Luzerner Theater
Klassiker und Aktualität rund um Liebe und Terror

Aufwertung der Ensembles, neue Formen für junge Besucher sowie Klassiker und Experimente: Die nächste Spielzeit des Luzerner Theaters unter der Intendanz von Ina Karr führt die Aufbruchstimmung am Luzerner Theater weiter.

Urs Mattenberger, Stefan Welzel
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Katja Langenbach (44) setzt im Schauspiel auf Stücke, die nahe an der textlichen Vorlage orientiert sind, auf experimentelle Produktionen und zeitgenössisches Autorentheater. Ein solches präsentiert sie gleich selbst mit «Maria» des britischen Autors Simon Stephens als Schweizer Erstaufführung in der Box. Dem Saisonmotto «Bis zum Innersten» entspricht neben Shakespeares «King Lear» Heinrich von Kleists Verwechslungskomödie «Amphitryon» der jungen Regisseurin Elsa-Sophie Jach, die in ihrer «sehr zeitgenössischen Inszenierung toxische Männlichkeit entlarvt».

Schauspiel: Networking rund um Luzern

Nebst der Erstaufführung «Maria» bringt die Schauspielsparte mit «Liebe – eine argumentative Übung» und «Der Chor» (Autor ist der Zentralschweizer Dominik Busch) zudem eine weitere Schweizer Erstaufführung und eine Uraufführung mit nach Luzern. Letztere thematisiert einen Amoklauf in Luzern und «spinnt fiktiv die Frage weiter, wie unsere Gesellschaft mit Terror umgeht», so Langenbach. In dem multimedialen Stück «Network», basierend auf dem gleichnamigen, oskargekrönten Film aus dem Jahr 1976, geht der polnische Regisseur Wojtek Klemm im April 2022 der aktuellen Frage der Moral in der Medienlandschaft nach. Das UG in der Winkelriedstrasse wird wieder näher ans Luzerner Theater rücken und soll dem Ensemble erlauben, sich vermehrt in experimentellen Formen auszutoben. Das zwölfköpfige Schauspielensemble wird weitgehend neu besetzt, einzig Wiebke Kayser und Christian Baus (als Gast) werden von der aktuellen Besetzung weiterhin zu sehen sein.

Oper: Zeitgenössische Musik in satter Ästhetik

In der Oper stehen Repertoireklassiker von Mozart, Verdi oder Britten (vgl. oben) für das Prinzip Ensemble, das, so betont das gesamte Leitungsteam, den Regisseuren kreativ auf Augenhöhe begegnen soll. Das Opernensemble wird denn auch mit 10 Mitgliedern deutlich gestärkt (mit Robert Maszl als einzigem langjährigen Mitglied) und stellt sich in einem eigenen Format («Attacco») vor. Aber die Oper zeigt auch viel «Lust am Zeitgenössischen»:

Die bekannte Regisseurin und Kodirektorin der Sparte Oper, Lydia Steier, zeigt in Pascal Dusapins «Pérela», wie man auch zeitgenössische Musik mit der «satten Ästhetik einer Grand Opera» inszenieren kann, sagt Lars Gebhardt (38). Zudem wird mit einer skurrilen Parabel von Du Yun eine Reihe gestartet, die jedes Jahr eine Komponistin in Residenz vorstellt. Mit mobilen Projekten geht das Musiktheater neu in Kindertagesstätten und Schulklassen. Mit «Ring Ding» startet im Musiktheater ein Projekt, das einem jungen Publikum Wagners «Ring» spielerisch näherbringen wird.

Eine Blutspur zum Tanz und jungem Publikum

Eine Sonderrolle spielt der Tanz insofern, als hier ausschliesslich Uraufführungen auf dem Programm stehen – «da steht noch kein einziger Schritt fest», lacht Wanda Puvogel (57). Sechs Choreografen (je drei Frauen und Männer), die noch nie in Luzern gearbeitet haben, stehen auch da für eine breite Vielfalt an zeitgenössischem Tanz bis hin zu Hip-Hop. Für Kontinuität steht die Compagnie selber, die lediglich zwei Tänzer verlassen.

In allen Sparten gibt es Vermittlungsangebote und Produktionen für junge Menschen. Mit dem Familienstück (Kästners «Emil und die Detektive») und dem weiterhin von Sibylle Grüter und Jacqueline Surer geleiteten Figurentheater werden sie zur Sparte Junges Luzerner Theater zusammengefasst. All das wird attraktiv präsentiert im Programmbuch, durch das sich die Farbe Rot wie eine sich verbreiternde Blutspur zieht. Hinweis www.luzernertheater.ch

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