Pop
Amy Macdonald: «Auf der Strasse werde ich selten erkannt»

«Life In A Beautiful Light» heisst das dritte Studioalbum der 24-jährigen Amy Macdonald, die nie ihre Bodenhaftung verloren hat. Nur weil sie Musik mache, deswegen fühle sie sich nicht als etwas Besonderes, sagt die Sängerin im Interview.

Pascal Münger
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 Amy Macdonald performt 2008 am Gurten-Festival
9 Bilder
Amy Macdonald
 2009 gewann Amy Macdonald einen Echo Award
 Im selben Jahr gab es für die Schottin zwei Awards für den besten Song International und fürs beste Pop/Rock Album International (This Is the Life)
 Amy Macdonald im Juli 2009 am Paléo Festival
 Amy Macdonald trat im März 2010 bei The Dome 53 auf
 Einen weiteren Preis für die Sängerin im 2011: einen Swiss Music Award in der Kategorie Best Album Pop Rock International
 Amy Macdonald schreibt ihre Texte selbst
 Amy MacDonalds singt am SnowpenAir

Amy Macdonald performt 2008 am Gurten-Festival

Keystone

Amy Macdonald, haben wir uns zuvor schon einmal getroffen?

Amy Macdonald: Keine Ahnung. Sagen Sie es mir.

Nein, haben wir nicht. Sie gelten als sehr bodenständige Person. Wie ist das, wenn man jeden Tag in eine andere Stadt kommt und von so vielen Journalisten interviewt wird, dass man sich unmöglich einzelne Gespräche merken kann?

Das ist echt ein komisches Gefühl. Eigentlich fühle ich mich wie jede andere Person auch. Dass ich nun etwas Besonderes bin, weil ich Musik mache, daran werde ich mich wohl nie ganz gewöhnen. Zum Glück habe ich ein gutes Team um mich herum, das mich wieder erdet, wenn ich den ganzen Tag im Mittelpunkt gestanden habe. Ich brauche diese Nähe zu Freunden, das Gefühl, ein ganz normales Mädchen zu sein. Es würde mich doch ziemlich erschrecken, wenn ich plötzlich zur Diva werden würde.

In einer Popwelt neben Lady Gaga oder Rihanna sind Sie der eigentliche Freak, weil Sie keine wilden Kostüme tragen oder arrogante Auftritte hinlegen.

So kann man das durchaus sehen. Ich bin aber gerne der Freak, wenn das bedeutet, dass ich mich selber bleiben kann.

Ist Ihre Natürlichkeit auch ein Teil Ihres Erfolgsgeheimnisses?

Ja, ich glaube wirklich, dass die Leute diese Seite an mir schätzen. Meine Fans können sich mit dieser Art sicherlich besser identifizieren als mit einer abgehobenen Superdiva, die Tausende Kilometer weiter weg von jeglicher Realität zu leben scheint.

Am 8. Juni erscheint ihr drittes Studioalbum «Life In A Beautiful Light». Sie klingen darauf glücklicher. Liegt das daran, dass Sie sich im letzten Jahr eine Auszeit genommen haben und sich nur aufs Liederschreiben konzentriert haben?

Die entspannte Atmosphäre war sehr hilfreich. Ich habe alle Lieder bei mir zu Hause in Glasgow geschrieben. Als ich jeweils ein paar Songs fertig hatte, ging ich ins Studio ein paar Strassen weiter und nahm das Ganze auf. Im September hatte ich so alle Lieder für dieses Album vorproduziert. Zu Beginn dieses Jahres gingen wir mit der gesamten Band ins Studio und nahmen die Songs in ihrer jetzigen Version auf. Im Gegensatz zu meinem letzten Album, das während einer Tournee entstanden ist, war die Arbeit dieses Mal viel weniger hektisch.

Ist das neue Material dadurch persönlicher geworden?

Keine Ahnung. Aber ich glaube, meine Fans können sich damit besser identifizieren. Wenn ich über meine Reisen singe und dass ich jeden Tag in einer anderen Stadt aufwache, dann hört man vielleicht gerne zu, aber man kann sich nicht wirklich in diese Situation hineinfühlen, weil sie nicht alltäglich ist. Die Lieder für «Life In A Beautiful Light» sind entstanden, als ich Sachen gemacht habe, die jeder macht. Ich ging mit Freunden aus, habe Zeit mit meiner Familie verbracht und bummelte durch Glasgow. Ich habe mich sehr wohl gefühlt bei diesem Entstehungsprozess, denn meine Lieder brauchen Zeit. Wenn ich dauernd unter Strom stehe, kann ich mich nicht auf das Wesentliche konzentrieren. Ich schreibe nicht dauernd an meinen Liedern herum. Ich warte auf Ideen, dann schnappe ich mir die Gitarre und lasse die Musik aus mir herausfliessen.

Wie ist das, wenn Sie sich in Glasgow bewegen? Werden Sie andauernd erkannt und angesprochen?

Erstaunlicherweise ist dem nicht so. Ich bin anscheinend die Art von Künstlerin, die man auf der Strasse nur selten erkennt. Wenn ich Hüte wie Lady Gaga tragen würde, wäre das wahrscheinlich anders. Aber ich trage Jeans und ein T-Shirt wie jedes andere Mädchen in Glasgow auch. Auch in anderen Städten ist das so. Kürzlich war ich in Zürich essen, und kein Mensch hat mich erkannt. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich mit meiner Musik erfolgreich sein kann und trotzdem ein Privatleben habe.

Ein spezielles Detail habe ich in Ihrer Biografie aber dennoch gefunden. Sie sind 24 Jahre alt und mit einem Rentner verlobt.

Jetzt haben Sie mich erwischt. Dazu muss ich aber sagen, dass mein Verlobter, Steve Lovell, erst seit kurzem in Rente ist. Er war Fussballer und spielte zuletzt bei AFC Bournemouth. Als Sportler kann man halt bereits mit 31 Jahren pensioniert werden.

Sie selber sind ein grosser Fan der Glasgow Rangers. Woher kommt diese Liebe zum Fussball?

Das kann ich gar nicht genau sagen. Bereits in der Schule begann meine Liebe zu diesem Sport. Ich liebe die Taktik, die Ästhetik und vor allem auch die Atmosphäre im Stadion.

Mit Ihrer Musik füllen Sie mittlerweile ebenfalls ganze Stadien. Dabei kommen Sie ganz ohne riesige Lichtshows und Feuerwerke aus.

Schliesslich geht es ja auch bei solchen grossen Shows um die Musik. Bei mir sieht man vielleicht kein Feuerwerk, dafür habe ich meine Lieder richtig drauf und treffe die Töne.

Amy Macdonald «Life In A Beautiful Light». Universal.

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