Kunstkolumne
Bildbetrachtung von Sabine Altorfer – diese Woche: Warum der Samichlaus Mandarinli bringt

Sankt Nikolaus ist einer der populärsten Heiligen, viele Kirchen sind ihm gewidmet. Doch wie erkennt man ihn unter all den anderen Heiligen? Und warum bringt er Geschenke?

Sabine Altorfer
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Sankt Nikolaus hält am Portal der Kathedrale von Freiburg (i. Ü.) drei Goldkugeln bereit.

Sankt Nikolaus hält am Portal der Kathedrale von Freiburg (i. Ü.) drei Goldkugeln bereit.

Bild: Alamy

Der Samichlaus bringt Geschenke. Doch warum eigentlich? Die Skulptur des heiligen Nikolaus an der Kathedrale von Freiburg erklärt das. Da steht er im Bischofsornat und im zwar etwas verblassten roten Kleid schwungvoll am gotischen Westportal. Doch wie erkennt man Nikolaus? Bildhauer und Maler konnten mit einem einfachen Trick die vielen Heiligen und Würdenträger eindeutig darstellen: Man gab ihnen ein Attribut in die Hand.

Petrus beispielsweise den Schlüssel – und Nikolaus drei Goldkugeln. Denn er hat als Bischof von Myra (der heutigen Türkei) im 4. Jahrhundert einige Wunder vollbracht, Sünder überführt und gute Taten vollbracht. Die wichtigste: Drei Jungfrauen, die ihr alter, armer Vater als Prostituierte verdingen wollte, warf Nikolaus je einen Goldklumpen in die Kammer. Damit finanzierte er ihnen eine Mitgift, ein gutbürgerliches Leben und bewahrte sie vor einem sündigen Leben. Die Goldklumpen wurden im volkstümlichen Brauch zu Äpfeln, Mandarinli und Orangen. Die Rute zur Bestrafung der Kinder kam erst viel später dazu.

Zur Person

Sabine Altorfer
CH Media

Sabine Altorfer

ist Kulturredaktorin bei CH Media und schreibt primär über Bildende Kunst. Seit März 2017 verfasst sie jede Woche in der «Schweiz am Wochenende» eine Bildbetrachtung - passend zur Jahreszeit, aktuellen Ereignissen oder Werken, die sie besonders mag.