Nachruf
Guido Eugster war der Star des Trio Eugster

Er war der lustige Dicke, das Kompanie-Kalb und mit Abstand der Beliebteste des volkstümlichen Schlagertrios. Am Samstag ist er 84-jährig gestorben.

Stefan Künzli
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Das Trio Eugster mit Vic (Viktor), Guido und Alex Eugster. 2005 in Dübendorf.

Das Trio Eugster mit Vic (Viktor), Guido und Alex Eugster. 2005 in Dübendorf.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Mit Liedern wie «Oh Läck du mir», «Ganz de Bappe», «Dörfs es bitzli meh si» oder «Jetzt muess de Buuch wäg» feierten die Gebrüder Guido, Alex und Vic Eugster als Trio Eugster in den frühen 1970er-Jahren eine Reihe von Hits, die es nicht nur in die Schweizer Hitparade schafften, sondern auch zu Evergreens wurden. «Sie waren die ersten volkstümlichen Popstars», sagt Sepp Trütsch, der das Trio wie kein Zweiter kennt und mit Vic Eugster im Duo «Vic & Sepp» lange unterwegs war.

Alex Eugster war der kreative Kopf des Trios, der die meisten Lieder komponiert, mitkomponiert und produziert hat, Vic brachte die Musik als Verleger unter die Leute und Guido war als gelernter Kaufmann der Buchhalter. Auf der Bühne war der verstorbene Guido Eugster der mit Abstand beliebteste der drei Brüder. Er spielte das «Kompanie-Kalb», den lustigen Dicken, dem alles misslang. Analog zu Dick und Doof oder Stan & Ollie. «Guido war das eigentliche Gesicht des Trios. Wenn die Drei auf die Bühne kamen, waren alle Augen auf Guido gerichtet. Alex und Vic hatten neben ihm keine Chance», sagt Trütsch, «er war ein begnadeter Komiker und konnte auch über sich selber lachen».

Der durchschlagende Erfolg des Trios aus Dübendorf war keine Selbstverständlichkeit. Denn als die Brüder Guido, Alex und Vic Eugster 1967 ihre Karriere als Trio Eugster starteten, war die Mundart in der Schweizer Popularmusik verpönt. Gefragt waren englisch und möglichst originalgetreue Kopien der internationalen Hits und Trends. Alles andere galt als hoffnungslos veraltet oder gehörte ins Fach der Volksmusik. Das änderte sich an der Schwelle zu den 1970er-Jahren mit den Minstrels («Grüezi wohl, Frau Stirnimaa!») und vor allem mit dem Trio Eugster.

Den Schweizer Mundartschlager modernisiert

Der Schweizer Mundartschlager hatte seine Blütezeit in der Ära der geistigen Landesverteidigung mit den Geschwistern Schmid, Martheli Mumenthaler und den Liedern von Artur Beul. Das Trio Eugster hat diese Tradition wieder aufgenommen, den ideologischen Ballast abgeworfen und die Lieder in neuer Form wiederbelebt. Das Trio Eugster aus Dübendorf modernisierten mit ihren Scherz- und Spottliedern, das Schweizer «Lumpeliedli» und schrieben damit Schweizer Musikgeschichte.

Allein in den 1970er-Jahren soll das Trio 700000 LPs und rund eine Million Singles verkauft haben. Das sind Zahlen, von denen man heute nur träumen kann. 1971 gründeten die Eugsters auch ihre eigene Plattenfirma CH-Records sowie die Tell Music AG für Musikproduktionen im Pop und Rock. Vic Eugster war Geschäftsführer. Die Eugsters waren in der Schweizer Unterhaltungsbranche eine Macht.

Jahrelang tourte das Trio durchs Land, war Dauergast im Schweizer Fernsehen und erhielt 1982 mit «iischtige bitte!» sogar eine eigene TV-Sendung. Doch nicht alle konnten sich mit dem Trio anfreunden. Liedermacher Tinu Heiniger thematisierte die Eugsters im Lied «Unterhaltigsbrunz» und löste eine heftig geführte Debatte aus, die damit endete, dass Heiniger seine Platte per gerichtlichen Beschluss einstampfen lassen musste.

Mitte der 1980er Jahre begann das Trio kürzer zu treten und Guido Eugster wechselte ins Immobiliengeschäft. Nach schwerer Krankheit ist Guido Eugster am 3. April gestorben. Am 26. Mai hätte er seinen 85. Geburtstag feiern können.