Klassik Openair

Die «Solothurn Classics» werden zu Freilichtopern

Marzio Giossi singt und gestikuliert 2012.

Marzio Giossi singt und gestikuliert 2012.

Die «Solothurn Classics» wird es in diesem Jahr zum letzten Mal in dieser Form geben. Das Festival soll neu positioniert werden. Ab 2017 sollen Freilichtopern-Aufführungen im Zweijahresrhytmus zu sehen sein.

Mit Weltstar José Carreras haben die diesjährigen «Solothurn Classics» einen dicken Fisch geangelt. Doch Konzerte von klassischen Sängern oder Sängerinnen wird es in Zukunft nicht mehr geben. Peter Kofmel (ehemaliger FdP-Nationalrat), der neue Hauptverantwortliche, will das Festival neu positionieren. Ab 2017 sollen Freilichtopern-Aufführungen im Zweijahres-Rhythmus zu sehen sein.

Die «Solothurn Classics», früher «Classic Openair Solothurn», haben turbulente Zeiten hinter sich. 1991 bis 2010 wurden unter der Leitung Dino Arici die beliebtesten Opern der Weltliteratur ganz oder halbszenisch gezeigt. 2010 wollte sich der Festivalgründer gesundheitshalber zurückziehen. Doch das gestaltete sich schwieriger als erwartet. Querelen um Finanzen und Sponsoren machten die Arbeit schwierig. Schliesslich wollte das Publikum auch nicht mehr so recht zum Klassik-Event strömen. Die Konsequenz: 2011 fiel der Klassik-Anlass aus und 2012 übernahm Iris Reardon-Kofmel, die Tochter von Peter Kofmel, die Leitung unter dem Namen «Solothurn Classics». 

Peter Kofmel war von Anfang an dabei. Als Präsident des Vereins Freunde des Classic Openairs, respektive der Solothurn Classics, hielt er das Classic-Schiffchen in guten wie schlechten Zeiten auf Kurs. Als seine Tochter vor drei Jahren die Leitung der «Solothurn Classics» übernahm, arbeitete er auch operativ mit, insbesondere im Bereich Sponsoring. Vor wenigen Wochen übergab nun Iris Reardon-Kofmel die Leitung des Festivals ganz ihrem Vater, denn sie ist mit ihrer jungen Familie in die USA ausgewandert. Kofmel betont aber, dass das Programm 2015 noch seine Tochter künstlerisch gestaltet hat.

Peter Kofmel bilanziert: «2013 war ein finanziell schlechtes Jahr, jedoch von hoher künstlerischer Qualität. 2014 haben wir abgespeckt und uns finanziell erholt. Unsere ausstehenden finanziellen Verpflichtungen sind beglichen, ausser den privaten Darlehen. 2015 wird nun wieder grösser.»

Opern mit Partnerstadt

Danach will er einen kompletten Neustart. «Meine schon ziemlich konkrete Vorstellung ist, dass wir die Solothurn Classics zusammen mit einem anderen Veranstalter einer anderen Schweizer Stadt machen», sagt er. Jeweils eine einzige Opernaufführung soll programmiert werden, die dann aber mehrmals gespielt wird. Abwechslungsweise einen Sommer in Solothurn, im darauf folgenden Sommer in der Partnerstadt. Die Aufführungen sollen wieder Open Air sein. 

Kofmel: «In Solothurn gibt es genügend Plätze, die sich für ein solches Vorhaben eignen. Nicht nur die St.-Ursen-Bastion. Man könnte auch in einem ehemaligen Kloster, an der Aare, auf der St.-Ursen-Treppe und noch an vielen andern Plätzen spielen. Je nach Oper müsste der Ort passend ausgewählt werden», sinniert er. Das Gleiche würde in der Partnerstadt geschehen.

Künstlerischer Leiter gesucht

Kofmel erwähnt, dass er mit zwei potenziellen Städtepartnern in Verhandlungen steht. «Ich möchte noch nichts Genaueres verraten, solange nichts unterschrieben ist», sagt er. Aber er ist zuversichtlich, dass sein Vorhaben im Jahr 2017 realisiert wird. So hätte man genug Zeit, um «grössere Sponsoren langfristig zu gewinnen. Besonders wichtig ist natürlich, dass die künstlerische Qualität top ist. Da bin ich nicht ganz der richtige Mann. Die Verbindungen fehlen mir», so der Jurist.

Die künstlerische und administrative Leitung müsste von Fachleuten in die Hand genommen werden. Er selbst könnte sich vorstellen, in einer geschäftlich leitenden Charge mitzuarbeiten. Dazu wird er weiterhin Präsident des Vereins Freunde des Solothurn Classics sein.

Ein neues Zeitalter

Kofmel ist zuversichtlich, dass sein neues Projekt zustande kommt, denn die Stadt und der Kanton Solothurn stünden ihm sehr wohlwollend gegenüber. «In Solothurn muss der geebnete Boden des Solothurn Classics weiter genutzt werden», sagt er. Wenn alles so läuft, wie Kofmel sich das vorstellt, wird im kommenden 2016 nur ein kleines Solothurn Classic durchgeführt. Nur für geladene Besucher, Gäste und Freunde. «Das wäre so etwas wie ein Schlusspunkt der Nach-Arici-Ära. Danach soll ein neues ‹Zeitalter› beginnen».

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