Der Kapitän taucht verspätet auf. Und er trägt für einmal kein Matrosenoutfit sondern einen Neoprenanzug. Aus plakativem Grund: Tino Krattiger hat bei der Pressekonferenz seines Festivals «Im Fluss» einen neuen Hauptsponsor im Schlepptau: Oris, die Firma, die mit wasserdichten Uhren und entsprechenden Claims wirbt.

Keine Frage: Tino Krattiger weiss sich und sein Festival in Szene zu setzen. Und doch fiel es ihm nicht leicht in den vergangenen Jahren Sponsoren zu gewinnen. Vielleicht, weil man die Konzerte auf dem Floss als allzu selbstverständlich hinnimmt. Auf jeden Fall auch, weil Sparmassnahmen von Sponsoren Spuren hinterliessen. Die Manor unterstützte den Anlass zuletzt nur noch redimensioniert. Und der RFV Basel kippte seine Unterstützung in Höhe von 20'000 Franken, die der Verpflichtung lokaler Bands zugute gekommen war.

Leicht trotzig war sie, die Reaktion von Krattiger: Er strich die regionale Musik 2017 bis auf eine Ausnahme aus dem Programm, mit den Worten: «Die Nachwuchsförderung fällt weg». Das schlug Wellen. Und heute? Sind die Wogen wieder geglättet: Im diesjährigen Programm finden sich drei Acts mit Basler Background: Anna Aaron, Pink Pedrazzi und Roli Frei. Und auch James Gruntz kann man ein Stück weit ja auch noch zur Region zählen. Allesamt bemerkenswerte Stimmen und eigenwillige, gestandene Künstler, auf deren Auftritte man sich freuen kann.

Die Rückbesinnung auf lokale Werte, sie hat auch eine finanzielle Komponente: Die beiden Halbkantone Basel-Stadt und Baselland übernehmen die 20'000 Franken, die der RFV zahlte, knüpfen dies aber an die Bedingung, dass drei, besser vier regionale Bands spielen sollen.

Zwei Klassiker aus den USA

Ausgewogen statt grosse Wogen also heisst es fürs Jahr 2018, «im Fluss» ist wieder gut abgestützt; zumal von den Swisslosfonds Basel-Stadt und Baselland ja satte 120'000 Franken respektive 40'000 Franken ins Budget (knapp 500'000 Franken) fliessen.

Man kann aus dem vollen Schöpfen, und das hat Gaetano Florio, der Bookingverantwortliche, auch getan. Wie im Vorjahr operiert er mit einem Gagenbudget in Höhe von 120'000 Franken für 17 Abende. Und kann dabei mit der A-cappella-Gruppe Naturally 7 aus New York oder The Original Blues Brothers Band aus Memphis zwei US-amerikanische Gruppen verpflichten, deren Gagen sich in der Regel erfahrungsgemäss im mittleren fünfstelligen Bereich bewegen.

Die Blues Brothers sind zwar nur noch ein Bruchteil des ursprünglichen Originals, aber hey: mit Steve Cropper haben sie einen der einflussreichsten Gitarristen der Soulgeschichte in ihren Reihen, jenen Mann, der schon für die Klassiker von Otis Redding, Sam & Dave oder Wilson Pickett in die Saiten griff. Und auch Lou Marini ist mit von der Party; er spielte schon im gleichnamigen Kultfilm Saxofon.

Dass die Blues Brothers in Basel Halt machen werden, ist den Connections und dem Verhandlungsgeschick von Florio zu verdanken sowie der zentraleuropäischen Lage: Die Grossformation wird zwischen grossen Festivalauftritten in Italien und Norwegen einen Stop in Basel einlegen.

2raumwohnung und freier Himmel

Eröffnet wird die 19. Saison auf dem Floss von einer anderen alten Bekannten: Inga Humpe. Sie surfte mit den Neonbabies und DÖF auf der Neuen Deutschen Welle, im neuen Jahrtausend dann toppte sie diese Erfolge noch mit ihrem Elektropop-Projekt 2raumwohnung.
Wenn wirs schon von den 80ern und NDW haben: An dieser Zeit orientiert sich der St. Galler Crimer. Aktuell im Vorprogramm von Nena unterwegs, gastiert er Ende Juli auch in Basel. Dann kann man sich ein Bild von dem jungen Sänger machen, der heuer bei den Swiss Music Awards zum «Best Talent» gekürt worden ist.

«Im Fluss» hält aber auch an gestandenen Formationen fest, die erfahrungsgemäss gut ankommen beim Publikum. Die Berner Popfraktion etwa, vertreten durch Halunke, Chica Torpedo und Stiller Has. Letzterer gehört fast schon zum Flossinventar, so oft hat man ihn hier schon erleben können.

Eine andere Tradition, die durch Halunke und Chica Torpedo ebenfalls aufrechterhalten wird: Formationen mit markanten Bläsersätzen. Auch die Blues Brothers werden eine knackige Horn Section mitbringen, keine Frage, und eine Entdeckung wert ist die österreichische Gruppe DelaDap, die jazzige Noten mit elektronischen Beats kombiniert.

Die Konzerte finden vom 23. Juli bis 11. August «Im Fluss» oberhalb der Mittleren Brücke Basel statt.


23.7. 2raumwohnung
24.7. Pink Pedrazzi
25.7. Crimer
26.7. Delgres
27.7. Fischer-Z
28.7. Anna Aaron
30.7. Emanuel Reiter
31.7. Halunke
2.8. James Gruntz
3.8. DelaDap
4.8. Andrea Bignasca
6.8. Chica Torpedo
7.8. Roli Frei & Soulful Desert
8.8. Dada Ante Portas
9.8. Naturally 7
10.8. The Blues Brothers Band
11.8. Stiller Has