Schweizer Tatort

Kritiken für ersten Zürich-Tatort: Von «spannendem Debüt» bis «schlecht ausgedacht»

Carol Schuler als Kommissarin Tessa Ott (l.) und Anna Pieri Zuercher als Kommissarin Isabelle Grandjean (r.) im neuen Zürcher Tatort.

Carol Schuler als Kommissarin Tessa Ott (l.) und Anna Pieri Zuercher als Kommissarin Isabelle Grandjean (r.) im neuen Zürcher Tatort.

Unsere nördlichen Nachbarn gehen mit dem Schweizer Tatort in der Regel hart ins Gericht. Die Ermittlerinnen, die am Sonntagabend Premiere feierten, kommen in den deutschen Zeitungen aber noch glimpflich weg.

(mg) Von einer «Wachablösung ohne Alphorn» spricht die Frankfurter Allgemeine Zeitung. «Neun Jahre lang waren die helvetischen Episoden so gestrickt, dass man weder den Handlungsfaden verlor noch viele Worte verpasste, wenn man mal eine Stunde lang einnickte», heisst es in der Besprechung mit einigen Speerspitzen gegen die Folgen aus Luzern. Zwar sei auch noch nicht alles gelungen, aber die Besprechung schliesst mit dem versöhnlichen Satz «Mag Zürich so weiterbrennen; es hat schon schwächere Tatort-Antrittsfolgen gegeben.»

Ähnlich positiv lautet das Fazit des «Spiegel». Dort erhalten die Ermittlerinnen immerhin 8 von 10 möglichen Punkten und das schöne Lob «so explosiv kann es gern weitergehen.» Die Geschichte und das neue Ermittlerduo werden ebenfalls positiv aufgenommen. Und, «dass dabei die Stimmung der frühen Achtziger so gekonnt in die Gegenwart der alt gewordenen Charaktere geholt wird, ist ein weiterer Bonus.» Die Folge beschäftigte sich mit den Nachwirkungen der Opernhauskrawalle in den 1980er-Jahren.

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Ein Tatort mit David-Fincher-Momenten

Auch in der TAZ erhält das Ermittlerduo, gespielt von Carol Schuler und Anna Pieri Zuercher, viel Lob. Wie sie die Spannungen zwischen ihren Figuren «mit Blicken schauspielerisch auslegen, ist fabelhaft.» Die Ermittlungsmethoden seien «zuweilen alles andere als zimperlich, und dann hat dieser Tatort auch seine David-Fincher-Momente. Ein spannendes Debüt.»

Deutlich negativer in der Bewertung zeigt sich die «Bild». In gewohnt blumiger Sprache urteilt man dort: «Leider brennt hier wenig. Für die meiste Spannung sorgen die Ermittlerinnen selbst, die sich nicht grün sind. Da ist noch Alpen-Luft nach oben.» Ganz abschiessen will man die Ermittlerinnen nach Folge 1 aber noch nicht: «Prognose: Das Team kann mal richtig gut werden.»

Doch noch ein paar geschriebene Ohrfeigen

«Es gibt Geschichten, die nicht wirken wie schlecht ausgedacht – und es gibt solche wie ‹Züri brännt›», wird dann die «Zeit» doch etwas giftiger. Und es wird noch einen Tick böser: «Wer hinter diesen aufgeklebten Sprechweisen plausible Figuren entdeckt, darf sich einen glücklichen Menschen nennen.» Und als wäre das noch nicht genug, folgt gleich die nächste geschrieben Ohrfeige: «Der Tatort holt sich beim Spagat seiner filmischen Mittel eine Adduktorenzerrung nach der anderen.»

Gemessen am Luzerner Team wurden die beiden Zürcher-Ermittlerinnen aber verhältnismässig wenig mit Buchstaben verprügelt.

Besuch bei den Dreharbeiten des neuen Schweizer "Tatorts"

Besuch bei den Dreharbeiten des neuen Schweizer "Tatorts"

Am Sonntag hat das Schweizer Fernsehen den ersten Tatort mit dem neuen Ermittlerinnen-Duo Anna Pieri Zuercher und Carol Schuler ausgestrahlt. Keystone-SDA hat die beiden Schauspielerinnen beim Dreh im letzten Dezember besucht.

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