Jazzfestival Basel

An 25 Festivaltage werden 25 Jahre Jazz in Basel gefeiert

Offbeat präsentiert vom 16. April bis 10. Mai an verschiedenen Orten in Basel sein Jubiläumsfestival – mehr als 30 Gruppen treten auf. Dabei gibt es puren Jazz und viel Musik aus aller Welt

Von einem so breiten Angebot wie in diesem Jahr war die erste Festivalausgabe noch weit entfernt. 1990 war Offbeat als Nachfolgerorganisation von «Jazz in Basel» aufgetreten und präsentierte Jazz in zwei mehrtägigen Konzertblöcken im Frühling und im Herbst. In der Vorgängerorganisation konnte der heutige künstlerische Leiter, Urs Blindenbacher, im Team mit Ariane Gscheidle und anderen zahlreiche Erfahrungen sammeln und Kontakte aufbauen. Ein Festival aber musste ganz anders organisiert werden als die lockere Serie von Einzelkonzerten, die «Jazz in Basel» pflegte.

Im Laufe der Jahre hat sich eine Verlagerung von den ursprünglich ganz im Umfeld des neueren und neuesten Jazz angesiedelten Konzerten zu verschiedenen thematischen Veranstaltungen ergeben, die in der Regel auch verschiedene Publikumssegmente ansprechen. Jeder Besucher, jede Besucherin kann sich so nach eigenem Gusto sein oder ihr persönliches Wunschprogramm zusammenstellen, je nach Lust auf Jazz oder eher World Music. Die stilistische Auswahl hat in den letzten Jahren Konzerte aus dem geografischen Dreieck Orient, Mittelmeer und Afrika geboten. Damit hat Offbeat das Fenster vom Jazz auf die sogenannte World Musik weit geöffnet.

Schlagzeuger als Bandleader

Ein Themenschwerpunkt des diesjährigen Festivals sind Schlagzeuger als Bandleader. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Klavier und der Vokalkunst. Ein anderer auf der aktuellen Schweizer Jazz-Szene – mit besonderem Akzent auf die Basler Szene, die sich erstmals im Jazzcampus präsentieren darf.

Zweifellos sind die Konzerte mit Musikern aus dem Mittelmeerraum diesmal die am stärksten vertretene Kategorie. Gleich drei Formationen sind angesagt, bei welchen die arabische Laute Oud eine zentrale Rolle spielt. Der Tunesier Anouar Brahem mit seinem Quartett, der aus dem Libanon stammende Rabih Abou-Khalil und der Marokkaner Majid Bekkas aus dem Trio Chalaba des früheren Free-Jazz-Pioniers Joachim Kühn, ein alter Bekannter aus Konzerten von «Jazz in Basel», werden die seltene Gelegenheit bieten, die diversen Facetten des Instruments aus verschiedenen Traditionen zu erleben.

Erstmals am Festival präsentieren sich in dieser Kategorie das Taksim Trio aus Istanbul und der Auftritt des Armeniers Tigran Hamasyan, der in der Dorfkirche Riehen ein neues Projekt vorstellt, in dessen Zentrum ein armenischer Chor steht. Hamasyan ist ein Musiker, dessen innovativer Geist ihn schon in fruchtbare Berührung mit Rock und Jazz gebracht hat.

Argentinien und Italien

Als einziger Vertreter aus dem lateinamerikanischen Raum kehrt mit Dino Saluzzi und seinem (Familien-)Quartett ein Musiker aus den argentinischen Anden nach Basel zurück, der immer wieder mit seinem originellen Bandoneonspiel zu überraschen weiss.

Zu den «habitués» des Festivals darf man auch den Trompeter Paolo Fresu und den Akkordeonisten Luciano Biondini zählen. Mit seinem sardischen Landsmann, dem Gitarristen Bebo Ferra, spielt Fresu auch im rockig ausgerichteten Devil Quartet, das sich vor einigen Jahren in Basel präsentierte. Durch die gesundheitlich bedingte Absage des Cantautore Gianmaria Testa, dessen Repertoire Fresu eigentlich hätte begleiten sollen, ergibt sich die Perspektive eines offenen Austauschs zwischen Jazz und sardischen Traditionen. Biondini präsentiert sich nach seinem Spezialabend im letzten Jahr nun mit der Pianistin Rita Marcotulli, mit welcher er seit sechs Jahren diverse Projekte, darunter auch Film-Musik, entworfen hat. Ihre CD «La strada invisibile» lässt ein ebenso stimmungsvolles wie anspruchsvolles Duo-Konzert erwarten.

«Jazz is not dead»

«Jazz ist nicht tot, er riecht nur etwas seltsam», meinte einst Frank Zappa. Wer im Festivalmenu nach Jazz und interessanten Projekten sucht, kann durchaus fündig werden. Gleich zu Beginn gibt es ein interessantes Projekt. Sechs Jazzmusiker und das Sinfonieorchester Basel eröffnen das Festival am Tag des Geburtstags des tödlich verunglückten schwedischen Pianisten Esbjörn Svensson mit der Uraufführung von «E.S.T. Symphony». Mit Victoria Tolstoy, Lars Danielsson, Jan Lundgren und Ulf Wakenius (Nachfestival) ist übrigens die nordeuropäische Szene entsprechend ihrer aktuellen Bedeutung prominent vertreten.

Wer sich auf spritzige Improvisationen freut, wird ganz bestimmt am Quartett des Altmeisters Daniel Humair Gefallen finden. Seit gut zwanzig Jahren gilt der in Genf geborene Drummer als einer der ganz grossen Entdecker und Förderer von Talenten, wie etwa Vincent Peirani und Emile Parisien, die in seinem Quartett, in Basel mit dabei sind. Mit ihnen spielte er auch die CD «Sweet and Sour» ein. Diese ehemaligen «Lehrlinge» sind nun selber für den Meister eine Herausforderung geworden. Gerne erinnert man sich an das Konzert von Peirani und Parisien letztes Jahr in der Dorfkirche Riehen.

Ein weiteres Schwergewicht ist der Tenorsaxofonist Joe Lovano. Sein unwiderstehliches, originelles Saxofonspiel ist durch unzählige Begegnungen erprobt, von Chet Baker bis Carla Bley. Lovanos Spiel wirkt oft hart und trocken, und dennoch strahlt er eine starke rhythmische Energie aus und seine Fantasie an melodischen Motiven ist unbegrenzt. Gekonnt bringt er die Gegensätze einer gewissen Sperrigkeit und einem dennoch sehr fluiden Spiel auf einen Nenner. In Basel wird er mit seiner erst seit Januar zusammen gesetzten Village Rhythm Band auftreten.

Aufmerksamkeit verdienen auch der rasant aufstrebende Trompeter Ambrose Akinmusire, der erstmals mit seinem Quartett nach Basel kommt, sowie das Duo des Pianisten Jacky Terrasson und Stéphane Belmondo, beide Vertreter einer eher leisen, lyrisch-melodischen Musik.

Schweizer Szene top vertreten

Die Schweizer Jazzszene ist gleich dreifach vertreten, und dies durch international gefragte Musiker wie Andreas Schaerer mit «Hildegard lernt Fliegen», dem Marc Perrenoud Trio, dem Trio des Perkussionisten Gregor Hilbe mit dem Vokalkünstler Christian Zehnder und Mathias Loibner (Hurdy Gurdy). Vom 23. bis 27. April kommt es zu einer Serie von Clubkonzerten mit sieben Formationen im Jazzcampus Basel, unter denen das Trio des Pianisten Thierry Lang wohl das bekannteste ist.

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