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Ohne «Dune» kein «Star Wars»: Nun kommt endlich wieder eine Filmadaption des Science-Fiction-Klassikers

Bis jetzt sind alle Regisseure am Kultroman «Dune» gescheitert. Gelingt Denis Villeneuves der lang erwartete grosse Wurf?

Regina Grüter
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Timothée Chalamet und Rebecca Ferguson auf dem Wüstenplaneten Dune.

Timothée Chalamet und Rebecca Ferguson auf dem Wüstenplaneten Dune.

Bild: Warner Bros.

Arrakis ist ein unwirtlicher Planet mit gefährlichen Sandwürmern. Die einheimischen Fremen nennen ihn Dune, den Wüstenplaneten. «Dune» gilt als wegweisender Science-Fiction-Roman. Der US-Amerikaner Frank Herbert (1920–1986) entwarf darin 1965 eine umfassende, detailreich gezeichnete interstellare Gesellschaftsordnung, angesiedelt in einer fernen Zukunft. Die Filmwelt ist sich einig: Ohne die Geschichte von «Dune» wären Meilensteine des Science-Fiction-Films wie «Star Wars», «Blade Runner» oder «Alien» undenkbar gewesen.

Der kanadische Filmemacher Denis Villeneuve bringt nun also «Dune», Teil eins, ins Kino und beginnt am Anfang: Der Imperator beordert die Harkonnen zurück auf ihren Heimatplaneten. An ihrer statt sollen die Atreides unter ihrem Fürsten Leto (Oscar Isaac) auf Arrakis den Abbau des «Spice», Deutsch «Gewürz», übernehmen.

Die bewusstseinsverändernde Droge Spice ist für interstellares Reisen unabdingbar und deshalb von unschätzbarem Wert. Die Fremen, das unterdrückte Volk, faszinieren Letos Sohn Paul Atreides (Timothée Chalamet) hingegen schon seit jeher. Er träumt von einem Fremen-Mädchen (Zendaya). Was haben die Träume zu bedeuten? Ist er der Messias, auf den die Fremen warten? Welche Bedeutung hat er für die Bene Gesserit, eine Schwesternschaft, deren Mitglieder über übermenschlich erscheinende Kräfte verfügen wie seine Mutter Jessica (Rebecca Ferguson)?

Trailer «Dune».

Quelle: Warner Bros. Pictures

Die Kraft der Wüste nutzen

Solch ein Stoff ist nicht zum ersten Mal für eine Verfilmung in Betracht gezogen worden. Gemacht hat es vor Villeneuve aber nur David Lynch, 1984. Lynch war mit dem Endprodukt nicht zufrieden. Die komplexe Story ist diffus erzählt, Informationen werden scheinbar ohne Plan eingestreut. Und die Spezialeffekte sind schauderhaft schlecht.

Die Geschichte der gescheiterten «Dune»-Projekte ist lang. Die experimentelle Adaption des chilenischen Regisseurs Alejandro Jodorowsky nahm derart gigantische Ausmasse an, dass es darüber einen eigenen Film gibt.

Lynchs «Dune» ist überzogen ekelhaft, dass es schon fast ins Lächerliche kippt. Denis Villeneuve geht hingegen sehr ernst an die Sache heran. Pauls Nachtträume weiten sich zu Tagträumen aus. «Der Heilige Krieg wütet im Universum wie ein Feuer», prophezeit eine von Pauls Visionen.

Spice ist das neue Öl

Die Themen von Autor Frank Herbert sind nach wie vor verblüffend aktuell: der Widerspruch zwischen Ökonomie und Ökologie vor dem Hintergrund der nahenden Klimakatastrophe; Religion und ihr Missbrauch; intrigante Politik, Unterdrückung von Minderheiten und Krieg als logische Folge von Machtkämpfen.

Ein «Star Wars» für Erwachsene sollte sein «Dune» werden, sagte Villeneuve. Dem möchte man entgegnen: «Star Wars» ist auch für Erwachsene! Was er damit gemeint hat, ist wohl, dass neben den Entwürfen fremder Welten und Spezialeffekten eine philosophisch reizvolle Geschichte das gewisse Etwas ausmachen sollte.

Mit «Arrival» und «Blade Runner 2049» hat Villeneuve gezeigt, dass er das kann. Bei «Dune», er war auch am Drehbuch beteiligt, gelingt es ihm nur bedingt. Hervorragend ist die mit Kamera und Production Design entwickelte visuelle Filmsprache. Die Zukunft ist nicht grell, sondern grau und gelb wie der Sand auf Arrakis. Landschaft, Gebäude, Fluggeräte, Kostüme – alles baut auf Bekanntem auf und suggeriert damit, dass sich der Mensch nie grundlegend weiterentwickelt, sondern dabei auf Bewährtes zurückgreift.

Villeneuve überfrachtet das Publikum nicht mit Informationen und lässt sich mit dem Erzählen Zeit. Eine philosophische Studie aber ist der Film nicht. Auch kein Arthousefilm, sondern ein packender Kinoblockbuster, der, wie James Bond, ein Crossover-Publikum anspricht. Ein Epos fürs Kino, für das man sich nicht vorgängig mit dem Herbert-Universum zu beschäftigen braucht.

«Dune» (USA/CAN 2021), 155 Minuten, Regie: Denis Villeneuve, ab 16. September im Kino.

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