Militärmusik-Festival

«Das Royal Edinburgh Tattoo ist der Rolls Royce unter den Tattoos»

Alan W. Smith ist Marketingmanager des Royal Edinburgh Tattoo.

Alan W. Smith ist Marketingmanager des Royal Edinburgh Tattoo.

Tattoo-Manager Alan Smith spricht über Unterschiede, Freundschaften und Rivalitäten seines Royal Edinburgh Tattoo mit dem Basel Tattoo.

Herr Smith, The Royal Edinburgh Military Tattoo findet vom 7. bis zum 29. August statt. Wie laufen die Vorbereitungen?

Alan Smith: Sie laufen gut, auch wenn die Zeit gerade ein wenig hektisch ist. Die Vorbereitungszeit für eine Ausgabe des Royal Edinburgh Tattoos nimmt drei bis vier Jahre in Anspruch, dieses Jahr haben wir bereits die 66. Ausgabe. Seit 1952 überträgt die British Broadcasting Company (BBC) den Event und wir erreichen 100 Millionen Menschen im Ausland, da muss natürlich alles stimmen. Ende Mai, zweieinhalb Monate vor der Premiere, beginnen wir mit dem Aufbau des temporären Amphitheaters vor der Burg. Wir befinden uns also derzeit im Endspurt.

Seit seiner ersten Ausgabe 1950 findet das Royal Edinburgh Tattoo vor der Burg der Stadt statt. Wie wichtig ist diese Szenerie für den Erfolg?

Das Edinburgh Castle ist ein integraler Bestandteil des Erfolgs, weil es als Hintergrund und Austragungsort eine spezielle Intimität zwischen Performern und Publikum herstellt. Wir könnten uns auch nicht vorstellen, wie es anders wäre, es ist ein wunderbares, Disney-artiges Setting, von dem auch Erik (Julliard, Chef des Basel Tattoo, Anm. d. Red.) nur träumen kann.

Obwohl die Burg diese Wichtigkeit hat, gab es jemals Gruppierungen oder Einsprachen gegen den Austragungsort?

Es gab und gibt Einsprachen von Anwohnern, auf die wir Rücksicht nehmen müssen, besonders wenn wir mit Feuerwerk hantieren. Dazu sollte man wissen, dass im Juli und August in Edinburgh sechs internationale Festivals stattfinden, die insgesamt beinahe zwei Millionen Besucher anlocken. Edinburgh selbst hat rund 500 000 Einwohner und für die Einheimischen kann das durchaus auch zu viel sein. In den 1990er-Jahren wurde überlegt, das Royal Edinburgh Tattoo in die Princes Gardens zu verlegen, immerhin blockiert der Event eines der meist frequentierten Touristenziele von Schottland über einen Monat lang. Es gab auch Stimmen aus den Reihen der Organisation, die dafür waren: Der Unterhalt des Amphitheaters und die Lagerung verursachen hohe Kosten. Diese Überlegungen wurden allerdings wieder verworfen. Das waren die seriösesten Bestrebungen. Eine Lobby oder politische Protestgruppe gegen uns gab es jedoch nie.

Mit Protest und Einsprachen hat das Basel Tattoo immer wieder zu kämpfen. Apropos Basel: Wie ist die Beziehung zwischen den beiden Tattoos?

Ich würde sagen, uns verbindet eine gute Kollaboration und freundschaftliche Rivalität. Wir arbeiten zusammen und das Top Secret Drum Corps ist eines der Programm-Highlights dieses Jahr. Die Organisation des Basel Tattoo gleicht in seinen grundlegenden Strukturen dem des Edinburgh Royal Tattoo. Wir konkurrenzieren um das Publikum, insbesondere bei den Deutschen, die alles Militärische sehr mögen (lacht).

Wie kann man sich diese Zusammenarbeit vorstellen?

Ein grosser Teil der Zusammenarbeit läuft über Melville Jameson; er arbeitet als Berater für uns und das Basel Tattoo. Er und Erik (Julliard, Anm. d. Red.) reisen oft zu noch unbekannten Acts, um sie zu engagieren. Diese Zusammenarbeit ist besonders bei grossen Distanzen sinnvoll, weil Basel und Edinburgh vergleichsweise nahe beieinanderliegen. Einmal war auch das Top Secret Drum Corps eine dieser unbekannten Gruppen, die entdeckt wurden. Sie sind brillante Trommler, mit dem Herzen dabei und voller Innovation: Dieses Jahr werden sie ihre Stöcke als Flöten benutzen. Können Sie sich das vorstellen?

Neben den Bereichen, in denen die beiden Events zusammenspannen. Worin unterscheiden sie sich am deutlichsten?

Das Royal Edinburgh Tattoo ist der Rolls Royce unter den Tattoos. Es gibt uns seit 66 Jahren und ein weiterer Unterschied zum Basel Tattoo ist, dass wir unseren Gewinn an verschiedene gemeinnützige Organisationen weiter geben. Wenn die Kosten gedeckt sind, kann das in einem Jahr bis zu einer halben Million Pfund an Spenden sein. Wir sind seit 16 Jahren komplett ausgebucht. Zudem hat das Royal Edinburgh Tattoo aufgrund seiner Geschichte den grösseren Namen: Wer Military Tattoo hört, denkt wahrscheinlich zuerst an Edinburgh. Diese Position wollen wir behalten, grösser und besser werden und mehr Entertainment bieten als alle anderen Military Tattoos weltweit.

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