Musik

Lucky Peterson startete im letzten Jahr sein Comeback, jetzt ist er tot

Lucky Peterson bei seinem Comeback-Konzert am 16. Oktober 2019 am Fricktaler Bluesfestival.

Lucky Peterson bei seinem Comeback-Konzert am 16. Oktober 2019 am Fricktaler Bluesfestival.

Der Texaner war einer der aufregendsten Bluesmusiker seiner Generation und hauchte dem Blues neues Leben ein. Jetzt ist er im Alter von 55 Jahren gestorben.

«Du meinst, ich bin fertig? Du täuschst dich! Ich habe mich erst aufgewärmt», sang Lucky Peterson im letzten Herbst. Damals hatte sich der Sänger, Gitarrist und Keyboarder nach gesundheitlichen Problemen zurückgekämpft und feiert mit dem Album «50 – Just Warming Up!» sein 50. Bühnenjubiläum.

Der in Buffalo, New York als Judge Kenneth Peterson geborene Bluesmusiker hatte seine Karriere früh begonnen. Er war ein Wunderkind des Blues und fünf Jahre alt, als kein geringerer als Willie Dixon seine erste Platte produzierte.

Vater James Peterson, selbst ein formidabler Sänger und Gitarrist, führte in Buffalo einen bekannten Bluesclub, wo Klein-Lucky schon früh all die Blues-Grössen kennen lernen und von ihnen profitieren konnte. Er lernte zuerst Orgel und Klavier, später Gitarre und daneben auch Bass, Schlagzeug und Frenchhorn, spielte in Gospelbands und schon als Teenager in der Band seines Vaters.

Im Alter von 17 holte ihn Little Milton in seine Band und er wurde schon sieben Monate danach Bandleader, obwohl er nie Noten lesen lernte. Drei Jahre später wechselte er in die Band des Sängers Bobby Blue Bland und war ein begehrter Studiomusiker.

Mit seiner Solokarriere wollte es dagegen zuerst nicht klappen. Seine Alben erhielten schlechte Kritiken. Gelobt wurde zwar sein virtuoses Orgelspiel, sein Gesang und sein Gitarrenspiel galten aber nur wenig inspiriert. «Absolutely nothing to say» («der hat nichts zu sagen»), hiess es. Im Blues ein tödliches Urteil.

Moderner urbaner Blues

Das änderte sich fundamental 1993 mit dem Album «I’m Ready». Es war eines jener Alben, die den in die Jahre gekommenen Blues aus der Leichenstarre befreite und neues Leben einhauchte. Peterson verwob Gospel-, Funk-, Rock-, und Soulelemente zu einem urbanen Blues. Jazziges, filigranes Gitarrenspiel wechselte mit Power-Rock, dazu liess er seine Hammond-B3 lustvoll schmieren. Und auch sein ekstatischer Gesang liess keine Wünsche mehr offen. Lucky Peterson hat sein Glück gefunden und bewiesen, dass er einer der aufregendsten Bluesmusiker seiner Generation ist.

Seither zelebriert er den Blues in all seinen Variationen auf höchstem Niveau und veröffentlicht im Jahrestakt neue Alben. Dazu auch mit Sängerin Mavis Staples ein Tribute-Album für die Gospel-Queen Mahalia Jackson («Dedicated to Mahalia Jackson», 1996), 2004 ein Album mit seinem Vater James Peterson («If You Can’t Fix It») sowie vor zwei Jahren «Tribute To Jimmy Smith» für sein Orgel-Idol, das in den 60er-Jahren entscheidend zur Popularisierung der Hammond-B3 beigetragen hat.

Er hat sich getäuscht

Ab 2003 litt Lucky Peterson unter gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Im letzten Jahr kämpfte er sich zurück und feiert mit einem Album zum 50-Jahr-Bühnenjubiläum «50 – Just Warming Up!» seine Rückkehr. Er ging auf Tournee und präsentierte sich auch in der Schweiz. Am Konzert am Fricktaler Blues Festival wurde aber deutlich, dass die Zeit bei Lucky Peterson seine Wunden hinterlassen hat. Er konnte nicht an seine besten Zeiten anknüpfen. «Ich bin noch lange nicht fertig», liess er die Welt trotzdem wissen. Lucky Peterson hat sich getäuscht. Am letzten Sonntag ist er in einem ernstem Zustand in ein Spital in Dallas gebracht worden und starb kurze Zeit später, wies es auf seiner Facebook-Seite heisst. Offenbar erlag er einer Gehirnblutung.

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Autor

Stefan Künzli

Stefan Künzli

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