp.

Die Rückschläge, die ihn tatsächlich in Schieflage bringen, sind privater Natur: Das Fehlen seines Vaters, sein gewalttätiger Stiefvater und das Scheitern seiner ersten Ehe. Bobo wankt dann und wann erheblich. Aber Bobo fällt nie. Die richtige Dosis Bodenkontakt ist das Geheimnis seiner Karriere.

Und die ist beeindruckend: Über 15 Millionen verkaufte Platten, mehr als 250 Goldene Platten und über fünf Millionen Konzertbesucher. Und während man als Beobachter manchmal das Gefühl hat, dass sein Stern schon heller leuchtete, kann man schon Tickets für eine grosse Tour 2019 kaufen – denn an Konzerten zieht Bobo immer noch.

Derzeit arbeitet der gelernte Bäcker am Album, das den Rahmen für die Tour bilden soll. Auch wenn er im Interview behauptet, dass er «noch gar nicht weiss, wie es klingen wird», kann man sicher sein: Es wird Eurodance sein. Diese überzuckerte Mischung aus Pop, Rap und House, die schon zu ihrer Blüte in den 90ern nicht richtig cool war.

DJ BoBo - Chihuahua

DJ BoBo - Chihuahua

Eigentlich, so sagt er, habe er sich «in den letzten 25 Jahren kaum verändert. Ausser bei der Länge meiner Haare». Statt 90er-Matte trägt er jetzt Kurzhaarschnitt, das verschmitzte Lächeln hat er sich bewahrt. Auch das ist ein gutes Sinnbild seiner gesamten Karriere: Bobo passt sich sanft der Zeit an, bleibt aber Bobo. Der tanzende Bobo, der rappende Bobo, der (etwas schief) singende Bobo und, vor allem, der Unterhalter Bobo.

Er gibt keine Konzerte, er gibt Shows. Aber auch hier nicht zu extrem. Oder wie es die Durchsage an einem Konzert 2012 ganz treffend beschrieben hat: «Sie sind hier an einem DJ-Bobo-Konzert. Sie dürfen tanzen, aufstehen und etwas durchdrehen. Aber bitte machen Sie das nur an Ihrem Platz.» Auch für die Fans gilt: Schön am Boden bleiben.

Am meisten Freude hat das Publikum immer noch an Hits wie «Somebody Dance With Me». «Die Reaktionen auf die alten Songs sind intensiver – aber das verstehe ich auch», sagt Bobo. Während andere Popstars ihrer alten Hits überdrüssig werden, liefert er dem Publikum, was es will.

DJ Bobo über seinen Namen, seine Rolle als Vater und Plüschtiere

DJ Bobo über seinen Namen, seine Rolle als Vater und Plüschtiere (16.2.2017)

Der Aargauer Musiker und Swiss-Award-Gewinner war zu Gast in der Sendung «TalkTäglich» auf Tele Züri. Die wichtigsten Momente im Zusammenschnitt.

Comeback mit 75

Etwas überspitzt gesagt, sind seine neuen CDs vor allem ein Antrieb, um die Maschine DJ Bobo am Laufen zu halten. Während seine Fans älter geworden sind, ist René Baumann stets eine Art Peter Pan geblieben: Er ist das Zentrum einer Zeitreise in die 90er-Jahre und ein Künstler, der sich auch heute noch in dieser Zeit pudelwohl fühlt. Der schlimmste Moment in seiner beruflichen Karriere sei gewesen, als er gespürt habe, dass all die 25-Jährigen um ihn herum «in allem besser sind». Das sei natürlich ein «Seich». Die Herausforderung sei, sich mit solchen 25-Jährigen zu umgeben und nicht bequem zu werden. «Jetzt habe ich definitiv die Lebensmitte erreicht», sagt Bobo, angesprochen auf die 50. Er wolle so lange weitermachen, wie es glaubwürdig sei, was er mache. Vielleicht mache er plötzlich zwanzig Jahre Pause und feiere mit 75 ein Comeback.

Live: 30. Mai 2019, Postfinance-Arena Bern; 9. Juni 2019, Hallenstadion Zürich.