Covid-19

Maskenpflicht für Theaterzuschauer? Ein realistisches Szenario im Schutzkonzept für Bühne und Orchester

Sollten die Vorhänge auf den Stadttheaterbühnen am 8. Juni wieder aufgehen, wird Vieles nicht mehr so sein, wie es mal war.

Sollten die Vorhänge auf den Stadttheaterbühnen am 8. Juni wieder aufgehen, wird Vieles nicht mehr so sein, wie es mal war.

Ein neues Schutzkonzept skizziert, wie Theater und Orchester ihren Betrieb ab dem 8. Juni wieder aufnehmen könnten. Eine Aufhebung der 2-Meter-Abstandsregel zeichnet sich ab, aber nur unter strengen Auflagen.

Sollte der Bundesrat das Versammlungsverbot nächste Woche lockern, könnten Kulturveranstalter wie Theater und Orchesterbetriebe am 8. Juni wieder öffnen. Der Co-Intendant des Schauspielhaus Zürich, Benjamin von Blomberg, hält eine schrittweise Anhebung der Besucherzahlen in den kommenden Sommermonaten für realistisch. «Wir sollten jeden Raum, den wir haben, unbedingt nutzen und werden
jeden Gedanken dar­auf verwenden auf die Frage, wie das geh­t und wir ihn verantwortlich gestalten», sagt von Blomberg. Sein Haus will bereits im Juni eine ursprünglich geplante Inszenierung in Corona-tauglicher Form wieder auf den Spielplan setzen. Für die meisten Häuser dürfte diese Saison allerdings gelaufen sein. Daran wird der Entscheid des Bundesrats am 27. Mai wenig ändern.

Veränderte Regie-Konzepte und strenge Einlassregeln

Die Theater und Orchester sind dennoch optimistisch, dass mit dem seit Donnerstag vorliegenden Schutzkonzept, das vom Schweizerischen Bühnenverband, dem Schweizer Verband der technischen Bühnen- und Veranstaltungsberufe sowie dem Verband der Schweizerischen Berufsorchester erarbeitet wurde, ab Herbst ein Veranstaltungsbetrieb mit Publikum wieder möglich ist. Nicht umsonst haben grosse Häuser wie das Konzert Theater Bern oder das Theater Orchester Biel Solothurn ihre Spielpläne in diesen Tagen publiziert.

Neben veränderten Regiekonzepten, die wenig körperliche Nähe vorsehen (Kussverbot auf der Bühne) müssen die Zuschauer mit strengen Einlassverfahren rechnen: markierte Wartezonen, kontaktlose Ticketkontrolle und -bezahlung werden zur Norm. Je nach Grösse der Räume wird es mehr Platzanweiser geben, welche die Personenströme notfalls auch in Einbahnstrassen zu ihren Plätzen lotsen. Wegen der engen Bestuhlung empfiehlt das Konzept gestaffelte Auslasse, ähnlich wie beim Boarding eines Flugzeugs.

Bei 2 Meter Abstand zu geringe Auslastung

Hielte man die 2-Meter-Abstandsregel bei der Bestuhlung von Theater- und Konzertsälen streng ein, könnte eine Auslastung von gerade mal 25 Prozent erzielt werden. Zu wenig, um wirtschaftlich zu sein. «Die Durchsetzung der generellen Abstandsregel hätte für den kulturellen Bereich der Schweiz schwerwiegende Folgen», heisst es im Konzept. Der in der nächsten Spielzeit interimistisch sowohl für das Luzerner Theater wie für das Theater Basel zuständige Intendant Benedikt von Peter sagte bereits letzte Woche gegenüber CH Media: «Mit Publikum unter 50 Prozent macht Theater finanziell keinen Sinn und auch keinen Spass.»

Auch deshalb wird man gar keine Wahl haben, für Theater-, Tanz- und Orchesterabende von der 2-Meter-Regel abzuweichen. Weil Theater- und Orchesterbesucher sich normalweise nicht gegenübersitzen und wenig bis gar nicht miteinander sprechen, sei die Übertragung des Virus ohnehin erschwert, heisst es im Konzept. So wären Auslastungen von 70 Prozent möglich, wenn man zwischen Paaren und Gästegruppen bis zu vier Personen jeweils einen Stuhl ausliesse. Bei Räumen mit 100-prozentiger Auslastung wäre eine Maskenpflicht allerdings unvermeidbar.

Autor

Julia Stephan

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