Jubiläum
Happy Birthday! Der Vater von «Johnny Mauser», «Franz von Hahn» und dem «dicken Waldemar»» wird 80

Seine Bilderbücher sind Klassiker mit wonnigem Witz: Der Zeichner Helme Heine wird 80 und hat noch immer den Kopf voller Ideen.

Bettina Kugler
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Maus, Schwein und Hahn auf grosser Tour.

Maus, Schwein und Hahn auf grosser Tour.

2003 Beltz & Gelberg

Glück macht süchtig. Wer das nicht schon lange weiss, der muss nur Johnny Mauser, Franz von Hahn und dem dicken Waldemar einen Sommertag lang zuschauen bei ihren Streifzügen rund um Mullewapp, den idyllisch vom Stall her stinkenden Bauernhof zwischen saftig grünen Wiesen und wogenden Kornfeldern unter einem weiten, wasserfarbenblauen Himmel. Wie Ferien auf dem Land ist das, nur ohne echten Mief. Mullewapp ist übrigens das plattdeutsche Wort für «Maulwurfshügel».

Dem Zeichner Helme Heine, vor genau 80 Jahren in Berlin geboren (also keineswegs dort, wo Schwein, Hahn und Maus sich gute Nacht sagen), hat Mullewapp das Glück gebracht. Das Bilderbuch «Freunde» über die ebenso spassbetonte wie solidarische Verbundenheit der drei sehr ausgeprägten Charaktere machte ihn 1982 bekannt.

Es wurde zur Trickfilmreihe, zum Kinofilm, kam als ­Figurentheater auf die Bühne. Heine setzte es fort mit kleinen Bauernhofkrimis, und Jahr für Jahr gibt es zwölf oder dreizehn neue Geschichten in jeweils einem Einzelblatt: den «Freunde»-Kalender, den sich auch ergraute Mullewapp-Fans noch an die Wand hängen.

Klassische Lektion: Wenn sich die Tiere gegenseitig helfen, können sie Grosses schaffen.

Klassische Lektion: Wenn sich die Tiere gegenseitig helfen, können sie Grosses schaffen.

2003 Beltz & Gelberg

Viel los in und um Mullewapp

Sowieso sind Helme Heines lichtdurchflutete Aquarelle, seine humorvoll angespitzten Idyllen nie nur für Kleine eine Wonne gewesen. Die sanfte Ironie hat sie von Anfang an gerade bei Erwachsenen beliebt gemacht, die glückssüchtig sind – doch nur ein bisschen. Die Zeit war in den frühen 1980er-Jahren reif für das innere Kind; man hatte genug von Revolte, erst recht vom deutschen Herbst der RAF. Da kamen Bücher wie «Freunde» oder Janoschs «Oh, wie schön ist Panama» gerade recht.

Janosch, der ältere der beiden, hat Anfang März seinen 90. Geburtstag gefeiert, auf ­Teneriffa, wo er seit langem lebt. Wie er ist Helme Heine Lebenskünstler, aber auch Kosmopolit: Er bereiste als junger Mann Europa und Asien, ging nach Südafrika und gründete dort ein Theater namens Sauerkraut.

Nach einem Zwischenhalt zu Hause liess er sich in Neuseeland nieder: Auf Bildern sieht man ihn entweder in einem sonnigen Atelierhäuschen mit Blick auf einen üppig grünen Park oder gemütlich schippernd auf einem Segelboot, gemeinsam mit seiner Frau und Freundin fürs Leben. Schon seine Anfänge als Bilderbuchkünstler waren philosophisch, auf heitere, nicht zu verstiegene Art.

Das «Elefanteneinmaleins» verhalf ihm 1976 zu internationalem Ruhm: Es wurde an der Kinderbuchmesse Bologna ausgezeichnet und kam auf die Liste «Schönste Deutsche Bücher». Dabei ist es fein gestrichelt schwarz-weiss und zählt «Elefantenklösse» – also das Resultat eines langen Elefantentages, der vor allem dem Grasen, Trinken, Dösen und Verdauen gewidmet ist, ein Leben lang. So lange, bis der akkurat mitzählende Elefant in jene Richtung trottet, in der alle Elefanten verschwinden, wenn sie keine Klösse mehr machen können. Sein Schöpfer bleibt hoffentlich noch lange hier – und macht uns mit Büchern und Kalendern glücklich.